SE

HR IK

N

HN

Bag Es

==

cc

2

NOIR

KD N RY Ir

=

W BEN

UND

hi hp

ICRRNS min, NUN

IN! 4 Ah I FROM

ae

YETInhR,

ER URN N

22

UISRNDN UA b Ki) L N NR N HaIN ENSRLUNN an NN

Kann. ' N h NMI.MN, N \ ur I TE Kr) Mu) h N MN y KRIHNAN, {RRIDHADERN al J Sl Br I A In DAR EHRT N

AN ELCUN!

Y

UN nk

RRLIN N Rn REN

er AR IN

N ESARPLR N

HENRI BD RR RR RAT FRNIE

NAME, URWULEHARH NA

N A 1% Karin Ye j

A DR Ab

Kal EIN,

A Er n N, A PR f

\

OR We I

N FagPr Fe

Era,

Piz da Ber Ir

fr “n L

DIE AGAVEN

BEITRÄGE ZU EINER MONOGRAPHIE

VON

ALWIN BERGER

„El arbol de las maravillas es el Maguey“. Acosta.,

MIT 79 ABBILDUNGEN IM TEXT UND 2 KARTEN

JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1915

[4

Verlag von Kustav Fischer in Jena.

Mexikanische Cacteen-, Agaven- und Bromeliaceen-Vegetation. Von Prof. Dr. G. Karsten, Halle, und Prof. Dr. Ernst Stahl, Jena. 6 Lichtdrucktafeln mit 5 Blatt Tafelerklärungen. (Vegetationsbilder, von Prof. Dr. G. Karsten, Halle, und Prof. Dr. H. Schenck, Darmstadt. Reihe I, Heft 8.) 1903. 4°. Preis: 4 Mark.

Flora der Umgebung der Stadt Säo Paulo in Brasilien.

Von Dr. A. Usteri, ehemals Professor am Polytechnikum Säo Paulo. Mit 1 Karte, 1 Tafel und 72 Abbildungen im Text. 1911. Preis: 7 Mark.

Vorliegende Arbeit ist die erste systematische Bearbeitung der Flora von Säo Paulo. Sıe wird wegen ihrer Eigenart und Reichhaltigkeit für weite Kreise der Botaniker und Geographen von Interesse sein. Die reiche Illustrierung erhöht den Wert des Buches. Der erste Teil gibt einen Einblick in die pflanzengeographischen Verhältnisse des Gebiets, während der zweite ein Bestimmen der in dieser Gegend wild wachsenden Pflanzen ermöglicht.

- umfassend die Blütenpflanzen, mit besonderer Exkursionsflora von Java, Berücksichtigung der im Hochgebirge wildwach-

senden Arten. Im Auftrage des Holländischen Kolonialministeriums bearbeitet von Dr. S. H. Koorders.

Erster Band: Monokotyledonen. Mit einer chromolithographischen Tafel, 6 Lichtdrucktafeln und 30 Abbildungen im Text. (XXV und 413S. gr. 8°.) 1911. Preis: 24 Mark.

Zweiter Band: Dikotyledonen (Archiehlamydeae). Mit 7 Lichtdrucktafeln und 90 Abbildungen im Text. (VI und 742 S. gr. 8°.) 1912. Preis: 36 Mark.

Dritter Band: Dikotyletonen (Metachlamydeae). Mit 6 Lichtdrucktafeln, 4 Karten und 19 Abbild. im Text. (IX und 498 S. gr. 8°.) 1912. Preis: 28 Mark.

Vierter Band: Atlas. I. Abt.: Familie 1-19. 1913. Preis: 2 Mark 50 Pf.

. Studien über Gestalt und Leben des Efeus, seine Die Gattung Hedera. Arten und Geschichte. Von Friedrich Tobler, Münster i. W. Mit 57 Abbildungen. 1912. Preis: 6 Mark 50 Pf.

Inhalt: I. Die Gattung Hedera. II. Die Arten: 1. H. helix Linne 1753. 2. H. poetarum Bertoloni 1827. 3. H. canariensis Willdenow 1808. 4. H. eolchica Koch 1859. 5. H. himalaica nov. spec. 6. H. japonica. III. Zur Physiologie des Efeus. 1. Dorsiventralität und eo 2. Psychro- klinie. 3. Rotfärbung. 4. Der Wechsel der Blattform. IV. Der Efeu als Garten- pflanze. V. Zur Geschichte des Efeus.

: eine systematische und biologische Monographie. Die Gattung Cyclamen L., Yo, Dr. Friedrich Hildebrand, Prof. der Botanik zu Freiburg i. Br. Mit 6 lithographischen Tafeln. 1898. Preis: 8 Mark.

Monographie der Gattung Epilobium. re?

Weimar. tabelle und 23 Steindrucktafeln. (X, 318 S. gr. Fol.) 1884. Preis: 45 Mark.

Die Keimpflanzen der Gesneriaceen "it b<sonderer Berücksichtigung

von Streptocarpus, nebst ver- gleichenden Studien über die Morphologie dieser Familie. Von Dr. Karl Fritsch, o. ö. Prof. der Botanik an der K. K. Universität in Graz. Mit 38 Abbildungen im Text. 1904. Preis: 4 Mark 50 Pf.

Oesterr. botanische Zeitschrift:

Außerordentlich gründliche Studie über die bekanntlich sehr be- merkenswerten morphologischen Verhältnisse der vegetativen Region der Gesneriaceen, die um so wertvoller ist, als Verf. sich von den behandelten Pflanzen lebendes Material zu beschaffen wußte.

DIE AGAVEN

BEITRÄGE ZU EINER MONOGRAPHIE

VON

ALWIN BERGER

LIBRARY aW x "EW YOR # „El arbol de las maravillas s=TANICA es el Maguey“. Acosta. UARDBEN

MIT 79 ABBILDUNGEN IM TEXT UND 2 KARTEN

JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1915

ie 2

‚hrsg

Alle Rear Vorbehalten:

en J

JAN 111916

LIBRARY

"KR ORK

Vorwort.

Auch Bücher haben ihr Schicksal. Die Vorarbeiten zu diesem Werke begann ich mit meinen anderen Studien über succulente Pflan- zen im Juni 1897 unmittelbar mit der Uebernahme der wissenschaft- lichen Leitung des schönen Gartens in La Mortola bei Ventimiglia, den Tuomas Hangury und sein Bruder Danten zu Ausgang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts angelegt hatten und zu dessen weiterem Ausbau deutsche Kräfte an erster Stelle berufen waren. So mein nun auch verstorbener Freund LupwıG WINTER, der in der Hauptsache die landschaftliche Anlage ausgeführt hatte und sich später in |Bordi- ghera niederließ, dann der früh heimgegangene begabte Gustav URONE- MEYER und später Kurr DmTer, der nachmalige Botaniker unseres Deutsch - Südwestafrika, der mein unmittelbarer Vorgänger war. Diese Herren hatten die von Danzer Hangury bereits begonnene Sammlung von Saftpflanzen und darunter auch vorzüglich der Agaven!) weiter ausgebaut, so daß ich bei meinem Antritt ein über- raschendes und verlockendes Studienmaterial vorfand. Verlockend insofern, als ich Succulenten vorher noch nie in solcher vollkommenen Ausbildung gesehen hatte, als mir das nun in La Mortola möglich wurde. Ich hatte daher von Anfang an keine Mühe gescheut, mich mit den vorhandenen Arten vertraut zu machen, fertigte Notizen, Photographien und Zeichnungen an, namentlich der blühenden Exem- plare, und suchte auf der anderen Seite alle erreichbaren Arten aus den Gärten von Nord und Süd und durch direkte Einfuhr aus der Heimat herbeizuschaffen. Mit der Zeit erreichte ich eine Sammlung lebender Pflanzen, die wohl, was Agaven anbetrifft, in Europa von

78 1) Weiteres siehe in meinem: Hortus Mortolensis,.... Alphabetical Catalo- gue....of La Mortola.... London 1912, S. V—XV und 356—365.

IV Vorwort.

keiner anderen übertroffen wurde und die ein Studienmaterial lieferte, das ich ständig unter der Hand hatte und das um so wertvoller war, als gerade die Agaven an den sonnigen Hängen des Gartens von La Mortola vorzüglich gedeihen. Ich konnte somit nicht nur die einzelnen Arten und Formen gegenseitig vergleichen, sondern dieselben auch in allen Stadien ihres Alters beobachten, zumal die meisten Arten in zahlreichen Individuen vertreten waren, alles Dinge, die besonders bei Agavenstudien von großer Wichtigkeit sind.

Große Schwierigkeiten verursachte dann die Beschaffung der nötigen Literatur, namentlich waren Jacogıs Veröffentlichungen, ohne die ein erfolgreiches Arbeiten unmöglich ist, lange Zeit nicht zu be- schaffen. Erschwerend war auch hier wie überall bei den Succulenten das Fehlen von Originalexemplaren der älteren Arten in allen Her- barien. Später erfuhr ich dann durch die freundliche Vermittelung des Herrn Kgl. Garteninspektors HöLscHErR von Jacogrs Nachlaß, bestehend aus Photographien und Zeichnungen, im Botanischen Garten in Breslau, den sodann Herr Geh.Rat Prof. Dr. F. Pax mir freund- lichst längere Zeit zum Studium überließ. Beiden Herren möchte ich hier für diese wichtige Unterstützung meiner Arbeit meinen besten Dank aussprechen. Mit dieser Sammlung wurde es mir möglich, eine gewisse Anzahl von bisher verschollenen oder mißverstandenen Arten ‚Jacogıs aufzuklären. Ich bin mir indessen wohl bewußt, daß meine Arbeit noch voller Lücken ist, allein bei der langwierigen Entwicklung der Pflanzen und bei dem sich steigernden Interesse, das man neuer- dings denselben entgegenbringt, war es wünschenswert, die gewonnenen Resultate systematisch zu ordnen, mit den neuen TRELEAsESschen Arten aufzurunden und zu veröffentlichen. Bis zu einer vollständigen Mono- graphie, die allen von mir selbst gestellten Forderungen genügen würde, wäre ohnehin noch ein weiter Weg gewesen.

Die wenigen in der Kenntnis der Gattung kompetenten Personen ersuche ich um freundliche Nachsicht, wo sie auf Fehler oder Irrtümer stoßen werden. Sie wissen, wie schwierig der ganze Stoff ist, sie allein sind in der Lage, den Wert der vorliegenden Arbeit zu schätzen, und ihr gerechtes Urteil scheue ich auch nicht.

Die Agaven, welche Toparo in Palermo beschrieben hatte, sah ich, soweit sie noch vorhanden waren, bei einem Besuche des dortigen Gartens im ‚Jahre 1901. Die Agaven der Gärten und Herbarien in München, Paris und Kew habe ich mehrmals, zuletzt 1913 speziell durch-

Vorwort. V

gesehen, ebenso die Sammlungen in Dahlem, Darmstadt und der Han- delsgärtnerei HaAGE & ScHmipr in Erfurt. Die Vorstände dieser Gärten haben mir in dankenswerter Weise alle Unterstützung ange- deihen lassen und mir vielfach lebende Pflanzen für La Mortola ab- getreten. Ich habe im speziellen Teile bei jeder einzelnen Art darauf hingewiesen, möchte aber auch an dieser Stelle allen nochmals meinen aufrichtigen Dank sagen, so in Dahlem Herrn Geh. Oberregierungs- rat Prof. Dr. A. EncLer, und Herrn Geh.Rat UrBAan für die Durch- sicht der westindischen Arten seines Herbariums, Herrn Hofrat Prof. Dr. H. Schenck und Herrn Garteninspektor Purrus in Darmstadt für Ueberlassung wertvollen mexikanischen Materials, Herrn CarL SCHMIDT in Erfurt, Besitzer der Handelsgärtnerei HAAGE & ScHMmipr, Herrn Geh. Rat Prof. Dr. RApLKorER, den Herren Dr. Ross und Dr. Kupper in München, am Jardin des Plantes in Paris M. Boıs, Herrn Prof. GerArnp in Lyon, in Kew Sir Davım Pram und Mr. J. G. Baker, ferner Herrn Prof. Pamrpanmı in Florenz, Herrn Prof. Penzıc in Genua, Herrn C. WERrcKLE£ in S. Jago, Costa Rica,

Usa. m.

Mit Herrn Prof. TreL£AseE, der 1905 La Mortola besuchte, ver- band mich ein langer Briefwechsel über die Agaven La Mortolas, so daß ich nicht verfehlen möchte, ihm hier für so manche Auf- klärung und für die freundliche Zuwendung wertvoller lebender Pflanzen und aller seiner Veröffentlichungen noch ganz besonders zu

danken.

So war die Arbeit während des Winters 1913—14 fertig geworden, bis zum Schlusse fertig gesetzt und bis Seite 224 fertig gedruckt, als im August der ungeheure Weltkrieg gegen Deutschland aufflammte, der mit einem Schlage alles so von Grund auf umwälzte. Auch meine Stellung in La Mortola fiel über die nationalen Gegensätze, als der Unterseebootskrieg mit dem 18. Februar 1915 einsetzte, und ich schreibe nun dieses Vorwort fern von der Stätte, wo die Studien gemacht wurden, und ohne in der Lage zu sein, angeben zu können, was das weitere Schicksal des Gartens und der Pflanzen sein wird, denen ich lange Jahre meines Lebens gewidmet habe.

Bemerken möchte ich noch, daß alle Zeichnungen und Photogra- phien, wo nicht anders angegeben, von mir selbst in La Mortola an- gefertigt wurden.

v1 Vorwort.

So übergebe ich nun diese Arbeit der Oeffentlichkeit in der Hoffnung, daß sie viele für die schönen Pflanzen, die die Agaven nun einmal sind, interessieren werde.

Zum Schluß möchte ich nicht versäumen, dem Verleger, Herrn Gustav Fischer, für den sorgfältigen guten Druck des Werkes zu danken.

Kgl. Wilhelma, Cannstatt bei Stuttgart,

August 1915 Auwın BERGER.

Inhaltsverzeichnis.

Seite en Va an du Car an Kae rl Pete Jen 0 rc ee ee 1 Spezieller Tel. . . er 21

Uebersicht der Shen aan dl en EP 22 tn 9 ee ee 23 Hilfsschlüssel . . . ne Kae Yard nme Bee 25 Subgen. I. Manfreda Ba. Tu ee ee ee re 28 Subgen. II. Littaea BAK. Te I a 38 Sekt: I. Anacamptagave BERGER. . 2. 2 0 2 00.0 38 Fre 2 X ysmagave. BERGER! 5. "u WE I 68 Bekoıı: ‚Sehoenagave BERGER. . . 5 a. mern. 78 Enke. Chonanthagave BERGER. . >... 2 2 u.a 83 Bekirs. ; Pericamptagave BERGER. . . .ı. uk 000% 85 Sekt. 6. Brachysolenagave BERGER . . . : 2 2 2.2. 116 Bere FAnoplagave BERGER. ; vl. 20 0 Sm sonen 121 BORPEREINI 2 Buaoave BAR... 0000. u ul em ae 127 ELLE So ee! HE ETENDAVEN u car 9 ee ren een: 275 Register . . re 279 Karte 1. ae Sr Setzanan Man reg od sen wi 286 Karte II. Verbreitung des Subgenus ERTEILT: 287

Druckfehlerberichtigungen . . . . . By a ea SE MS 288

ELF stuhl 5

\ Bi . ai ar 7 —_ı cs ir I N i - 13 nein . 5 ISTELE vs = k E P S BEHUU- FeE: ELITE _ Exponere, non confundere n =, a Muen tt f ö i A Hi i f j E DER: s y c 0 B 5 PR to, 4 hat Skala BEI +22 IE HAT FUHEAM wi IE 123 F ö x 7 a 02 s _ i

Einleitune.

Die Agaveae oder Agavoideae werden von ENDLICHER, KuntH, Bentuam und HookER, EnGLER und PrANTL, kurz von den führenden Systematikern, den Amaryllidaceen als Unterfamilie beigefügt auf Grund des unterständigen Fruchtknotens. Von den übrigen Gliedern dieser Familie sind sie jedoch sehr verschieden, namentlich fehlt ihnen der nackte Schaft, an dessen Spitze die Blüten doldenartig aus einer Scheide treten. Auch ist der Fruchtknoten bei den Agavoideae nicht in allen Fällen genau unterständig, sondern in einigen ragt er ziem- lich weit in die Perianthröhre hinein. In ihrem Habitus weichen sie von allen übrigen Amaryllidaceen beträchtlich ab.

Es hat daher auch nicht an Versuchen gefehlt, die Agavoideae von den Amaryllidaceen zu trennen. So hat R. A. SaLıspury für sie eine besondere Verwandtschaftsgruppe „Sarmentaceae“ aufgestellt und schloß darin auch die Yucceen mit ein, welche in Frucht und Samen sroße Aehnlichkeit mit den Agavoiden aufweisen.

Diese Auffassung trifft jedoch nicht das Richtige und hat daher auch keine Aufnahme finden können, denn die Yucceen sind unver- kennbare Liliaceen.

Höchstens könnte man noch daran denken, die Agavoideae zur selbständigen Familie neben den Amaryllidaceen zu erheben.

Viele äußerliche Charaktere des Habitus haben sie mit den Bro- meliaceen gemeinsam, wie z. B. die spiralig in Rosetten gestellten Blätter, den rispig verzweigten und mit Hochblättern versehenen Blütenstand, dessen terminale Stellung das Absterben der betreffenden Rosette bedingt. Anklänge an die Sukkulenz finden sich auch bei einigen Bromeliaceae, wie z. B. die Gattungen Dyckia und Hechtia, und echte End- und Randstacheln sind bei den Bromeliaceen nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind die Blüten, die Früchte und die Samen der beiden, Agavoideae und Bromeliaceae, recht verschieden und weisen beiden eine andere Stellung, den ersteren unter den Lilii- floren, den zweiten unter den Farinosae an.

Die Agavoideae zerfallen in eine Anzahl ziemlich nahe ver- wandter Gattungen, über deren Umgrenzung die Meinungen einst- weilen noch geteilt sind.

Alle hierhergehörigen Pflanzen sind ausgezeichnet durch spiralig in Rosetten stehende Blätter von meist fleischiger oder selbst hart- fleischiger Beschaffenheit. Bei der Gattung Agave tragen diese Blätter meist einen kräftig entwickelten Endstachel, dessen Form und Farbe stets wichtige spezifische und selbst höhere Charaktere

Berger, Die Agaven. 1

2 Einleitung.

abgeben. Er wird gewissermaßen aus der Zusammenfassung aller der zähen Nervenstränge gebildet, welche die Blattmasse dicht durch- ziehen. Die Beschaffenheit der Blätter wechselt von Reihe zu Reihe, und obgleich selbst an Blättern verschiedenen Alters an ein und der- selben Pflanze sich oft Unterschiede ergeben, ist in bezug auf die Blattkonsistenz die Uebereinstimmung in den Reihen meist die Regel. Die Blätter der Polianthes-, Prochnyanthes- und Manfredaarten sind fleischig in der Art vieler monokotyler Pflanzen und teilweise mit denen unserer europäischen Orchideen zu vergleichen. Sie sind un- bewehrt oder höchstens mit sehr winzigen Randzähnen versehen. Bei diesen kleinen Pflanzen ist auch der Stamm oder Wurzelstock knollen- artig ausgebildet. Am bekanntesten ist von diesen kleinen Agaven wohl die sogenannte Tuberose. Die Blätter der übrigen Gattungen erreichen meist eine viel beträchtlichere Größe und viel größere Aus- bildung des Wassergewebes. Am dicksten sind vielleicht die Blätter der A. Salmiana, die bis über 2 m Länge erreichen und fast eine Manneslast ausmachen. Die Mehrzahl der Agaven und Furcräen haben außer dem mehr oder weniger kräftigen Endstachel, von der bereits die Rede war, auch längs der Ränder noch mehr oder weniger kräftige, meist hornige Zähne, deren Beschaffenheit im speziellen Teile bei jeder Art ausführlicher angegeben ist. Die Bewaffnung der Blätter, nach denen wir die Arten, und selbst Reihen unterscheiden, ist trotz alledem nicht ein so unverbrüchlich sicheres Merkmal, auch hier kommen Va- riationen vor, verursacht durch Alter der Pflanzen, deren Standort und Boden oder individuelle Anlage. Einige Arten sind an den Rändern ganz oder fast ganz unbewehrt, wie A. sisalana, oder die Randstacheln sind durch eine schmale Hornlinie ersetzt, deren äußere Ränder in feinen, gerollten Fäden absplittern. Eigentümlich ist, daß Sämlinge von sonst ganzrandigen Pflanzen, wie z. B. A. Victoriae-Reginae, kleine Randstacheln zeigen und dieselben bis etwa zum 10. Blatt führen. Es scheint also, daß diese glattrandigen Agaven von stachelführenden abzuleiten sind.

Einige Agaven, einige Furcräen und alle Beschornerien haben längs der Ränder nur sehr feine knorpelige Zähnchen, während die australischen Doryanthes ganzrandige, sehr große, pergamentartige und srasgrüne Blätter besitzen.

Die jungen Blätter der Zentralknospe sind bei allen Agavoideae eingerollt. Bei den Agaven, namentlich den Arten der Untergattungen Littaea und Euagave, liegen die jungen Blätter dicht aneinander ge- preßt in einer großen kegeligen Endknospe derart, daß die Ränder und Randstacheln tief eingeprägte Abdrücke oder Streifen auf den anliegenden Blättern hinterlassen.

Die Blätter sind meistens grün gefärbt, aber viele Agaven, Furcraea und Beschorneria haben mehr oder weniger graue bis weiße oder auch blaßgraue Blätter. Diese Farbtöne, denen einzelne Arten nicht zum mindesten ihre Schönheit und Auffälligkeit verdanken, entwickeln sich hauptsächlich unter starker Beleuchtung und treten im Sommer stärker als im Winter hervor. Dementsprechend sind auch die Agaven, welche im Süden Europas im Freien in voller Sonne wachsen, viel lebhafter und intensiver gefärbt als die gleichen Arten im Norden, wo der Lichtgenuß ohnehin ein viel geringerer ist und häufig noch durch die wenig erleuchteten Ueberwinterungslokale beträchtlich ein- seschränkt wird. Diese graue Farbe wird durch einen, mehr oder

Einleitung. 3

weniger festhaftenden Wachsüberzug bedingt, der wahrscheinlich als Schutz gegen übermäßiges Sonnenlicht zu dienen hat. Die Epidermis der Blätter hat eine überaus verdickte Cuticula. Auf der Blattober- seite ist sie außerdem glatter, während sie auf der Unterseite bei vielen Arten mit hügelartigen Erhebungen besetzt ist, so daß solche Blätter, wie z. B. A. Franzosinii sich rauh anfassen wie Sandpapier. Nicht selten beobachtet man, daß die Blätter jüngerer Individuen rauher sind, als solche von ausgewachsenen.

Die zahlreichen Spaltöffnungen liegen zwischen den hügelartigen Vorsprüngen der Oberhaut vertieft.

Die Mehrzahl der Agaveen sind stammlos, d. h. sie haben nur einen sehr kurzen, von den Blättern der Rosette ganz verdeckten Stamm. Bei einigen Arten wird jedoch mit der Zeit ein längerer Stamm ausgebildet. Das bekannteste Beispiel dafür ist in unseren Gärten die A. fourcroydes Lem. deren Stamm ca. 1 m oder darüber erreicht und dicht von den alten Blattbasen besetzt ist. Auch einigen Furcräien kommen wohlentwickelte Stämme zu. Am auffälligsten sind jedoch die Stämme der A. attenuata und ihrer Verwandten, sie gleichen denen gewisser Dracaena- oder Yucca-Arten, da die alten Blätter glatt abfallen und die Stämme schlank hinterlassen, an denen aber die Male der abgefallenen Blattbasen sich noch deutlich erkennen lassen.

A. Karwinskii ist auch stammbildend, hat aber den Stamm in seiner ganzen Länge beblättert, obgleich derselbe bis zu 3—4 m hoch werden kann. Die Pflanze ähnelt dann von weitem gewissen Yucca- arten, wie z. B. Yucca aloifolia, und dient in Mexiko häufig als Heckenpflanzung.

Alle diese Stämme schließen zuletzt mit einem Blütenstand ab und sterben nach dessen Reife. In vielen Fällen hat aber die Pflanze bereits durch Ausläufer oder Seitensprosse aus den Achseln der un- teren längst abgestorbenen Blätter für Ersatzrosetten gesorgt.

Die Ausläufer sind echte unterirdische Achsen oder Stengel mit schuppenförmigen Niederblättern, die im Boden hinkriechen und sich dann endlich erheben und eine neue Rosette ausbilden, welche oft ziemlich lange mit der Mutterpflanze in Zusammenhang zu stehen scheint. Die Ausläufer der großen Arten sind oft armdick. Die Kraft, mit der solche Ausläufer sich im Boden vorwärts bewegen, ist staunenswert. Sie vermögen Felsen zu sprengen, sich durch Mauer- spalten zu zwängen oder auch Töpfe oder Kübel zum Bersten zu bringen. Einzelne Arten, die besondere Anlage zur Ausläuferbildung zeigen, bilden bald rasenförmige Siedelungen, wie das von A. ameri- cana zZ. B. allgemein bekannt ist. Nicht bei allen Agaven jedoch stirbt der Stamm mit dem Abblühen der Endrosette ab. Bei einer sroßen Anzahl von Arten entwickelt sich nach stattgehabter Blüte aus der Achsel der oberen Blätter eine oder mehrere Seitenrosetten, so daß mit der Zeit ein vielverzweigter kurzer Stamm entsteht. Bei- spiele dieser Wachstumsweise sind A. Bouchei, A. Terraccianoi etc. Sind die Stämme sehr kurz, wie z. B. bei A. densiflora, so entstehen auch hier bald große Rasen, die aber wesentlich dichter sind, als solche, welche durch Ausläufer entstanden.

Seltener tritt eine Verzweigung der ursprünglichen Ro- sette noch vor der Blüte ein. Mir ist dieser Fall nur bekannt von

la

4 Einleitung.

A. Ousselghemiana, den auch v. Jacosı schon erwähnt, bei A. strieta und bei A. Goeppertiana.

Bemerken möchte ich noch, daß die Blätter der ersten ungeteilten Rosetten gewöhnlich breiter und hübscher geformt sind, als an den Folgerosetten.

Sobald eine Rosette hinreichend stark geworden ist, schickt sie sich zum Blühen an. Dieser Zeitpunkt wechselt bei den einzelnen Arten, so braucht z. B. A. Salmiana in La Mortola ca. 8—10 Jahre, etwas mehr braucht A. americana.. A. attenuata und A. cernua brauchen sicher an die 20--30 Jahre, bevor sie zum Blühen gelangen. Unter ungünstigeren Verhältnissen wird dieser Zeitpunkt noch viel weiter hinausgeschoben, weil das Wachstum, resp. die jährliche Blatt- produktion alsdann wesentlich eingeschränkt ist. Es scheint, als müsse eine jede Art eine bestimmte Anzahl von Blättern ausbilden, bevor sie zum Blühen reif wird. Allgemein bekannt ist, wie selten große Agaven im Norden, wo sie in Kübeln kultiviert werden, zum Blühen gelangen. So hat sich die Ansicht im Publikum verbreitet, die Agave americana blühe nur nach 100 Jahren, wonach die Engländer die Pflanze geradezu die Century plant nennen. In der Tat mag manche solche Agave dem halben Jahrhundert nahestehen oder auch es über- schritten haben.

Der Zeitpunkt, wenn eine Rosette sich zum Blühen anschickt, ist daran zu erkennen, daß die Blätter plötzlich auffallend schmäler und kürzer werden und sich etwas häufen, so daß der kurze, durch die Blätter der Rosette verdeckte Stamm sich etwas verlängert. Im Frühling erscheint dann plötzlich der Schaft aus der Mitte der Ro- sette. Er durchbricht die bisher so scharf geschlossene kegelige End- knospe und strebt in unglaublich schnellem Wachstum seiner vollen Ausbildung zu. Die bis 10 oder 11 m hohen Blütenstände der Agave Salmiana oder A. Franzosinii sind in 2-3 Monaten völlig ausge- wachsen und erblüht und etwa nach einem weiteren Monat verblüht. Bei einigen Arten dehnt sich jedoch die Blütezeit wesentlich länger aus. Wie man unter A. Haynaldi nachlesen kann, blühte dieselbe in La Mortola fast 5 Monate lang. Aehnlich lang andauerndes Blühen der langen, ährenförmigen Blütenstände beobachtet man bei A. atte- nuata und A. cernua. Man hat wiederholt das Wachstum dieser riesigen Blütenstände genau gemessen und registriert. Am schnellsten vollzieht sich das Wachstum im Anfang, wenn der Schaft eben aus der Rosette emporsteigt. Ferner ist das Wachstum stärker während des Tages als während der Nacht.

Gewöhnlich beginnen die Agaven im April—Mai ihren Blütenschaft zu treiben !), jedoch auch zu anderen Zeiten. Wenn an der Riviera nach der langen Sommerdürre, die alles Wachstum zum Stillstand ge- bracht hatte, Ende September oder Anfang Oktober die wohltuenden Herbstregen eintreten und von warmem Wetter begleitet sind, so

l) Sehr häufig, bei A. multiflora in der Regel, beobachtet man, daß gleich- zeitig, oder auch später, mit der Hauptrosette ganz kleine, oft kaum dem Boden entsprossene Ausläufer kleine Blütenschäfte treiben und ganz normale Blüten ent- wickeln und zwar nicht nur, wenn die Hauptachse verletzt wurde. Es scheint dieses Blühen der Ausläufer auf biochemische Ursachen zurückführbar. Es wurde bereits 1705 von SERICIUS beobachtet; man lese darüber nach: OTTO KUNTZE und P. MAGnus, Blühen der Agaven an Seitentrieben, in Gartenflora, 1898, 215 bis 216. Daß Agaven an verletzten Stümpfen der Hauptachse blühen und auch 3rutpflänzchen hervorbringen können, sei hier gleichzeitig erwähnt.

Einleitung. 2

kommen regelmäßig die Furcräen zum Austreiben. Auch einzelne Agaven, wie A. Salmiana u. A. ferox u. a. schicken sich an, ihre Blütenschäfte zu zeigen, vermutlich durch das Wetter in der Jahres- zeit getäuscht. Diese Blütenstände erleiden aber in ihrem Wachstum einen längeren Stillstand während des Winters oder sie sind auch an der Riviera dem FErfrieren ausgesetzt, da sie doch außerordentlich zartes und empfindliches Gewebe darstellen.

Die Furcräen blühen, wenn sie nicht durch Frost geschädigt werden von November bis in den April. Die Furcräen der Sektion Roezlia habe ich nie im Herbste blühen sehen, sondern stets erst im Frühjahr. Von diesen letzteren haben wir an der Riviera zwei Arten in Kultur. Oft vergehen Jahre, ohne daß eine derselben blüht, während in anderen Jahren alle, oder doch wenigstens eine überraschend große Zahl derselben zum Blühen kommt. Dieses periodische Blühen ist wohl so zu erklären, daß alle diese Pflanzen gleichaltrig sind und alle in ein und demselben Jahre aus Brutpflänzchen und Brutknospen herangezogen wurden.

Der Blütenschaft ist in seiner ganzen Länge mit Hochblät- tern besetzt. Die unteren, die besonders dicht stehen, haben die Ge- stalt der Blätter, nur sind sie meist schmäler und kürzer und oft auch bleicher gefärbt. Die folgenden nehmen an Größe allmählich ab und sehen nach oben in echte Bracteen über. Die Gestalt dieser Hoch- blätter ist bei den einzelnen Sektionen und Reihen charakteristisch. Für gewöhnlich ist der Blütenstand gefärbt wie die ganze Pflanze. Bei den Beschorneria jedoch ist der Schaft und die Hochblätter auf- fallend gerötet, sie übernehmen somit die Aufgabe, den Blütenstand auffällig zu machen, während die Blüten grünlich und ziemlich un- scheinbar bleiben.

Der Blütenstand ist stets terminal; nur bei A. Sartorii gibt BAKER denselben als seitlich an. Mir ist, mit Ausnahme von Del- pinoa, kein Beispiel einer lateralen Infloreszenz bei Agave bekannt. Wir können drei Formen des Blütenstandes unterscheiden. Zunächst den niedrigen und etwa 1 m hohen schlanken, fast rutenförmigen Schaft der Manfreda und der übrigen kleineren Agaveen, mit meist einzelnen oder, falls mehrere vorhanden, verschieden lang gestielten Blüten. Die Blüten stehen in mehr oder weniger langen und lockeren Trauben oder Aehren. Die zweite Form des Blütenstandes ist der der Littaea- Sektion. Hier ist der Schaft wesentlich kräftiger und höher, und in einem großen Teil seiner Länge von mehr oder weniger dichtge- stellten und ziemlich kurzgestielten Blüten in langer zylindrischer Scheinähre dicht besetzt. In den einfachsten Fällen stehen die Blüten zu zweien auf kurzen und dicken Stielen mit 1—2 oder mehr seitlichen Deckblättchen in der Achsel eines größeren Deckblattes. Gegen die Spitze des Blütenstandes kommen aber auch einzeln stehende Blüten vor, und in vielen Fällen finden sich in den unteren Teilen, statt 2, 4, 6-8 und mehr Blüten und oft auf etwas längeren Blütenstielen als da, wo nur zwei Blüten vorhanden sind. Diese Littaeablüten- stände erreichen oft bis 8 m Höhe und in einzelnen Fällen einen be- trächtlichen Durchmesser. Wesentlich abweichend ist der Blütenstand der großen, sogenannten Euagaven. Er ist oft ungeheuer kräftig, wie wir das bereits an mehreren Beispielen besprochen haben, und mit abstehenden, starken Aesten rispig oder kandelaberartig verzweigt. Der Umriß dieser großen Rispe wechselt je nach Art und Gruppe

6 Einleitung.

von breitpyramidalen bis zu eilänglichen Umrissen. Im ersteren Falle sind die unteren Aeste die längsten, im zweiten sind es mehr die der mittleren Höhe. Diese Aeste sind häufig \ gebogen abstehend, am Grunde meist von einem größeren Hochblatte gestützt und im Quer- schnitt rund oder (von oben und unten zusammengedrückt) elliptisch. Oberhalb der Mitte oder höher oben sind sie wiederholt dreiteilig ver- zweigt und tragen schließlich in dichten Büscheln eine große Anzahl Blüten auf verschieden langen Stielen, die von zahlreichen kleinen deltoiden Hoch- oder Deckblättchen bekleidet sind. In einigen Fällen, auf die im speziellen Teile noch besonders verwiesen werden wird, sind die letzten Auszweigungen dieser Aeste mehr zusammengerückt, so dal die Blüten in fast doldenartige Anordnung zu stehen kommen. Damit tritt in einzelnen Fällen eine Verkürzung der Hauptäste auf, so daß solche Blütenstände ein littaeaähnliches Aeußere annehmen, z. B. A. Engelmanni, A. littaeoides etc. und von denen der mehr- blütigen Littaeaarten auf den ersten Blick kaum trennbar scheinen. Indessen läßt in solchen Fällen die Gestalt der Blüte keinen Zweifel über die Zugehörigkeit der Art aufkommen. Auch zwischen den Man- freda- und Littaea-Blütenständen finden sich Mittelformen vor. Die Form des Blütenstandes allein kann also für die systematische Ein- teilung der Agaven irreführend wirken, weshalb ich das Schwerge- wicht auf die Charaktere der Blüten lege.

Der Fruchtknoten ist im Umriß eiförmig, keulig bis fast zylindrisch und im Querschnitt stumpf bis scharf dreikantig. Im Inneren ist er dreifächerig: jedes Fach enthält zwei Reihen anatroper, dicht übereinander liegender Samenanlagen. Nach oben geht der Frucht- knoten in die Perigonröhre über. Dieselbe ist von trichteriger oder fast zylindrischer Gestalt und außen sechsfurchig, sie wird durch die verwachsenen Basalstücke der 6 Segmente gebildet, deren Verwach- sungsstellen eben durch diese Furchen angedeutet werden. Bei Fur- craea ist die Röhre sehr verkürzt oder fehlend. Die 6 Segmente der Blütenhülle sind nahezu gleich gestaltet und gleich lang, mehr oder minder länglich im Umriß, ziemlich fleischiger Beschaffenheit und an der Spitze etwas kapuzenförmig einwärts gebogen. An dieser Stelle zeigen sie meist einen zarten Flaum, sind aber sonst, mit Ausnahme der Beschorneria und einiger Furcraea, kahl. Auf der Rückseite sind die äußeren Segmente mit einem undeutlichen Kiele versehen, während die inneren Segmente gewöhnlich einen scharf hervortretenden dicken Kiel und dünnere Seiten besitzen. Auf der oberen oder inneren Seite sind die äußeren Segmente auch dementsprechend mit einer sehr seichten Furche und die inneren mit einer tieferen Furche versehen. Auch sind die äußeren Segmente meist um etwas länger und breiter. In bezug auf die Färbung herrscht aber ziemliche Uebereinstimmung.

Die Staubgefäße sind innerhalb der Röhre in verschiedener Höhe eingefügt. Bei Agave sind die Filamente in der Knospenlage knieartig eingekrümmt, bei den übrigen Gattungen aber von Anfang an gerade und bei Beschorneria sind sie im Anfang schlangenartig gekrümmt. Bei Furcraea und Beschorneria weisen sie in der Mitte eine starke Verdickung auf, mit denen sie eigentümlichen Verdick- ungen des Fruchtknotens anliegen. Bei den Agaven verlängern sich die Filamente in den allermeisten Fällen weit über die Segmente hin- aus. Hier sind auch die Antheren sehr groß und lineal.

Der Griffel, der eine Verlängerung des Fruchtknotens darstellt

Einleitung. 7

und mit diesem öfters in den Grund der Perigonröhre hineinragt, wie bei einigen Manfredaarten, ist im Querschnitt mehr oder minder drei- kantig oder dreifurchig. Bei Agave und Beschorneria verlaufen diese Furchen in lang gezogener Spirale. Bei Furcraea, weniger bei Beschor- neria, ist der Grund des Griffels mit drei großen knieartigen Aus- wüchsen versehen, zwischen denen die Honig absondernden Septal- drüsen in die Tiefe führen. Im allgemeinen erreicht oder überschreitet zuletzt der Griffel die Höhe der Filamente. Die Narbe ist schwach dreilappig und weiß papillös und klebrig.

Der Griffel wird im Inneren von einem feinen dreiteiligen Kanal durchzogen, dessen Abteilungen nach unten enger werden und zuletzt in die Fruchtknotenfächer hinabsteigen.

Die Honigabsonderung ist namentlich bei Agaven eine über- aus reichliche. Die Perigonröhre ist stets bis zum Ueberlaufen ge- füllt. Ein Ast von A. Salmiana mit etwa 100 Blüten kann leicht ein mittleres Trinkglas süßen, klebrigen, wasserhellen Saftes lie- fern. Der Bienenbesuch der Blütenstände ist daher bei uns ein sehr lebhafter, so daß leicht Nachbarbestäubungen zustande kommen. An der Riviera gehören außer den Insekten auch die Ratten zu den eifrigsten Besuchern der großen rispenartigen Blütenstände Die Blüten aller Agaven sind proterandrisch. Ueber die Bestäubungs- vorgänge der Agaven in ihrer Heimat liegen nur wenige Beobach- tungen vor. Nach den von KxurH!) gesammelten Angaben sahen ‚JAMESON und Fraser in Ecuador häufig den Riesenkolibri (Patagona sigas Gray) an Agavenblüten (? oder Furcraea?). Auf in Südafrika verwilderten Agaven hat man Schwärme von Nectarinia famosa etc. be- obachtet. Nach IsaBeL MuLFoRnD?) wird die sehr honigreiche A. Par- ryi in New Mexico von Honigvögeln besucht. L. GuLpıne sah auf Jamaika an einem Plantagenhügel zahlreiche Agaven (A. sobolifera ?), welche von honignaschenden Kolibriarten, darunter den Paradies-Ko- libri (Topaza Pella Gourp) reichlich besucht wurden.

Nach J. W. Toumzy?) sollen die Blüten der A. Palmeri durch den Wind bestäubt werden.

Ich habe in La Mortola usw. gefunden, dab viele Agaven steril bleiben, sowohl solche mit rispigen als solche mit zylindrischen Blüten- ständen. Bei unter Glas im Norden kultivierten Arten scheint das noch häufiger der Fall zu sein. Häufig sind alsdann solche Pflanzen für die Kultur verloren, z. B. A. calodonta, A. Watsoni, A. littae- oides etc. etc. Es scheint, als verlangten sie Bestäubung mit anderen Individuen. Andererseits haben wir hier öfter gefunden, daß, wenn die Bestäubung von Ast zu Ast ausgeführt wird, reichlich Kapseln angesetzt werden. Wir benutzten dazu einen großen Maurerpinsel, den man an eine Bambusstange so anbindet, daß er abwärts gerichtet ist und so bequem der Pollen von Ast zu Ast getragen werden kann.

Bei Arten mit zylindrischen Blütenständen kommen häufiger durch Insektenbesuch verursachte Bestäubungen vor. Auch hier haben wir die großen Pinsel zur Bestäubung verwendet. Künstliche Kreu- zungen zwischen verschiedenen Arten wurden an mehreren Orten, so namentlich im Parc de la Tete d’or in Lyon, gemacht. In unseren

1) KyurH, Handbuch der Blütenbiologie, III, 1. Teil, p. 149. 2) In Report Missouri Bot. Garden, VII (1596), p. 56—57. 3) Asa Gray Bull., V, 1897, p. 99—100.

8 Einleitung.

südlichen Gärten kommen sie nicht selten spontan vor, und es läßt sich annehmen, daß natürliche Hybriden auch in der Heimat der Agaven nicht ausgeschlossen sind.

Eine ganze Anzahl viviparerAgaven und Furcräen setzen überhaupt keine Kapseln an, oder bringen sie doch nie zur Reife, z. B. A. miradorensis. A. Franceschiana usw. Es entstehen bei diesen Pflanzen gleich nach stattgehabter Blüte neben den Blütenstielen Bul- billen, oft in überraschend großer Menge, bei Eufurcraea haben diese Bulbillen meist richtige Zwiebelform, bei der Sektion Roezlia wachsen sie aber bald zu Brutpflänzchen aus, ebenso an allen viviparen Agaven. Gewöhnlich haben diese Brutpflänzchen bereits einige Würzelchen, wenn sie, vom Winde abgeschüttelt, auf den Boden fallen. Schwäch- liche Eufurcraeen bilden sehr oft überhaupt keine Blumen, sondern nur Bulbillen aus.

Bemerkenswert ist ferner die zähe Lebensdauer dieser Furcraea- Bulbillen. Man kann sie mehrere Jahre trocken aufbewahren, und trotzdem vermögen sehr viele davon nach dieser Zeit sofort weiter- zuwachsen, wenn sie gepflanzt werden.

Einige Agaven, z. B. A. Bergeri, A. angustifolia usw., sind nicht immer und nicht im gleichen Grade vivipar. Sie bringen oft nur Kapseln und dann wieder neben Kapseln auch Brutpflänzchen hervor. Andererseits können auch an sonst nicht viviparen Agaven durch Verletzung des Blütenstandes Brutpflänzchen entstehen, wie man das öfters an A. americana beobachtet.

Gelegentlich eines kalten Winters wurden in La Mortola die jungen Blütenstände von A. marmorata und A. Willdingii durch Frost beschädigt. In beiden Fällen wurden im darauffolgenden Sommer sanze Mengen Brutpflänzchen daran erzeugt. Auch an für gewöhnlich nie viviparen und ganz unverletzten Agaven kann man hin und wieder Brutpflänzchen im Blütenstand vorfinden; ich habe solche z. B. bei A. Salmiana und bei A. Grhiesbrechtii beobachtet.

Die Kapseln der Agaveen sind mehr oder weniger holzig und aufrecht (Agave) oder pergamentartig und hängend (Furcraea, Be- schorneria). Die Kapseln behalten also die Stellung der Blüten bei. Sie sind dreifächerig, fachwandspaltig und oben mit den Resten des Perianths gekrönt. Die schwarzen, mehr oder weniger glänzenden, flachen Samen sind etwa dreieckig-halbrund im Umriß. Sie haben eine dünne Schale und einen zylindrischen Embryo im Eiweiß, dessen Wurzelspitze nach dem Nabel gerichtet ist. Kapseln und Samen haben viele Aehnlichkeit mit jenen der Gattung Yucca.

Die Kapseln bleiben lange Zeit an dem vertrockneten Schafte haften und jeder starke Windstoß entführt einen Teil der Samen oft auf ziemlich weite Strecken. Die Samen behalten ihre Keimfähigkeit ca. 2—5 Jahre.

Die Agaveen gehören, mit Ausnahme der australischen Gattung Doryanthes, den wärmeren Gebieten der neuen Welt an. Als das Zentrum der Verbreitung hat Mexiko zu gelten. Na- mentlich die Staaten Puebla, Morelos etc. sind sehr reich an Arten mehrerer Sektionen; südlich der Landenge von Tehuantepec nimmt dieser Reichtum beträchtlich ab. Nach Norden reichen sie in das Grenzgebiet der südlichen Vereinigten Staaten und erreichen im Staate Utah ihre nordwestliche Grenze. Im Osten geht A. virginica, ein Vertreter der Sektion Manfreda, bis Maryland hinauf. Diese Unter-

Einleitung. &

gattung geht von Guatemala durch das ganze mexikanische Gebiet, insonderheit längs der Ostseite des Kontinents, ohne auf Kalifornien oder Westindien überzugreifen (siehe Karte I u. 11).

Die Arten der Sektionen Pericamptagave und Xysmagave reichen von Zentral-Mexiko bis in die südwestlichen Vereinigten Staaten, die ersteren jedoch auch auf der Osthälfte bis Texas und New Mexico und die letzteren längs der Westseite Mexikos, etwa von Zentral- Mexiko durch die Provinz Chihuahua bis Arizona und Utah. Alle diese sind Gebirgspflanzen und vertragen gelegentliche starke Fröste. Die Mehrzahl der Anacamptagave etc. gehört wohl Zentral- und Süd- Mexiko an, jedoch ist nur von wenigen Arten der Standort mit einiger Sicherheit bekannt: A. dasylirioides, eine der beiden Arten der Chon- anthagave, kommt aus Guatemala. Es ist bemerkenswert, daß keine Littaea aus Kalifornien oder Westindien bekannt ist, daß sie ferner im Süden weniger weit vordringen als Euagave, nur bis Guatemala. Dafür dringen Vertreter der Sektion Pericamptagave bis Utah vor, während sie im Osten nicht über Südwest-Texas hinausgehen.

Die weiteste Verbreitung besitzen die großen Agaven mit rispigen Blütenständen, wenngleich auch hier das eigentliche Mexiko als das Zentrum zu gelten hat, so finden sich jedoch viele und sehr charak- teristische Verwandtschaftsgruppen an den übrigen Stellen fast des ganzen Gebietes mit Ausnahme der südöstlichen Vereinigten Staaten. Die Halbinsel Kalifornien und Nord-Mexiko sind durch eine reich- liche Anzahl von Reihen und Arten charakterisiert. Central-Mexiko ist die Heimat der großen Pulqueagaven, während die Küstenpro- vinzen längs des mexikanischen Golfes von Tamvico bis Yucatan das Hauptquartier der großen schmalblätterigen Faseragaven bilden.

In Guatemala ist die Gattung noch mit einer Anzahl nahever- wandter, den zentralmexikanischen Scolymoides nahestehenden Eu- agaven, ferner einer Chonanthagave und einer Manfreda vertreten. Südlicher ist weder Manfreda noch Littaea bekannt. In Yucatan und weiter nach Süden, in Honduras und Nicaragua ist die Gattung sicher noch vertreten, und vielleicht ist von hier noch manches Interessante zu erwarten. ‚Jedenfalls sind hier Verwandte der westindischen Arten zu suchen, und vielleicht auch die stattliche A. Fuerstenbergii.

In Costa-Rica hat WERcKLE eine A. Wercklei gesammelt, von der er angibt, daß sie außerordentlich variabel sei; es ist also wohl möglich, daß wir es hier mit einer Herde sehr nahe verwandter Formen der Euagave zu tun haben.

Daß die Gattung, entgegen der bisherigen Meinung, auch südlich der Panamalandenge verbreitet ist, geht aus den Berichten WERCKLES hervor, der am Oberlauf des Magdalenenflusses in Colombien 5 sehr graublätterige fein bestachelte Fuagaven beobachtet hat, und ferner hat Warrıs vom Caucaflusse, also vom westlichen Paralleltale der Cordilleren, eine Art (A. Wallisii) eingesandt.

Selbst bei Peru hat man große Agaven beobachtet, aber es handelt sich wohl nur noch um angepflanzte und vielleicht verwilderte Arten, ähnlich wie in Indien.

Von den westindischen Inseln kennt man eine ganze Anzahl größerer Arten, die in der Mehrzahl mit weichfleischigeren Blättern ausgerüstet sind als ihre mexikanischen Gattungsgenossen.

TRELEASE hat neuerdings die Agaven Westindiens, und wahr-

10 Einleitung.

scheinlich ziemlich erschöpfend, behandelt!). Aus seinen interessanten Darstellungen erhellt, dab sie von Zentralamerika und wohl auch vom nördlichen Südamerika eingewandert sein müssen und heute geogra- phisch wie verwandtschaftlich in scharf geteilte Gruppen zerfallen, die sich teilweise gegenseitig ausschließen. Das auch sonst bemerkte sehr lokale Vorkommen der einzelnen Arten ist hier stark ausgeprägt. Fast jede kleinere Insel hat ihre eigene Art, und selbst schmale Kanäle bilden oft unüberschreitbare Hindernisse für deren Ausbreitung.

Die Einwanderung der Agaven nach Westindien muß zu einer Zeit geschehen sein, als der heutige Archipel noch mit dem Festlande über Yucatan und Honduras zusammenhing, was vermutlich im Pliocen der Fall war. Durch die darauf folgende Senkung des Landes ent- stand der Archipel. Der sehr tiefe Kanal, der die Karaiben von den Antillen trennt, muß, wie die große Isolierung der Reihen Viviparae und Caraibeae zeigt, früher eingebrochen sein als die Verbindung mit dem Festlande. Ferner haben die großen Antillen unter sich und die Bahamainseln vermutlich auf längere Zeit Landverbindung gehabt. Eine Verbindung mit Florida scheint nie bestanden zu haben, da das- selbe erst nach dem Tertiär gehoben wurde und seine Besiedelung vom Norden aus erhielt. Die beiden Agaven der Sisalanae, welche es an der Südspitze beherbergt, mögen bereits vorher am Golfe hei- misch gewesen sein oder irgendeinem Zufall ihre Einwanderung ver- danken, wie auch andere Sisalanae durch Zutun des Menschen ver- breitet wurden.

Leider ist von der größten Mehrzahl der bisher bekannten Agaven die genauere Heimat nicht bekannt. Es liegt das einmal im Ge- brauche der Zeit, in der man auf Standortsangaben kein Gewicht legte, und zweitens auch im Geschäftsbrauche der Handelsgärtnereien, welche geflissentlich nur ungenaue Angaben machten. So sind wir vorläufig nicht imstande, weitere pflanzengeographische Details zu geben.

Daß einige Arten über weite Strecken der Welt verwil- dert sind, ist bekannt und braucht hier nur gestreift zu werden. Sie sind als Kultur- und Zierpflanzen dem Menschen auf seinen Er- oberungszügen gefolgt.

Mit der geographischen Verbreitung der Agaven hängt die Ge- schichte ihres Bekanntwerdens und ihrer Einführung auf das engste zusammen. Es mußten naturgemäß zuerst die auf den Inseln einheimischen Agaven und Furcräen bekannt werden (siehe A. indagatorum). PETER MarTYR (De Rebus Oc. et Orbe Novo, Basel 1533) beschreibt zuerst unter den Pflanzen der Insel San Domingo eine „Maguei“ (A. antillarum), welche er mit Palmen vergleicht. Auch Ovırpo erwähnt diese Maguey der westindischen Inseln und des Festlandes (A. Cocui). Darauf folgt mit genaueren Angaben F. LopEz DE (0MARA (1556).

In vorzüglicher Weise bringt sodann ein englischer Reisender volle Angaben über das Vorkommen und die vielfachen Verwendungen der Agaven auf dem mexikanischen Festlande Es ist das JoHn Gıuron, der von 1568 bis 1572 fast ganz Zentralamerika oder, wie es damals hieß, Nova Hispania, bereiste. Er sagt: „About Mexico and

l) WıLLIıAM TRELEASE, Agave in the West-Indies. In Memoirs of the Na- tional Academy of Sciences XI (1913) 1—56 t. A—E und 1—116.

Einleitung. u

other places in Nova Hispania there groweth a certain plant called Magueis which yieldeth wine, vineger, hony, and blacke sugar, and of the leaves of it dried they make hempe, ropes, shooes which they use, and tiles for their houses, and at the end of every leaf there groweth a sharp point like an awle, wherewith they use to bore or pe- arce thorow anything!).“ „Magueiz“ und die „Pulco“ werden ferner um etwa dieselbe Zeit von einem englischen Kaufmann erwähnt. Im Jahre 1601 veröffentlicht Haxzuyr eine Uebersetzung von ANTOINE GALUANOS Werk „Descobriomentes*“ (1563), das ausführliche Beschreibungen des „Metl“ oder „Honey tree“ enthält, womit ohne Zweifel die Maguey gemeint sind. Bemerkenswert ist die Beschreibung, welche Acosra in seiner allgemeinen Geschichte des spanischen Indiens gibt, die etwa um dieselbe Zeit erschien und von der 1596 eine italienische Uebersetzung von Garuccı in Genua gedruckt wurde. Er nennt die Agave direkt den Wunderbaum: „el arbol de las maravillas es el Maguey.“ Er bespricht ferner eine peruvianische Pflanze (wohl eine Furcraea) und hebt ausdrücklich hervor, daß diese eine andere Frucht hervorbringe als jene in Neu-Spanien. Unter anderen Nutzanwen- dungen der Pflanze erzählt er, daß das Holz als Brennmittel diene und wie Zunder weiterglimme, und daß der daraus bereitete Wein, den man aus dem gekochten