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BEITRÄGE
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KENNIMSS DER BERRUCHTUNG
DER
VOLLKOMMENEREN GEWÄCHSE
VON
CARL FRIEDRICH GÄRTNER, Docior der Medicin, der Leopold, Carolin. Acad. der Naturforscher. der königl- Lsseriseh, botan. Gesellschaft zu Regensburg, der naturforsch. der Wetterau, der iei Osterlandes zu Altenburg und m, a. gelehrten Gesellschaften Mitglied.
ERSTER THEIL,
Versuche und Beobachtungen über die Befruchfungsorgane der vollkommeneren Gewächse, und über die natürliche und künstliche Befruchtung durch den eigenen Pollen,
STUTTGART, E. SCHWEIZERBART'SCHE VERLAGSHANDL! 1 S4 4, ; 7
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In demfelben Verlage ift erfchienen :
Naturgefchichte Der drei eiche, ; Bur
^, allgemeinen Belehrung bearbeitet von
€. W. Bifhoff, 3 m. Llum, £. ©. Bronn, K. €. von Leonhard, f, S. Seuhart umb f, S. Voigt, afabemifden Lehrern zu Heidelberg, Freiburg und Sena. 1—36. Lieferung des &erteá und 8 e Lieferung des Atlas, Preis für eine Sext Lieferung 30 fr. 71 gar.
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Blum, Dr. 5. W., Lithurgik ober Mineralien und Selsarten, nach Anwendung in öfonomifcher, artijtifcher und fechnifcher Hinficht Datt abgehandelt. Mit 5a Figuren und 3 Stahlitichen. Se:
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BEITRÄGE
ZUR
KENNTNISS DER BEPRUCHTUNG
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VOLLKOMMENEREN GEWACHSE
CARL FRIEDRICH GARTNER,
Doctor der Mediein, der Leopold. Carolin. Acad. der Naturforscher, der königl. bayerisch. botan. Gesellschaft zu Regensburg, der naturforsch. der Wetterau, der des Osterlandes zu Altenburg und m. a. gelehrt. Gesellschaften Mitglied.
ERSTER THEIL.
Versuche und Beobachtungen über die Befruchtungsorgane der vollkommeneren Gewächse, und über die natürliche und künstlich Befruchtung durch den eigenen Pollen. ;
STUTTGART. E. SCHWEIZERBART'SCHE VERLAGSHANDLUNG. i 1844,
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VERSUCHE UND BEOBACHTUNGEN.
ÜBER
DIE BEFRÜCHTUNGSORGANE
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NATÜRLICHE UND KÜNSTLICHE BEFRUCHTUNG DURCH DEN EIGENEN POLLEN
CARL FRIEDRICH GARTNER,
Doctor der Medicin, der Leopold. Carolin. Acad. der Naturforscher, der kónigl. bayerisch. botan, Gesellschaft zu Regensburg, der naturforsch. der Wetterau, der des Osterlandes zu Altenburg und m. a. gelehrt, Gesellschaften Mitglied.
STUTTGART. E. SOHWEIZERBART'SCHE VERLAGSHANDLUNG. 1844,
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Cambridge University Library, On permanent deposit from the Botany School
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Vorrede.
-Das schon frühzeitig sefasste Vorhaben des Verfassers, eine Physiologie der Gewächse nach dem Muster der grossen Haten schen Physiologie zu bearbeiten e worin die vielen einzelnen "Phatsachen über das Leben und den Bau der Gewächse gesammelt und in ein Ganzes vereinigt werden sollten, wobei er sein erstes Augenmerk auf die Befruch- tung richtete, und die Mangelhaftigkeit unserer Kenntniss hier- über erkannte, gab die erste Veranlassung zu dieser Schrift. Der im ersten Jahrzehend des gegenwärtigen Jahrhunderts von SceHELvER aufs neue aufgeregte Streit über die Sexualität der Gewächse hatte auch die Nothwendigkeit einer genauc- ren und gründlicheren Untersuchung der Befruchtung, einer der wichtigsten Erscheinungen des Lebensakts der Pflanzen, noch deutlicher herausgestellt. Zur Beantwortung dieser Aufgabe schien dem Verfasser die Bastardbefruchtung der geeignetste Weg zu seyn.
Um aber zum genaueren Verständniss der Befruchtung überhaupt zu gelangen , glaubte der Verfasser eine umständ-
tichere Prüfung der Lebensverhältnisse jedes einzelnen "Theis
der Blume vornehmen zu müssen, um ihre Natur und ihren Zusammenhang mit der Befruchtung durch künstliche Be- si&ubungen mit dem eigenen Pollen beurtheilen zu können, und den Beitrag jedes einzelnen Theiles zu den Befruch- tungserscheinungen und über die sexuellen Kräfte in den Blumen vorläufige Aufklärung zu erhalten. Wir betrach- ten daher diese Schrift als die noihwendige Einleitung Zur Lehre über die Befrechtung der Gewächse, indem
Wir die Resultate unserer angestelllen Versuche hierüber
im Folgenden mittheilen. X. OL E e
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In dieser Schrift berufen wir uns nur auf eigene Wahrnehmungen und selbst aufgefundene ’Thatsachen, und thun der Beobachtungen Anderer nur zur Erklärung und Bekräftigung des Vorgetragenen mit namentlicher Anzeige der Verfasser Erwähnung: indem wir uns von theoretischen Ansichten entfernt hielten. und'uns der Hypothese bloss als Leitfaden bei den Versuchen bedienten. Manche dieser Ergeb- nisse mögen noch als Einzelnheiten dastehen, und bei anderen Pflanzen hie oder da Modificationen erleiden: bis sie an mehreren Gewächsen geprüft, und von dem Besonderen ent- ledigt, gesetzliche Gültigkeit erlangen werden; da man mit
dem Einzelnen beginnen muss, um nach und nach zum
Allgemeinen aufzusteigen. Mit einiger Schüchternheit tritt aber der Verfasser mit
‚seiner Schrift vor das botanische Publikum: indem er be-
sorgt, sie möchte desswegen als mangelhaft gefunden werden, weil ihr zweierlei Attribute abgehen, welche diegegenwärtige Richiung der botanisch-physiologischen Forschung zu fordern schien : nämlich die sinnliche Verdeutlichung der Zustände der verschiedenen Blumentheile während ihrer Entwickelung durch Abbildungen, und dann eine tiefere und umfassendere anato- misch-mikroscopische Untersuchung und Vergleichung der Zeugungsorgane bei einer grösseren Anzahl von Pflanzen: indem sich die lezieren nur bei einigen Gewächsen auf die Bildung und Entwickelung des Embryo im Pflanzeneie nach der künstlichen Befruchtung durch den eigenen Pollen be- schränken. Die Ursache dieses Mangels ist verschiedener Art: vor Allem liess uns unsere durch frühere Ansiren-
- gungen geschwächte Sehkraft, welche uns schon in der
Fortsetzung der carpologischen Forschungen hinderie, keine gróssere Ausdehnung soleher Untersuchungen zu: dann liess
auch die grosse Ausdehnung, welche wir den künstlichen
Befruchtungen der Gewächse geben mussten, um zu einer vollständigen Gewissheit und Sicherheit der Resultate zu gelangen, keine Zeit mehr übrig, um noch weitere anatomisch-
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mikroscopische Untersuchungen anzustellen, welche ohne- diess viele Zeit in Anspruch. nehmen: so dass wir unser Augenmerk hauptsächlich auf die. vitale Erscheinungen bei der Befruchtung der Gewächse zu richten für besonders nothwendig hielten; in der Ueberzeugung, dass, wenn unsere Arbeit jezt auch weniger beachtet werden sollte, eine Zeit kommen wird, wo man dieser Seite des Pflanzen- lebens wieder mehr Aufmerksamkeit zuwenden und unser Bestreben vielleicht einige Anerkennung finden wird.
Dass wir in ‚unserer Schrift die alten Benennungen beibehalten und selbst aus der thierischen Physiologie Aus- drücke hierüber gezogen haben, wie z. B. Conceptions- kraft u. dgl., darüber glauben wir uns nicht entschuldigen ‘zu dürfen, indem wir ‘damit nur allgemeine Verständ- lichkeit hezweckten, und den. Wust von botanischer Ter- minologie nicht. noch vermehren wollten, worin wir mit berühmten deutschen Botanikern, wie H. v. Mont und v. ScnzuecntenpaL vollkommen einverstanden sind.
` Wenn die Resultate unserer Untersuchungen in dem langen Zeitraum ununterbrochener, angestrengter und eifri- ger Arbeit nicht reichlicher und glànzender ausgefallen seyn mógen, als Mancher nach dem angewandten Zeitmass er-
warten mochte: so müssen wir hierüber bemerken, dass
wir, entfernt von botanischen Instituten, ganz auf unsere eigene Mittel und 'lhütigkeit beschränkt, keinerlei Unter- stützung bei unseren zahlreichen Versuchen genossen haben. Wir haben absichtlich so viel möglich einheimische Arten benuzt, aber auch exotische nicht ausgeschlossen , und bei der Pflanzung unserer Versuchsindividuen alle Beihülfe ver- mieden, um den Gang der Vegetation derselben vom Keimen an bis zur Biüthe und Samenreife ununterbrochen selbst verfolgen zu können, wobei wir die Versuchspflanzen durch alle ihre Entwickelungsstufen keinen Augenblick aus den Augen ver- loren haben: was wir für ein Haupterforderniss bei solchen ‘Versuchen gehalten haben, welche auf der einen Seile so
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weilaussehend und mit so vielen Schwierigkeiten verbunden sind; auf der andern Seite aber auch schon so vicio Streit und Widerspruch erfahren haben.
Obgleich ScmELvER zu einer näheren Kenntniss der Befruchtung durch seine naturphilosophische Ansicht vom Leben und der Sexualität der Gewächse nichts Thatsäch- liches und Wesentliches beigetragen hat, so hat er sich doch das unbestreitbare Verdienst für die Lehre der Be- fruchtung dadurch erworben, dass er gezeigt hat, dass die Gründe, welche man bisher als hinreichende Beweise für die Sexualität der Gewächse angenommen hatte, zur Erklärung der Beiruchtungserscheinungen nicht genügend seyen, und dass er somit die Nothwendigkeit erneueter und gründlicher Versuche fühlbar gemacht und indirekt hervorgerufen hat.
Herr HesscuhrL, ganz von der Lehre seines Lehrers überzeugt, dass nämlich die Pilanze keine Sexualität besitze und der Pollen überflüssig zur Befruchtung seye, und nichis zur Erzeugung des Embryos beitrage, suchte diess durch Versuche darzuthun, und glaubte die Richtigkeit dieser Behauptung in seinen beiden Abhandlungen (Von der Sexualität der Pflanzen. Studien. Breslau 1820. 8. und Vorläufige Nachricht von einigen die Bestäubung der Pflanzen betreffenden Versuchen in den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbau's in den königl. Preuss. Staaten. B. V, p. 301) wirklich bewiesen zu haben, indem er versichert, sich in einer „Reihe von sieben bis „acht Jahren ausschliesslich auf die Bestäubung und den „Streit um ihre Nothwendigkeit zum Fruchitragen und die Form ihrer Wirksamkeit mit aller ihm möglichen Sorgfalt „und Treue gewidmet zu haben,
Dass aber unsere im Jahr 1825 begonnenen und bis auf diese Zeit ununterbrochen fortgesezten Versuche in den wichtigsten Beziehungen mit den Hexscarr’schen in dem enischiedensien Widerspruch sieben, müssen wir aufs
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- lebhaftesiebedauern, weil noihwendig daraus folgt, dass ent-
weder die einen oder die anderen auf Irrthum oder Täuschung beruhen, wodurch der Wissenschaft offenbar ein grosser Nachtheil zugeht, insoferne dadurch das Vertrauen zu den- selben geschwächt wird, und die Wahrheit und Zuverlässigkeit der Resultate der einen wie der anderen Versuche so lange in Zweifel gestellt ist, bis sie zuvor einer neuen vorurtheils- freien Prüfung T A seyn werden.
Um diesen Uebelstand einigermassen zu heben, ist der Verfasser in dieser langen Reihe von Jahren forigefahren, sich diesen Versuchen und Beobachtungen unausgesezt mit dem regsten Eifer und vieler Aufopferung unverdrossen zu widmen, wodurch er eine tausendfältige Wiederholung und vielfache Probe seiner früheren Erfahrungen an sehr ver- schiedenen Pflanzen erzielt hat, und wodurch die etwa früher begangenen Fehler und GE nothwendig an den Tag kommen mussten.
Der Hauptgrund der Verschiedenheit der beiderseitigen Resultate scheint haupisáchlich in der zarten Natur des Gegenstandes und in der Schwierigkeit der Ausführung der Versuche, dann aber auch darin zu liegen, dass Hr. HENscuEL sich nicht von der Behauptung seines Lehrers und von der Meinung trennen konnte, ‘dass mit dem Frucht- und Samen- ansatz unmittelbar und nothwendig auch die Embryoerzeugung gegeben seye, und dass er aus der vorgefassten Meinung, der Pollen trage zur wahren Befruchtung des Pflanzeneies Nichts bei, auf die Entfernung des eigenen Pollens keine oder doch zu wenig Sorgfalt angewendet hat; denn, ob wir gleich häufig mit denselben Pflanzenarten experimentirt haben, ergaben sich doch ganz widersprechende Resultate; indem Hr. Hrxscnur die gegen seine Ansicht ausgeschlagenen
Ergebnisse entweder gar nicht beachteie, oder als Folge
nachtheiliger äusserer Einflüsse erklärte.
Die Kapitel über das Fruchtungsvermögen der Ge- wächse, die Afterbefruchtung und die Bestäubung der `
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Narben mit fremdartigen Materien geben unverholen unsere, aus der Natur der Sache und der Schwierigkeit der Versuche geflossenen Fehler an, und scheinen uns klar zu zeigen, auf welcher Seite die Wahrheit und Glaubwürdig- keit der Resuliate zu suchen seye. Jedenfalls glaubt der Verfasser, dass man ihm weder den Vorwurf der Bilfertigkeit noch den der Parteilichkeit machen kann. — Mögen nun auch noch Andere, welche die erforderliche Unabhängigkeit der Lage und die nöthige Geduld und Ausdauer zur Aus- führung dieser mühsamen und langaussehenden Untersuchungen besitzen, diese Versuche aufs Neue aufnehmen und die Resultate gegenseitig prüfen; so wird der Wissenschaft ein grosser Dienst geschehen, indem noch manche Lücke zu ergänzen ist; überdiess öffnet sich hier dem fleissigen Forscher noch ein weites Feld zu wichtigen Entdeckungen.
Wenn die Plílanzenphysiologen diese Beiträge mit Beifall aufnehmen , so wird der Verfasser, wenn ihm die Vorsehung Leben und Gesundheit schenkt, den zweiten Theil von. der Bastardbefruchtung im Pflanzenreich bald folgen lassen. |
Endlich findet der Verfasser noch für nöthig, Einiges zu seiner Entschuldigung; wegen einiger Lücken in den Citaten und wegen der Druckfehler beizufügen; in ersterer Beziehung muss er bemerken, dass er entfernt von grossen Bibliotheken wohnt, und meistens auf seine eigenen Hülfsmittel beschränkt ist, und dadurch verhindert wurde, die angezeigten Lücken zu ergänzen. In Beziehung der Druckfehler muss ihn eine, gleich beim Anfang des Drucks der Schrift befallene schwere Krankheit bei dem geneigten Leser entschuldigen.
Die Brauchbarkeit des Buchs suchte der Verfasser durch ein genaues Sachregister zu erhöhen, und dadurch dem . Leser die. Benutzung desselben zu erleichtern.
Calw, im September 1844.
Dr. Gärtner.
Inhalt.
I. Von der Blume . . IL. Von dem Kelche . e 111. Von der Blumenkrone . à S A IV.: Von der Nectarabsonderung in den Blumen VY. Von den Staubgefüssen der Gewächse 1. Von den Staubfäden . ` 9. Von den Antheren *8. Von dem Pollen
V]. Von der Wármeentbindung i in den UAE VII. Von dem Pistill 2 . Von dem Fruchtknoten . Von dem ‚Griffel . Von der Narbe , S s 1 S x . Von der Narbenfeuchtigkeit
- Von der Conceptionsfähigkeit bei den Pflanzen , VILI. Von den Reizbarkeits- und Bewegungs-Erscheinungen in den Blumen und Befruchtungs-Organen der Pflanzen
IX. Von der Befruchtung. der vollkommenen Gewächse X. Von der Abortion der Blumen, Früchte und Samen . s
XI. Von der Erzeugung von Früchten mit keimungsfähigen Samen ohne Pollenbestäubung .
XII. Von dem Fruchtungsvermügen der Gewüchse XIII. Von der Afterbefruchtung .
XIV. Von der Bestüubung der Narben mit "em Materien ` Zusütze |
Citate . . Register.
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1. Schriftsteller-Register . 2, Pflanzen-Register 3. Sach-Register
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X. Von der Blume.
Die Blume ist derjenige Theil der vollkommeneren Pflan- zen, welcher den Hauptgegenstand der Untersuchungen aus- macht, denen diese Abhandlung gewidmet ist. Die Natur scheint ihre hóchste vegetative Kraft bei ihrer Entwickelung aus dem Pflanzenkórper aufgewendet, und allen Glanz und . Mannigfaltigkeit, welcher die vegetabilische Materie fähig ist, in ihr niedergelegt und anfgewendet zu haben. Diese Ausstat- tung , so wie ihre Stellung und ganze Zusammensetzung , gibt uns aber auch einen Beweis davon, dass sie das hóchste Ziel der vegetabilischen Entwickelung ist; in ihr gehen zugleich auch Vorbereitungen und Veränderungen vor, welche die höchste Stufe des vegetabilischen Lebensprocesses bezeichnen; Wir betrachten dieselbe aber hier nur von der Seite, als sie der Schos und die Werkstelle derjenigen Veránderungen und Erscheinungen ist, welche man im gewöhnlichen Sprach- gebrauch die Befruchtung nennt. À
Alle diejenigen Verhältnisse der Blume, welche in keinem unmittelbaren Zusammenhange mit der Befruchtung stehen, | also namentlich auch die Erscheinungen, welche in dem Pflan- zenkörper die Blumenerzeugung vorbereiten , oder ihr unmit- telbar vorausgelien, wovon wir anderswo (1) gehandelt haben, müssen wir unberührt lassen; ob sie gleich in speciel- len Füllen mittelbar zu derselbigen beitragen können: und ` verweisen hierüber auf andere specielle physiologische Schrif- ten, wie über die Ursachen der Blumenerzeugung in den Gewächsen überhaupt. Wir beginnen vielmehr mit dem vor-
gerückten Daseyn der Blume in der Knospe, aus welcher sie in
GÄRTNER , Befruchtung der Gewächse. 1
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ihrem frühesten Zustande hervorgeht: Sie macht nur in sehr seltenen Fállen mit der ganzen Pflanze ein unzertrennliches Gewebe und einen Körper aus : sie ist vielmehr durch ein Ge- lenk, welches bald lockerer, bald enger ist, mit der Mutter- - pflanze verbunden.
Der Zusammenhang der Blumen mit dem Stamme ist in dem frühern Zustande der Blume, bis zu vollbrachter Befruch- tung, bei den meisten Gewächsen durch weiche, feine und leicht lósliche Gefásse vermittelt,
Bei vielen Gewächsen zeichnet sich die Verbindungsstelle durch eine kleine Wulst aus, wie z. B. bei den Solaneen : bei andern im Gegentheil ist die Verbindung der Blumen mit der Pflanze von Anfang an viel inniger und die Verbindungsge- fässe fester und holzartiger „z. B. bei Verbascum, Iris, Digi- lalis , Polentilla und mehreren Malvaceen u, s. w.
Selbst bei denen Pflanzen, bei welchen die Verbindung der Blumen mit dem Stamme lockerer ist, z. B, bei Mirabilis, Nicotiana u. v. a. wird der Zusammenhang inniger und fester nach geschehener Befruchtung, durch das Festerwerden und die Verholzung der Gefásse: sehr häufig bemerkt man aber, dass sich die Verbindung löst, selbst bei noch lebhaftem Auns- sehen der Blumen: sie fallen nämlich noch ganz frisch ab ; was auch häufig noch stattfindet, wenn die Blume verdorben und das Ovarium schon einige Vergrósserung erlangt hat: diess wird bekanntlich vielfältig an Kern - und Steinobst nach voll- brachter Blüthe bemerkt. Diese Lósung des Zusammenhanges geschieht durch ein Vertroeknen und Einschrumpfen der beiden Gelenksflächen , wobei die der Blume angehörige zuerst affi- eirt wird, worauf die dem Stiele oder der Pflanze angehörige
Gelenkflàche nothwendiger Weise nachfolgt.
Die Ursachen dieser Abortion und Abfallen der Blumen sind mannigfaltig : sie lassen sich nach den von uns hierüber gemachten Beobachtungen auf folgende zurückführen:
1) Mangel an Nahrung und zu grosse Trockenheit; 9) Verletzung und Krankheit der feinen Wurzelendigungen ; -..8) Mangel an zureichender Wärme, theils bei der Befruch-
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tung, (ele bei der weiteren Entwickelung des Ovariums
-und der Samen;
Lichtmangel und — bei manchen empfindlichen Se? sen — veränderter Einfallswinkel des Tages- und Sonnen- lichts, wenn der Standort der Pflanze verändert wird; Zerstörung und Desor ganisation der Narbe und des Ova- riums in der früheren Periode, vor oder unmittelbar nach der Befruchtung;
Verhinderte Befruchtung wegen Mangel an Befruch-
tungsstoff oder durch mechanische Hindernisse ; Fatuität des Pollens; Sterilität der weiblichen Organe.
Diese beiden lezten Ursachen sind der Grund, warum das Abfallen der Blumen so äusserst häufig bei den Hybriden be- obachtet wird.
Das Abfallen der ganzen Blumen bound häufig aber auch bei reinen Arten vor; besonders findet diess an solchen statt, welche mit einer grossen Anzahl von Blumen ausgestattet sind, wo dann die einzelnen Ursachen dieser Erscheinung nicht immer genau anzugeben sind. |
Ein solches Abwerfen sämmtlicher Blumen, ohne dass nur eine einzige Frucht angesetzt hätte, beobachteten wir an einer Nicotiana Langsdorfii , welche im freien Lande in günstiger Lage stand: der Pollen der Blumen war völlig potent, denn er befruchtete die Nicotiana paniculata; das nämliche bemerk- ten wir an einer im Topfe befindlichen Pflanze der Nicotiana paniculata, deren Pollen die Nicotiana rastica befruchtete ; andere Exemplare aus derselbigen Aussaat warfen hingegen keine Blumen ab, sondern sezten immer Früchte an.
Bei vielen total unfruchtbaren Hybriden, z. B. Lichnicu- cubalus albus und ruber, Nicotiana rustico- quadrivalvis , Nie. quadrivaloi — macrophylla, Nic. glutinoso — quadrivalvis, u, s. w. bewirkt die Bestäubung der Narbe mit einem der elterlichen Pollenarten ein längeres Beharren der ganzen Blumen am Stocke, Körkzurer (2) beobachtete an der
Nicotiana vuslico-paniculula mit dem Pollen der N. perennis E 1 *
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bestäubt, die gleiche Erscheinung. Die männlichen Blumen der Dichogamen, z. B. Zychnis diurna und vespertina, trennen sich nach der Verstàubung der Antheren, je nach der Witterung, in 24—48 Stunden auf gleiche Weise am Gelenk, nahe an der Basis des Kelches, vom Aste, wie die weiblichen Blumen, ` (wenn die Sonne nicht kräftig auf sie wirkt,) mit noch frischer Corolle. Die Zeiten, innerhalb welcher die ganzen Blumen ver- schiedener Pflanzen nach einer schädlichen oder tauben Be- stáubung der Narbe abfallen, sind sehr verschieden, je nach der verschiedenen Fruchtungsfähigkeit derselben; von welcher das Beharren der Blumen am Stamme viel abhängt: und nach der Kraft des feindlich einwirkenden Pollens ; z. B. bei Zychnis ! diurna, welche einen ziemlichen Grad der Fruchtungsfähig- keit besizt, fällt selten eine Blume ab, selbst, wenn sie mit dem Pollen der Saponaria officinalis bestäubt worden war. Die Ipomoea candida, mit dem Pollen des Convolvulus Sepium bestäubt, fällt gewöhnlich schon in 48 Stunden ab; Datura | laevis mit Metel bestäubt fiel nach 7 Tagen ab: Datura querci- folia mit ceratocaula am fünften Tage: dieselbige mit D. Metel erst nach zehn Tagen. | | Das Beharrender Blumen und Ovarien an der Mutterpflanze bis zur vólligen Reife der Frucht, d. i. die Verwachsung der werdenden Frucht mit dem Aste wird durch die wirklich statt- gefundene Befruchtung selbst, wenn auch nur in einem einzigen Samen einer polyspermen Frucht ein Embryo zur Vollkom- menheit gekommen ist, bewirkt, und das Abfallen der Früchte, (was besonders bei der hybriden Befruchtung uicht selten zu geschehen pflegt,) erfolgt, wenn die Samen und der Embryo nicht zur Vollkommenheit gelangen , oder nicht die Kraft zu ihrer vollkommenen Entwickelung erhalten haben. Dass aber das Verderben und Abfallen der Blumen und Früchte in diesen Fällen von dem Ovarium ausgeht, und das Abtrennen des Fruchtgelenks bewirkt, ist daraus ersichtlich , dass nicht der an der Mutterpflauze befindliche Stiel zuerst krank wird; sondern dass die Abnahme von den Eichen aus sich zurück auf
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die unter denselben befindlichen Theile, Receptaculum, Kelch und Fruchtgelenk verbreitet.
In Beziehung auf die angegebenen Erscheinungen bemer- ken wir aber noch, dass manche Abweichungen sich ereignen, von welchen wir annehmen müssen, dass sie eine Folge des inneren Lebensactes der Pflanzen sind, dessen genauer Zu- sammenhang mit den äusseren Erscheinungen erst noch zu entdecken ist; denn manche vollkommene Früchte fallen ab, und manche mit tauben Samen halten ihre normale Reifungs- zeit an der Mutterpflanze aus, und vollenden ihre Entwicke- lungsbahn, wie die aus natürlicher Befruchtung entstandenen Früchte: es geschieht diess aber nur als Ausnahme. Bei sol- chen Gewächsen, bei welchen der Kelch und die Blume über- haupt mit dem Aste oder dem Stamme verwachsen ist, z. B. bei Digitalis, Dianthus u. s. w. geschieht es ohrediess nicht.
Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen in physiolo- gischer Hinsicht die Erstlingsblumen, weil dieselben bei vielen reinen Arten nicht nur grösser und vollkommener sind; sondern weil sie sich häufig auch durch eine vermehrte ex zahl der Zeugungsorgane und eine grössere Fruchtbarkeit vor den später nachgekommenen auszeichnen: ein Unterschied, welcher bei den Hyhriden noch bestimmter hervortritt,
Bei einigen trifft diese Luxuriation mehr die mánnlichen, bei anderen, mit mehrfachen Ovarien oder Griffeln versehenen Blumen, mehr die weiblichen Organe; so haben wir bei Datura Stramonium: Nicoliana macroph ylla, quadrivalvis , Langsdorfii: Verbascum nigrum, Lychnitis u. s. w, sechs Staubgefässe, bei Dianthus superbus und chinensis deren eilf gefunden. Bei Zych- nis flos cuculi und diurna beobachteten wir in solchen Blumen nicht selten sechs, bei Dianthus superbus drei Griffel: bei Delphinum Ajacis, Aquilegia atropurpurea und canadensis sechs Ovarien. Niemalen aber ist es uns vorgekommen , dass bei- derlei Organe in einer Blume über die normale Anzahl ver- mehrt war; zweifeln aber nicht, dass diess doch auch zn-
weilen, aber selten, vorkommen mag ; weil wir an der Tormen- tilla erecta beobachtet haben, dass alle die Er stlingsblumen
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welche. fünf Blumenblätter hatten, auch mit zwanzig Staubge- fässen versehen waren: und die übrigen Blumen, welche nur vier Blumenblüttehen hatten, auch nur sechzehn Stanbge- fässe zählten; was mehr auf ein gesetzmässiges Zahlenverhält- niss dieser Organe unter sich hinweist, als auf eine Modifica- tion des Bildungstriebs.
Von der Sterilität und vorzugsweisen Beschränkung der Ausbildung der benannten Organe bei Erstlingsblumen ist uns bis jezt nur das einzige Beispiel an dem Ayosciamus niger vorgekommen, das schon von Kass (3) beobachtet worden. Von Pelunia nyetaginflora, COucubalus Behen L., Verbascum phöriceum u. a. haben wir wohl auch einzelne In- dividuen angetroffen, deren Erstlingsblumen von beiden Seiten
steril waren; wir sehen diess aber als eine zufällige Erschei- nung an, welche ohne Zweifel durch äussere Einflüsse und ge- störte Vegetation hervorgebracht worden war.
Die Blume und ihre Knospe ist bei denen Pflanzen, bei welchen sie am vollständigsten ausgebildet ist, aus mehr oder minder regelmässigen concentrischen Wirteln zusammen- gesezt, welche ihre verschiedene wesentliche Theile aus- machen, nämlich den Deckschuppen, dem Kelche, der Krone, den Siaubgefässen und dem Pistille. Diese genannten Theile befinden sich aber nicht bei allen Gewächsen in der Blume vereinigt: in manchen Gattungen fehlen die schützenden Deckschuppen, bei andern der Kelch, bei noch andern die Blumenkrone ; bei einigen sind die Staubgefüsse und das Pistill auf Einer Pflanze in verschiedene Blumen verwiesen: bei andern in verschiedene Individuen getrennt u. s. vw. ; woraus zur Genüge erhellt, dass diese Theile nicht alle nothwendig in einer Blume vereinigt seyn müssen, um den Zweck der Be- fruchtung zu erfüllen: dass mithin jedes dieser Organe in gewisser Beziehung ein von dem andern unabhängiges Leben besitzt. Wir wollen nun im Folgenden jeden dieser wesent- lichen Theile der Blume einzeln nach seinen Lebensverhält- nisse betrachten, um hieraus bei der Befruchtung ihre wechsel- Seitige Wirkung auf einander näher kennen zu lernen,
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BE. Von dem Kelche;
Der mannigfaltige Bau, Gestalt, Farbe und Verbindung der äusseren Umhüllungen der Blumen hat seit Lixs£'s Zeiten _ eine Meinungsverschiedenheit über die Benennung und den wirklichen oder scheinbaren Unterschied der verschiedenen Formen hervorgebracht, worüber sich die Systematiker noch nicht hatten vereinigen können. Die früheren Botaniker haben in der Consistenz, Farbe und Pluralität der Blumenumhüllung Charactere ihrer wesentlichen Verschiedenheit angenommen, welche Unterschiedsmerkmale aber in der systematischen Ver- gleichung der Familien in neuerer Zeit nicht den Werth und Bedeutung behalten konnten, welche ihnen früher beigelegt worden war. Man suchte der Schwierigkeit der Entscheidung durch anders gewühlte Benennungen zu entgehen, wodurch aber die physiologische Frage: ob mit der verschiedenen or- ganischen Struktur der Umhüllung nicht auch eine verschie- dene Wirkung auf die eingeschlossenen Theile und auf die Be- fruchtung selbst verbunden seye? nicht beantwortet ist. |
Obgleich in sehr vielen Fällen , besonders aber bei der Pluralität der Blumenumhüllungen es selten schwer hält, den Kelch von der Krone zu unterscheiden ; so ist doch die Bestim- mung über ihr Wesen und ihre Natur, wenn sie nur einfach ist, mancher Schwierigkeit und Widerspruch unterworfen. Die Natur hat in diesen Organen keine so festen Bildungsnor- men beobachtet, dass kein Zweifel über die richtige Benen- nung von einigen derselben entstehen könnte: z. B. bei den Li- liaceen, Irideen u. s. w., bei welchen nach der systematischen Ansicht die Art der Insertion entscheidet. In manchen Fällen ist auch die Organisation der beiderlei Umhüllungen in Ein
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Cruce
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Organ verschmolzen, z. B. hei Mirabilis, den Liliaceen, Daph-
‚noideen, so dass die äussere Fläche die Natur des Kelches, die ‚innere die der Krone an sich trägt, und beide sich in ihren Functionen unterstützen und ablösen: so dass zwischen der einen und der andern dieser Hüllen kein wesentlicher Unter- schied. wird aufgefunden werden können. L. C. Treviranus (1) und Basen (?) theilen mit uns dieselbipe Ansicht.
Bei der Duplicitàt der Blumenumhüllungen dient der Kelch meistens zur Stütze der übrigen Theile der Blunien, besonders des Ovariums; auch schützt er in der frühesten Zeit die Blu- menknospe vor schädlichen Einflüssen: bei andern ‚umgibt und umschliesst er das Ovarium, oder ist er auf dasselbe ein- gesenkt, und in beiden Füllen durch Gefässe mit der Mutter- pflanze oder dem Aste verbunden. Aus diesen Verbindungs- Arten des Ovariums mit dem Pflanzenkórper vermittelst des Kelches wird die Bedeutung desselben bei der Befruchtung und der Fruchtbildung ersichtlich; er scheint hiernach die beson- dere Bestimmung zu haben, die Ernührung und das Wachs- thum der übrigen Blumentheile mit der Pflanze zu vermitteln. Zwar gibt es Kelche, welche keine so lange Dauer haben, z.B. bei Papaver, Chelidonium u. s. w., deren Bestimmung mit dem Oeffnen der Krone. vollbracht ist, daher sie häufig‘ noch vor der vollbrachten Befruchtung dahin schwinden und abfallen. Vom physiologischen Standpunkte aus betrachtet, bieten diese
Arten von Kelch keine Verschiedenheit von der Krone dar, z.B, : bei der Datura trennt sich der ganze membranose Theil des . Kelehes gleich nach der vollbrachten Befruchtung mit der Co- rolle vom Ovarium los: bei Lilium,- Tultpa u. s. w. fallen die Blumenblätter ebenfalls bald. nach der Befruchtung ab. Auf der andern Seite gibt es aber auch Beispiele, wo die Corolle wenigstens zum Theil in die Frucht übergeht, z. B. bei den Gräsern, Mirabilis. Es folgt hieraus, dass wenigstens aus der Dauer der Blumenumbüllungen . kein: distinctiver Character hergenommen werden kann, und dass Kelch und Blümenkrone bei der Befruchtung und Fruchtbildung zuweilen die gleiche . Function erfüllen,
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In den meisten Fällen ist die Verletzung des Kelches, be- sonders in der früheren Zeit, ehe noch die Blume völlig ent- wickelt ist, der Fruchtbildung nachtheilig: diess wird inson- derheit bei solchen Pflanzen bemerkt, bei welchen der Kelch zu den übrigen Blumentheilen ein grosses Verhältniss hat, und wo er die Zeugungsorgane so fest und eng umschliesst, dass er ohne Verletzung bei der Castration nicht geöffnet oder ent- faltet werden kann; wir beobachteten diess bei Veronica, Ana- gallis, Salvia, Ribes, und mehreren Cruciaten. Bei anderen Gewächsen aber, deren Kelch die Befruchtungstheile weniger fest umgibt und weniger fleischig ist, wie bei Dianthus, Datura u, S. w. kann der Kelch ohne allen Schaden für die Befruchtung, so wie für die werdende Frucht getheilt werden: wenn nur die Basis verschont bleibt, und kein bedeutender Substanzverlust durch diese Operation , welche bei der Castration häufig nicht vermieden werden kann, verursacht wird; je näher überhaupt eine solcheVerletzung dem Vereinigungspunkte des Kelches mit dem Ovarium ist, desto gefährlicher wird sie schon für die Be- fruchtung, die dann nur in seltenen Fällen mehr zu erfolgen pflegt.
Wenn die Befruchtung des Ovariums nicht angeschlagen hat, und beide mit der Pflanze vereinigt bleiben, (was nicht sel- ten zu geschehen pflegt, z. B. bei Lobelia, Verbascum, Diyita- lis u. a.,) so schwindet der Kelch, wird gelb, und nimmt ein krankhaftes Aussehen an; er verdorrt endlich, oder fállt mit dem Ovarium an der Artienlation vom Stiele getrennt ab, Hat aber die Befruchtung des Ovariums stattgefunden; so erhält er sich mehrere Tage, je nach der Art der Pflanzen, unver-
- ändert grün und frisch: er vergrössert sich dann, noch ehe man eine merkliche Zunahme an dem Ovarium wahrnehmen kann, alsdann schreitet aber sein Wachsthum weniger vor-
. Würts , als das des Ovariums: bis es endlich aufhört, während das des Ovariums immer noch fortschreitet, und der Kelch tritt in die Abnahme, wird magerer, und fángt an zu vertrock- hen, wenn gleich die Frucht selbst ihr vollständiges Wachs- thum noch nicht erreicht hat,
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Aus dem Gange dieser Entwickelungen ersehen wir, dass. die Integrität des Kelches für die früheste Periode des Lebens des Ovariums eine nothwendige Bedingung ist, dass er zu sei- ner weitern Entwickelung und Wachsthum wesentlich beitrügt, und so lange, bis die Samen einen gewissen Grad der Voll: kommenheit und Ausbildung erreicht haben, einen entschiede- nen. Einfluss ausübt.
RE. Von der Blumenkrone.
Bei dem grössten Theile der Gewächse werden zwei ver- schiedene Blumenhüllen, eine äussere, der Kelch, und eine in- nere, die Krone, angetroffen, Wenn diese Hüllen gedoppelt vorhanden sind: so ist es, wie vorhin bemerkt worden, in den meisten Fällen nicht schwierig, die eine von der andern zu unterscheiden; da aber viele Pflanzen nur eine einfache Blume haben, so ist es für den Systematiker wie für den Physiologen wichtig, zu erkennen, welche Merkmale und Eigenschaften die eine Hülle von der andern unterscheiden, und welche Benen- nung; im Falle der Einheit der Hülle, derselben beizulegen sey, Auf den von den Botanikern hierüber geführten Streit 1 wiruns aber hier unserer physiolo
assen nicht ein: sondern halten uns allein im Kreise
gischen Untersuchungen, welche nur die Le benserscheinungen dieser Hüllen im Auge haben; es ist auch nicht der Zweck dieser Abhandlung, alle Formen dieser Um- hüllung zu untersuchen ` sondern nur die hauptsächlichsten in ihren Verhältnissen zu den übrigen Theilen der Blume und ih- rer Verbindung mit der Befruchtung zu beleuchten, an wel- che sich fernere Untersuchungen anreihen können. In dieser beschränkten Beziehung der Ansicht der Blumenhüllen zum Zweck ihrer Lebensverrichtungen ist in den meisten Fällen die Bestimmung derselben nicht zweifelhaft; wir legen daher un- seren dermaligen Untersnchungen nur die Natur der inneren Hülle zum Grunde, Da die einfache Hülle der Zeugungsorgane der Pflanzen in plysiologischer Hinsicht nur sehr selten eine von der inneren ; (wenn sie gedoppelt ist,) verschiedene Eigenschaft und Bestimmung hat, und mit den jetzigen Hülfs-
mitteln keine yon jenen abweichenden: zu entdecken sind: so —
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betrachten wir sie hier, um Missverständnisse zu vermeiden, im Allgemeinen als Corolle, indem wir in dieser rein physio- logischen Abhandlung die theoretisch-systematischen Rück- sichten für jezt noch unberücksichtigt lassen müssen. Die früheste Anlage der Blumenkrone ist nicht gleichzei- tig mit derjenigen, welche die von ihr eingeschlossenen Zeu- gungsorgane haben, Die Staubbeutel werden nämlich in allen Blumen in einem vollkommeneren Grade ausgebildet angetrof- fen zu einer Zeit, wo die Corolle sich noch in einem selir un- vollkommenen rudimentären Zustande befindet. Die weitere Entwickelung der Blumenkrone erfolgt aber gewöhnlich schnel- ler: ihr folgen hierauf die Staubfäden, und am Ende erst die weiblichen Organe, welché ihre vollendete Ausbildung zulezt erhalten. Die Succession dieser Entwickelungen wird bei je- dem dieser Organe genauer angegeben werden, Nur selten wird im Gang dieser Metamorphose bei einigen Pflanzen eine Abweichung beobachtet, wovon weiter unten die Rede seyn wird. Diese Folgereihe in der Entwickelung der Theile der Blume tritt besonders da sichtbar hervor, wo die weiblichen Organe, insonderheit aber die Narbe, einen ausgezeichneten Grad der Ausbildung und Thätigkeit Malian haben, wie z. B. bei den Malvaceen, Lobelia, Mimulus u. a. Anders stellt ScHELVER (!) den Entwickelungsgang der Blume und ihrer Theile dar, indem er sagt: ,Zuerst wird die Krone entfaltet, „dann folgt die Vollendung der Antheren u. s. w.*; wir finden aber diese Darstellung nicht mit dem Gang der Natur überein- stimmend. Die Betrachtung der Blumenkrone in ihren physischen Verhältnissen zu den Zeugungsorganen wird uns Aufklär "ng über ihre Natur und den Zweck ihres Vorhandenseyns in dem Blumenapparate geben. In dieser Absicht untersuchen wir zu- erst ihr Verhalten zu den Staubgefässen, mit welchen sie nicht nur in Beziehung auf den innern Bau viel Uebereinstimmen- des hat: sondern mit welchen sie auch bei einem grossen Theile von Pflanzen in der innigsten Verbindung steht: so dass Scuxr- VER (?) von diesen beiden Organen sagt: „Die Blumenblätter
en -
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„Sind die Voraussetzung und der Stoff, woraus die Stamina ge- „bildet werden: diese stammen von der Blumenkrone ab, und „aus der Innigkeit der Staubfäden mit der Blumenkrone folgt, »dass sie in ihrem Zustande pleichsam noch nicht sich selbst „angehören.“ Aus diesem Verhältniss dieser genannten Organe, welches jedoch nicht allgemein ist (3), würde daher folgen, dass sie in einer nahen vitalen Verbindung und Abhüngigkeit von einander stehen, Es entsteht daher zuerst die Frage: wel- che Folgen hat es für den Zustand dieser Organe, wenn sie ausser Verbindung mit einander gesezt werden: doch so,
dass zugleich die übrigen wesentlichen Theile der Blume bei ihren natürlichen Lebensverrich
lichst geschont werden 2. |
Die neueren Gegner der Lelire von den Geschlechtern der Pflanzen, Scugrvkn und Hzxscnuxr haben ein Hauptmoment ge- gen die Geschlechtlichkeit der Gewächse anf die Trennung die- ses Zusammenhanges gestützt; da sie dieser Trennung über- "haupt und nicht dem Mangel der Bestäubung der Blumen die Hauptursache der Unfruchtbarkeit bei den Versuchen zuge- schrieben haben: indem sie behaupten (+), dass die ganze Pflanze durch die verlezteVegetation und die Blume insbeson- dere durch das Beschneiden der Staubgefässe Schaden leide und dadurch die Unfruchtbarkeit der Blumen bewirkt werde. Da aber hauptsächlich in dieser Trennung und in ihrer unschäd- lichen Wirkung auf die allgemeinen
tungen erhalten, oder mög-
Lebensverhältnisse der Pflanze im Allgemeinen ımd der einzelnen Blume die Möglich-
keit zuverlässiger Resultate über die Befruchtung beruhen: so ist die unzweifelhafte Bestimmung des vitalen Verhältnisses dieser Organe für unsere ganze Arbeit von der grössten Wich- tigkeit; wir müssen desswegen ín der Abhandlung der Mate- rien in Beziehung auf die Staubgefässe der Ordnung etwas vorgreifen. Es fragt sich also: welchen Einfluss hat die Ca- stration auf die Blume überhaupt, namentlich aber: welche Wirkung hat dieselbe auf die Blumenkrone? Die Beantwortung dieser Frage macht es nothwendig, hier schon von dieser Ope- ration zu handeln, und einen Gegenstand. der Untersuchung zu
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antieipiren, welcher seiner Natur nach in das Capitel von den Staubgefässen und der Befruchtung zu verweisen wäre.
Es gibt nun zweierlei Wege der Castration: entweder dureh einfache Abnahme der Antheren von dem Staubfaden; oder durch theilweise oder gänzliche Exstirpation der Staubgefässe. Die erstere Art der Trennung scheint nun weniger von jenen Botanikern gemeint zu seyn, ob sie sich gleich nicht ganz be- stimmt darüber aussprechen: theils weil dadurch meistens nur eine sehr geringe, die Corolle nicht berührende Verletzung geschiehet: theils weil nur von dem Zusammenhange der Staubfäden mit der Corolle die Rede ist: es wird also mehr die zweite Art der Castratiom und ihre Wirkung auf die Corolle zu verstehen seyn.
Dass die erstere Art der Trennung , nämlich die einfache Hinwegnahme derAntheren ohneVerletzung der Staubfäden, für die Corolle ohne allen Nachtheil geschehe, zeigen unsere mehr als tausendfältige Erfahrungen: indem wir den Lebens- und Entwickelungsgang der Blumenkrone dadurch niemals gestört oder abgeändert gefunden haben. Dieser Erfolg wird aber auch : noch dadurch erwiesen, dass selbst die Verstäubung des Pollens - an und für sich keinen Einfluss auf das Leben der Blumenkrone hat; weil die Antheren und der Pollen lange vor der Corolle ausgebildet sind, und daher bei vielen Blumen die Dehiscenz der Staubbeutel und die Befruchtung der Ovarien bei noch ge- schlossener Corolle geschieht, und die weitere Entwickelung, so wie der Vigor der Blume, erst nach dem Oeffnen normal ein- tritt, wenn die Antheren sich schon grósstentheils entleert ha- ben: wie diess so háufig in den Blumen der Leguminosen be- merkt wird. f | |
Die andere Art dieser Trennung und der Castration ge- schieht durch theilweise- oder gänzliche Hinwegnahme des Staubfadens sammt der Anthere. Diese Operation kaun in den meisten Blumen in der früheren Epoche des Lebens dieser Theile wegen ihrer Zartheit und innigen Verwickelung ohne eine bedeutende und nachtheilige Wachsthumsstórung und Verletzung des einen oder des anderen Theils unmóglich
vollbracht werden: wir haben sie daher meistens in einem schon mehr vorgerückten Entwickelungszustande vornehmen müssen; und viele dieser Castrations-Versuche sind erst in der lezten Periode der Entwickelung der Blumenkrone, nämlich kurze Zeit vor ihrem Oeffnen, ausgeführt worden, Tausende unserer Erfahrungen sprechen dafür, dass keine dieser Operationen, wenn sie mit Geduld und Vorsicht gemacht worden waren, von nachtbeiligen Folgen für das Leben der Corolle abgelaufen ist: selbst nicht bei dem zartesten Bau derselben, z. B. bei Pa- paver und Chelidonium. Die Corolle behielt in allen diesen Fällen, selbst bei gänzlicher Exstirpation der Staubfáden, ihren Entwickelungsgang ungestórt, diese mochten an der Corolle selbst angeheftet seyn, wie bei Lobelia, Verbascum, Salvia, Mi- mulus, Digitalis u. s. w., oder auch an andern Theilen wie bei Geum , Potentilla, Aquilegia, Malva, Pelargonium, Dianthus uU. S., W. | ] i i
Es könnte aber noch der Zweifel entstehen: ob nicht das Alter und der Entwickelungsgrad der Blume einen Unterschied in diesen Verhältnissen der Blumenkrone zu den St ‚sen, namentlich zu den Staubfáden, begründe,
Aus folgenden Erscheinungen glauben w zu kónnen, dass zur Integrität und vollkom der Corolle das Vorhandense wendig ist,
aubgefäs-
ir aber schliessen menen Ausbildung yn der Staubgefässe nicht noth- 1) Zeigen die weiblichen Blumen der Dichogamen eine ebenso vollkommene Ausbildung der Corolle als die männlichen. 2) Die Contabescens der Staubfäden (wovon
unten weitläufiger gehandelt werden wird), beweist, dass die vollständige Entwickelung der Corolle auch ohne das normale Vorhandenseyn der Staubgefässe erfolgt, diese mögen nun an der Blumenkrone, oder an einem anderen Theile der Blume inserirt, oder nur einige oder alle Staubgefüsse blos theilweise oder gänzlich contabescirt seyn. Hier fällt der Anfang und die
Ursache der Contabescenz und der Mangel der Staubgefässe in die früheste Anlage der Blume, ehe noch ein Rudiment der Corolle vorhanden ist, Demnach vermag sich die Corolle auch ohne Staubgefässe vollkommen auszubilden , und ihre
Hinwegnahme bei der Castration ist dem Leben der Corolle nicht nachtheilig.
Da durch die frühzeitige Entfernung der Staubgefässe (der Antheren allein oder mit den Staubfáden) aus denjenigen Blumen, in welchen dieselbigen mit der Corolle verwachsen sind, die weitere Entwickelung der Corolle weder verzógert noch beschleunigt wird: so ist diess um so weniger bei de- nen Blumen der Fall, in welchen die Staubfäden an anderen Theilen angeheftet sind, wie bei Potentilla, Geum, Aquilegia u. s. w. In beiden Füllen hat die Castration für die Blume nur die Folge, dass die Corolle, (wenn keine Befruchtung ge- schehen ist;) länger dauert, und langsam und theilweise verdirbt.
Von ela Einfluss der Castration auf den Blumensphlaf weiter unten,
In Beziehung auf die Verhältnisse der Corolle zu den weib- lichen Organen haben wir schon oben bemerkt, dass beim nor- malen Gange der Entwickelung der Blume diese lezteren erst nach der Corolle ihre vollständige Ausbildung erlangen: hie- von ist uns aber bei mehreren Gewächsen eine merkwürdige Abweichung vor gekommen. Bei mehreren Pflanzen wird nàm- lich aus der, in RPA ara Graden der Entwickelung begrif- | fenen und noch im Knospenzustande befindlichen, Corolle ein frühzeitiges Hervordringen der Griffel und der Narbe von ver. schiedener Länge beobachtet. Dieser abnorme Zustand der Blumenknos pen hat uns besonders geeignnt geschienen , über die physiologischen Verhältnisse und das relative Wachsthum der Blumenkrone näheren Aufschluss zu erhalten; indem wir von der Voraussetzung ausgegangen sind, dass bei einer sol- chen frühzeitigen Entwickelung der Griffel Si das Conceptions- Vermógen der weiblichen Organe der Blume vorhanden seyn dürfte: in welchem Zustande der Blume also bei der Bestäubung der Narbe keine gewaltsame Behandlung (durch künstliche Entfaltung, Castration u. dergl.) das Wachsthum und die regel- mässige Entwickelung der Theile stören konnte. Der Erfolg
zw E M. de ho u
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hat auch gezeigt, dass wir ıms in dieser Voraussetzung nicht ` getäuscht hatten. ` En Wir stellten hierüber folgende Versuche an: Erster Versu ch, Blüthenknospen der Lychnis diúrna 9 im frühesten Alter von kaum zwei Linien Länge und einer Linie im Querdurchmesser ; an welchen die weissen Griffel eine Li- nie lang aus den enggeschlossenen Kelchspitzen hervorragten, wurden mit dem eigenen Pollen bedeckt, und diese Bestáubung den andern Morgen wiederholt. Die Zergliederung von Blu- menkuospen von gleichem Grade der Entwickelung zeigte kaum . bemerkbare farblose Rudimente der Blumenblätter als kleine Erhabenheiten, Der aus den Kelchspitzen hervorragende Theil der Griffel wurde nach 36 bis 40 Stunden missfarbig, soweit sie mit Pollen bestáubt worden waren; die Blumenknos- pen zeigten weder Wachsthum, noch eine sonstige Verände- rung: einige derselben wurden nach 4 bis 5 Tagen gelblich, schrumpften ein, und fielen endlich nach 8 bis 10 Tagen ganz verdorrtab. An drei andern verlängerte sich der Kelch über die - Griffelspitzen, sie fielen aber auch nacn 3—4 Tagen ooch grün ab. - ! 1 Denselben Erfolg hatten Versuche an dem Dianthus bar- batus , der mit lauter contabescirten Staubgefássen versehen war, wodurch dieses Individuum der Lychnis diurna 9 in ge- .Schlechtlicher Hinsicht ganz analog geworden war. ` Die Blu: menknospen waren in dem gleichen Entwickelungsgrade und. von gleicher Beschaffenheit, wie bei der Lychnis: diejenigen, welche mit dem eigenen Pollen bestäubt worden waren, zeig- ten nicht das mindeste Wachsthum, sondern verdarben; die Sich selbst überlassenen Blumenknospen aber von demselben Entwickelungsgrade gingen ihren regelmässigen Wachsthums- gang; indem sich nach 2 bis 3 Tagen die Kelchspitzen, und im weiteren Verlaufe auch die Petala, über die vorragenden Griffelspitzen verlängerten. | Mapas. Zweiter Versuch, Blüthenknospen von denselben Pflanzen in einem mehr vorgerückten Zustande der Entwicke- lung, bei welchen aber die farblose Petala noch ganz von dem
GiRINzg, Befruchtung der Gewächse. 2
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= Kelche bedeckt und eng eingeschlossen waren, und deren Grift- fel und Narbenspitzen in der Länge von einer halben bis ganzen Linie aus dem. genau umschliessenden Kelche hervorragten, wurden sowohl mit dem eigenen, als auch mit fremdem nahe verwandtem , Pollen belegt. Nach Verfluss von 24 Stunden wurden die Griffelspitzen missfarbig, verlängerten sich nicht weiter. und. verdarben. Die meisten dieser Blumenknospen blieben frisch grün, und vergrósserten sich im Verlauf einiger Tage. Einige wenige derselben entwickelten nach mehreren Tagen ihre Petala, ohne dass die Ovarien sich vergrósserten; andere im Gegentheil entwickelten ihre Petala nicht weiter; und sezten kleine und magere Früchte an, welche nur eine ge- ringe Anzahl guter Samen lieferten, z. B. Lychnis diurna nur 16, welche nachher gekeimt haben. Einige andere von diesen bestáubten Blumenknospen sind, ohne eine Entwickelung - erfahren zu haben, verdorben met abgefallen,
Die meisten Blumenknospen dieses Entwickelungsgrades von Dianthus barbatus schoben ihre Petala über die verlänger- ten Griffel vor, und bedeckten sie wiederum ohne einen Still- stand in der Entwicklung gemacht, c auch ohne Früchte angesezt zu haben.
‚Dritter Versuch. Etwas mehr in der Entwickelung
vorgerückte Blumenknospen derselben Pflanzenarten, an den nàmlichen Individuen, und von gleichem Entwickelungsgrade der Griffel und Narben, mit schon gesprungenen Kelchlap- pen, aus deren obersten Oeffnung die stumpfe, zum Theil et- was mehr geröthete, Spitze der Blumenblátter hervorragte, wurden ebenso , wie in den beiden vorhergehenden Versuchen, theils. mit dem eigenen, theils mit fremdem, nahe verwandtem Pollen. bestäubt. Die meisten dieser Blumenknospen ent, wickelten ihre Blumenblätter entweder nicht weiter oder nur unvollkommen, und blieben in ihrer Entwickelung stehen.. Eis nige dieser Ovarien zeigten kein Wachsthum; andere hingegen, und zwar die Mehrzahl, lieferten vollkommene Früchte mit der normalen Anzahl von guten Samen, Ein paar dieser be» stäubten Blumenknospen eutwickelten ihre Blumen und Griffel
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regelmässig : die Ovarien blieben aber taub (ohne Zweifel, weil die Narben noch nieht conceptionsfáhig waren). Vierter Versuch. Blumenknöpfe mit frühzeitigen Griffeln von Lychnis diurna , vespertina und Dianlhus barbatus und superbus, (diese beide lezteren mit eontabescirten An- theren;) deren Blumenblütter schon stark geróthet, über die Kelchspitzen hinausragten : aber doch noch so enge ineinander gewunden waren, dass ihre Entfaltung ohne Zerreissung der Petalen nicht bewerkstelliget werden konnte, wurden auf gleiche Weise - wie in den vorigen Versuchen, an den äusser- sten Narbenspitzen, welche bei diesen Knospen nicht so weit über das stumpfe Ende der Blumenblätter, als bei den vorigen Versuchen über die Kelchspitzen ‚ hervorragten , mit eigenein Pollen bestäubt. ` Die Blumen trieben in 24 Stunden ihre Pe- talen über die Griffelspitzen hinaus , so dass diese von jenen - wieder ganz bedeckt und unsichtbar geworden waren. Die Blumenblätter entwickelten sich normal, und die Griffel und Narben wurden zu gleicher Zeit missfarbig und vertrockneten. Die Abnahme des Vigors der Blume und das Wachsthum der Fruchtknoten nahm bei den meisten , nur ein einziges Mal an der àussersten Spitze der Griffel bestäubten "Blumen den regelmássigen Verlauf, und die Früchte erlangten ihre normale Grösse mit der normalen Anzahl vollkommener Samen. Einige Blumenknöpfe der Lychnis diurna von diesem Grade der Ent- wiekelung ," deren schon stark geróthete Petalen der Entfal- tung sehr nahe, deren weibliche Organe aber ohne Zweifel schon mehr gereift waren, als die der andern , entfalteten sich nicht mehr ; sie blieben zwar einige Tage frisch; nahmen aber
mit der Vergrösserung und dem beginnenden Wachsthum der
Ovarien ab, und verdorrten, ohne sich völlig aufgeschlossen zu haben. ` , i
Es könnte scheinen ‚ dass dieser ungewöhnliche Zustand
der Blume und der > durch’s Bestäuben der Narbe’ herbei-
Seführte, Stillstand des Wachsthums der Blumenkrone nur `
ei einigen, und namentlich bei dichogamischen , Gewüchsen
angetroffen werde: die Erfahrung liat uus aber gezeigt, dass 2*
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sich derselbe Zustand der Blume, ausser den Caryophylieen, auch bei sehr verschiedener Organisation derselben vorfindet, z B. bei Primula veris, Auricula: Datura feroz, Dat. quer- cifolia und Geum urbanum; wir können daher aunehmen, dass das hier stattgefundene Verhältniss der Blumenkrone zu den weiblichen Organen kein nur den genannten Arten zukommen- des, sondern ein mit geringen Modificationen allgemein statt- findendes seyn werde; wir glauben daher aus diesen Erfah- rungen folgende Schlüsse für die Natur und das Leben der Corolle ziehen zu dürfen. (S. unten Weibliche Organe.)
1) Im frühesten Zustande der Blume, noch als ganz junge Knospe, wird durch die Bestäubung der Narbe mit dem eigenen ‘Pollen bei stattfindender Frühzeitigkeit der Griffel nicht nur das Wachsthum der Corolle aufgehoben, sondern auch das Leben der ganzen Knospe zerstört. 13]
2) Wenn die Entwickelung der Blumenknospe bis zu dem Zeitpunkte gediehen, wo die Corolle der Hälfte ihrer Entwicke- lung nahe ist: so wird unter den gleichen Umstünden nur das Wachsthum der Blumenkrone unterdrückt; das Ovarium er- langt aber noch einen geringen Grad der Ausbildung.
3) Ist die Blume in ihrem Wachsthum noch etwas weiter vorgerückt , und. die Corolle zwar äusserlich zur Erscheinung
gekommen, aber noch nicht gefärbt: so steht, nach der mehr E
erwühnten Bestáubung der frühzeitig entwickelten Narbe, das Wachsthum der Blumenkrone entweder stille, oder es erfolgt nur unvollkommen , und das Ovarium erhält seine normale Ausbildung. l
4) Wenn sich die Blumenkrone-in dem lezten Stadium ihrer Entwickelung befindet, so wird ihr Wachsthum und nor- male Ausbildung durch die Bestüubung der frühzeitig: vorge- triebenen Narbe nicht mehr gestórt, und die ganze Blume macht ihren regelmüssigen Gang des Wachsthums und der Entwickelung mit normal ausgebildeter Frucht und Samen.
|. 5) Die erste Bedingung der Einwirkung der weiblichen Orgaue auf das Leben und die Entwickelung der Blumenkrone bei der Bestäubung der frühzeitigen: Griffel scheint das
21 Daseyn der Conceptionsfühigkeit im Pistill zu seyn; weil nur in _ dem Falle.das W aehsthum und die weitere Entwickelung der Corolle nicht gestórt wird ; wenn das Ovarium keine Befruch-. tung angenommen hat,
Die Blumenkrone ist in der Knospe auf mannigfache Weise gefaltet und zusammengedràángt : (man vergleiche, was in dieser Beziehung Arex. Braun ($Y über die gesetzlichen Drehungen im Pflanzenreiche sagt,) bis sie durch einen innern Entwickelungstrieb , und durch äussere Umstände, nämlich einen angemessenen Licht -, Wärme- und Feuchtigkeitsgrad begünstigt, die Bande löst, welche sie selbst, und die von ihr | eingeschlossenen Zeugungsorgane in ihrem jüngeren Zustande,
vor äusseren Beschädigungen geschüzt hatte. Diese Faltung der Corolle ist so regelmässig, dass sie bei ganzen Familien völlig gleichfórmig durchgeführt, und bei einigen derselben, welche eine gróssere Ausdehnung der Blume haben, so wun- derbarist, dass, nach geschehener Entfaltung, es kaum begreif- lich scheint, dass die Corolle in dem früheren Raume einge- presst seyn konnte; wie z. B. bei den Papaveraceen, Malva- ceen u.a. Die entfesselte Faltung und der aufgehobene Druck gibt aber auch bei den allermeisten Blumen Raum zum Ein-
dringen von Nahrungsstoffen , wodurch die Zellen des Pa- renehyms ansehw
ellen , und die Blumen sich vergróssern und wachsen, w
elches namentlich bei allen Blumen geschieht, wel- che keine so kurze Dauer haben,
Cistineen und mehrere biliaceen.
Bei vielen Pflanzen haben die Blumen, so wie sie sich geöffnet haben, auch ihren höchsten Glanz und Vollkommen- heit erlangt; es sind besonders solche, welche höchstens 12 Stunden dauern, wie mehrere Liliaceen , Cacteen , Cistineen,
uU. S. w. Bei anderen tritt der Vi ein,
als wie die Papaveraceen,
gor der Corolle erst später und ist nicht so vergänglich : überhaupt ist er bei den ver- Schiedenen Pflanzen nicht an eine bestimmte Zeit gebunden : sondern von Umständen abhängig, welche erst weiter Unten bei der Befruchtung erörtert werden können.
C Das Oeffnen der Blumen erfolgt bei den meisten Pflanzen
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in den Morgenstunden, entweder mit der aufgehenden Sonne; oder wenn sieh ihre Strahlen schon über die Vegetation ver- breitet haben; dem Lichte kommt daher ein entschiedener "Einfluss auf das Oeffnen der Blumen überhaupt zu: wie diess besonders einleuchtend.an mehren Compositifloren, Oxalideen, Mesembryantemumarten und Anagallis arvensis ist. Nur in seltneren Fällen und bei wenigen Pflanzen findet normal eine Ausnahme von dieser Regel statt, Die Blumen einiger Ge- wächse öffnen sich nämlich zu. einer andern als der ange- gebenen Tagszeit, entweder bei untergehender Sonne, z. B. Lychnis vespertina, oder bei einbrechender Nacht, z. B. Silene noctiflora, einige Cactus-Arten u, s. w. Es finden aber auch hierin zuweilen Abweichungen statt, welche theils: von dem Entwickelungsgrade der Blumen, theils von äusseren Einflüs- sen, der Witterung u. s. w. abhängen. gilj Mit diesem Momente des. Oeffnens. der Blumen sind gewöhnlich noch andere Erscheinungen vergesellschaftet, welche, eben weil sie damit coéxistiren , in einer ursächlichen Verbindung unter einander zu stehen scheinen: es ist diess die Reife und Dehiscenz der Antheren,, die Geruchsemanation, die Absonderung des Honigsaftes und die Coneeptionsfähig- keit des Pistills. Wenn wir aber auf die Zeit der frühesten Entstehung der, diesen Erscheinungen zum Grund liegenden, Organe zurückgehen: so finden wir einen bedeutenden Unter, schied in dem Zeitpunkte ihrer ersten Entwickelung: wenig. | stens ist die Entstehung der verschiedenen Blumentheile nicht vollkommen: gleichzeitig: (S. 11); es ist daher bei genauerer . Betrachtung: der frühere Unterschied in der Entstehung und Ausbildung der Theile auch in ihrer vollendeten Entwickelung noch bemerklich: sie fallen aber gewöhnlich und in den meisten Blumen so nahe zusammen, dass sie für gleichzeitig angenommen werden können: | Von dieser allgemeinen Regel finden sich aber auch Abwei- chungen unbeschadet der Befruchtung, welche der lezte Zweck des Daseyns der Blume ist: so sind. bei grossen Familien die _ Staubgefässe nicht. nur vor dem: Vigor der Blume, sondern
Selbst vor ihrem Oeffnen, reif, z. B. bei den Leguminosen, Crua eiaten und manchen einzelnen Blumen anderer Gewáchse, z. B. bei Datura , Nicotiana u. s. w. Im Gegentheil haben wir aber auch bei anderen Gewächsen gesehen, dass die Antheren erst sogar 2 bis 5 Tage nach dem Oeffnen der Corolle zu stäu- ben angefangen haben, z. B. bei Dianthus und einigen anderen Caryophylleen , Fuchsia u. s, w.: die Conceptionsfáhigkeit der Narbe aber erst nach 3 bis 5 Tagen nach dem Oeffnen der Blume, und 1 bis a Tage nach der Dehiscenz der Antheren eingetreten ist; wir haben aber auch kurz vorher gesehen, dass in seltneren Fällen die Conceptionsfähigkeit des Pistills bei noch ganz unentwickelter Corolle eintreten kann: und alles dieses, ohne einen nachtheiligen Erfolg für die Be- fruchtung dadurch zu bewirken. | a Solche Abweichungen in der relativen Entwickelung der andern Theile der Blume in Beziehung auf die Corolle; welche zuweilen nur einige Stunden, aber auch, wie vorhin - bemerkt worden, einen Zeitraum von mehreren Tagen betragen, werden nicht nur an ganzen Individuen, sondern zuweilen auch an- einzelnen Blumen desselben Individuums bemerkt: sie gehóren aber immer zu den Ausnahmen, welche jedoch in dem Resultat der Befruchtung gewöhnlich keine Störung her- vorbringen. Dieser Wechsel in der Entwickelung der veri schiedenen Theile der Blume muss von inneren Ursachen be- wirkt werden: wird aber auch nicht selten sichtbarlich von äusseren Einflüssen hervorgebracht; denn die Pflanze ist vielmehr als das Thier der Einwirkung des Lichts, der ‘Wärme, der Trockenheit und Feuchtigkeit und den Folgen ihres Wechsels ausgesezt, weswegen der Pflanzenkörper in . Seinen Entwickelungen und Veränderungen sieh nicht so regel- mässig verhält, wie der Körper der Thiere. Diese Abwei- chungen zeigen aber auch zugleich, dass die einzelnen Theile der Blume in ihren Entwickelungsstufen nicht nothwendig an einander gebunden sind , sondern dass jeder derselben bie auf einen gewissen Grad’ seinen eigenen Entwickelangsgang und
Negetatives Leben hat.
ZEE i è Lee E e msi
74
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24
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Wenn sich die Blume geöffnet und ihre vollkommene Entfaltung, bald in kürzerer, bald in längerer Zeit erlangt hat: so. treten an, der Corolle nicht selten bald darauf Veránde- rungen ein, in Beziehung auf ihre Gestalt und Aussehen, wel- che mit dem Leben der ganzen Blume in Verbindung stehen. Wir bemerken aber in Hinsicht auf die Veränderungen, wel- chen die Corolle nach erlangtem | Vigor unterworfen | ist, mehrere Verschiedenheiten sowohl in. der Zeit ihres Eintritts, Als ihrer Form und Dauer. Eivige derselben haben selbst bei
grosser Pracht und Glanz nur ein kurzes, sehr vergängliches Leben, z. B. Cereus peruvianus, grandiflorus: Tigridia pavonia:
Morea. fugax: Commelina japonica u. a., welche in wenigen Stunden nach dem Oeffnen ihren Glanz verlieren, einschrum- pfen und verderben ; andere behalten einen oder mehrere Tage ihr lebhaftes Aussehen, und fallen. dann frisch und unverdor- ben ab, z. B. Pomaceen, Rosaceen, Myrthaceen, Serophularineen Uu. S. W.; andere hingegen schliessen sich Abends wieder mit der nämlichen Faltung wie früher in der Knospe, und verder- ben, z..B. mehrere Malvaceen und Caryophylleen; noch andere schliessen sich, nachdem sie sich geóffnet hatten, über Nacht und gehen. den andern. Morgen mit neuem Glanze wieder auf, um an demselbigen Abend sich auf immer zu schliessen, und in das Verderben: überzugehen: wie. bei mehreren Arten von Potentilla, Geum und. mehreren Malvaceen (hievon wird un- ten bei der Lebensdauer der Blumenkrone weiter geredet wer- - den). - Endlich gibt es auch noch. solche Corollen, an welchen sich diese periodische Erscheinung zu bestimmten Zeiten meh- rere Tage hinter einander wiederholt,. ‚und. bekanntlich. der Blumenschlaf genannt wird,
Der Blumenschlaf tritt bei verschiedenen Pflanzen zu verschiedenen Zeiten ein; bei den meisten aber Abends nach dem Untergehen der Sonne, gleich dem Schlafe der Blätter: wie bei vielen Malvaceen, Potentilla; mehreren Leguminosen; Silene: nochflora..u. s. w.; bei wenigen. anderen findet diese
Bewegung der.Blume zur Tagszeit. statt; wie. bei Lychnis |
vesperlina u, a Diese Verschiedenheit in: der Zeit des
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Eintritts der Bewegung der Blume zum Tag- oder Naehtschlaf deutet auf eine, nicht in äusseren Einflüssen, sondern im In- nern der Blume liegende Ursache. Da der Verfasser in die- sen Bewegungen, namentlich des Tagschlafs, Zeichen der Reizbarkeit und. der hóheren Ausbildung des Lebens der Co- rolle zu finden glaubte; so bar er hierüher folgende Beobach- tungen und Versuche angestellt: um die Gesetze und Bedin- gungen zu erforschen, welchen diese Bewegungen bei dem Tagsschlafe unterworfen sind. | | In dieser Absicht wurde eine gedoppelte Reihe von Beob- achtungen zuerst an den weiblichen Blumen der Zychnis ves- pertina, Lychnis vespertino-diurna. und Lychnicucubalus albus unternommen. In der ersien Reihe dieser Versuche wur- den die Blumen ohne vorgenommene Bestäubung der Narbe nach ihrer absoluten Dauer beobachtet: in der andern wurden sie sogleich nach dem Oeffnen, theils mit dem eigenen, theils mit fremdem Pollen von. verschiedenen Arten von Pflanzen bestüubt, wobei wir zugleich Einiges anticipiren müssen, wel- ches erst bei der Befruchtung die gehórige Aufklärung erhält. Es wurden hiezu Blumen gewählt, welche sich an ein gesunden, im. Topfe gepflanzten e gleichen Umständen befanden: net hatten, dass sie
em ganz Individuum unter möglichst sich zu derselbigen Zeit geg. und nur darin von einander verschieden waren, sich an verschiedenen Zweigen und in verschiedener Entfernung von der Wurzel befanden,
Schied in der Schnelligkeit oder Lan der S
welches einigen Unter- | gsamkeit der Bewegung äfte, und somit auch eine kleine Verschiedenheit in den Veränderungen der Blumenlappen begründen konnte. Drei Blumen der Lychnis vespertina a. b. und e öffneten sich in demselben Augenblicke (den 30. Mai 1835) Morgens 6 Uhr: alle drei waren gleich vollkommen, die Witterung anhaltend Sut, und heller ungetrübter Himmel: die Temperatur des Zim- mers + 159 bis 229 R.: die Sonne fiel Morgens um 9 Uhr 15 Minuten auf die Pflanze: Abends 6 Uhr war sie von derselben abgezogen. Die Griffel befanden sich bei dem Oeffnen tief im Kanal der Blume, und waren noch nicht sichtbar.
— Den zo Mai 1835.
A.
Morgens 9 U., noch vor der Einwirkung der Some, fangen die Lappen der Pe- tala an sich wieder der Lünge nach cylindrisch zu rollen, und so den Tags- schlaf zu beginnen.
105 U, völlige Einwir- kung der Sonne + 20? R. Mittags 11 U. vollkom. mener _Tagsschlaf der Blume. DieGriffelnoch ganz in der Faux ver- borgen.
A. 3 U. noch vollkomme- ner Schlaf.
A. 4 U. Die Lappen der Petala wieder zur Hälfte entfaltet. ` E 22° R. Un- ausgesetzte Einwirkung der Sonne auf die Blumen.
A. 7 U. Die Petala wie- der flach ausgebreitet,
= M. 7U. Die Blume flach
und vollkommen geöffnet. Die Griffel haben ihre Spitze über die Faux vorgetrieben.
M. 9 U. Anfangender
Tagsschlaf. Voller Sonnen- schein, `
A. 6 U. + 22? R. Die
b.
M, 83 U. Beginnen des Tagsschlafs wie bei a.
M. 11 DU. Vollkom- mener Tagsschlaf.
Ebenso wie bei a.
A. 5 U. Die Lappen der Petala fangen an sich wieder zu óffnen.
A. 8 U. Die Petala an den Spitzen noch ge- wunden und noch nicht völlig ausgebreitet.
Den 31. Mai
M. 10 U. Anfang des Tagsschlafs. Die Grif- fel 2' über den Kranz der Petala verlängert,
M. 12 U. Die Petala zylindrisch gerollt.
A. AU Die Blume
c.
. M. 8 U. Anfang des Tagsschlafs,
M. 11 U. Vollkom- mener Tagsschlaf.
+
Ebenso.
A. 3 U. 10 M. Die Lappen der Petala be- ginnen sich aufzu- schliessen.
A. 7 U. Die Petala nur noch wenig ge- wunden, und der vól- ligen flachen Ausbrei- tung ziemlich nahe.
M. 9 U. 30. M. Die Petala fangen an, sich an den Spitzen zu wenden. Die Grif- fel- Spitzen reichen kaum bis an die Faux.
M. 10 U. 30 M. Vollkommener Tags- | schlaf.
A..1 U.30 M. Die Petala wie welk zu- sammengezogen.
A. 6 U. Die Blume
wieder entfaltet und flach
wieder ganz flach ausgebreitet.
entfaltet.
Blume wieder ganz geöffnet.
— = MÀ
Zu
Den 1. Juni.
M. 11 U. Die Blume noch ganz flach geöffnet, Die Griffel über den Kranz der Faux verlän- gert; divergirend, frisch
und wollig.
e o ERE
M. 10 U. Die Petala flach ausgebreitet: die Griffel ver- längert und auf der Corolle aufliegend.
M. 10 U. 30 M, Die Petala flach aus- gebreitet, an dem äussersten Theil der Lappen nur sehr we- nig eingerollt. . Die Griffel über die Faux
M TRIB rna t rM m pg
en
u
- M. 12 U. Die Petala in der Mitte flach ausgebreitet: die Lappen am Rande we: nig eingerollt, und kaum etwas aufwärts nach der Achse gerichtet.
M. 6U. Die Petala ganz flach und eben ausgebreitet, nur etwas Weniges gegen den Kelch niedergebogen. DieGriffel kaum etwas mehr verlängert, von frischem Aussehen.
NM 12. U. Die Blume im!
Tagsschlaf, aber nicht steif, sondern flatterig. herunter-
hängend, faltig.
A. 7 U. Die Petala ganz flachausgebreitet und frisch. Der Kelch aufgebläht.
. M. 6 U. Die Blume weit geöffnet. Die Griffel gu: über die Faux ve stark divergirend artig, wollig, frisch.
M. 11 U. Die Blume un- veründert: die Petala mehr ‚zum Kelch zurückgedrängt, an den äussersten Lappen unregelmässig, uneben, we. nig eingerollt,
A. 8 U. Die Blume ganz Weit ausgebreitet, frisch.
M. 7 U. Die Blume weit
eöffnet, in der Abnahme.
te Griffel noch etwas mehr Verlängert, wollte, `
M. 12 U. Die Petala flach ausgebreitet, die Lappen am Rande etwas einwärtsgerollt, und auf den vierten Theil: auf-
rlängert, | > Ssammet-
wärts gerichtet.
Deu 2. Juni
-M. e U. Die Petala gebreitet..; Die Griffel
1"' über die Krone der: Petalen verlängert,
frisch.
M. 12 U. In demsel.
ben Zustande wie bei a.
A. 7 U. Die Petala ‚flach geöffnet und frisch. | Der Kelch mehr kugelig,
Den 3, Juni M. 6 U. Die Blume
ganz wie bei e
M. 11 U. wie bei a.
A. 8 U. Die Petala in der Abnahme, zwei der- selben an den äusser- sten Lappen welkend,
Den 4 änt,
M. 7 U. Die Blume noch lebhaft: die Lap- pen der Petala an den Rändern der Länge nach etwas eingerolli,i Die
ganz flach und eben ans.
verlängert, und an den Petalen ` anlie- gend.
M. 12 U. Die Pe- tala in der Mitte der Blume flach ausge- breitet: die Lappen ziemlich einwürts ge- rollt. Ir
Met. DiePetala weit geóffnet,- etwas gegen den Kelch zu- rückgedrüngt: ^ die Lappen: ungleich ge- wunden. Die Grif- fel 1'' über. den Rand der Corona fau- cis verlängert, frisch.
M. 12 U. Die Blume flatterig, im Tags- schlaf: die Petala wie im Welken begrif- fen.
- A. 7 U. Die Petala wieder frisch und flach ausgebreitet. Der Kelch etwas auf-
gebläht,
M. 6 U. ganz wie bei a und b.
M. 11 U. ganz wie
| bei a und b.
A. 8 U. Die Petala noch frisch: die Blu- ` me weit geöffnet, stark gegen den Kelch niedergebogen.
M. 7 U. Die Blume etwas flatterig: ein Petalum missfarbi verdorben, die ande-
re an den Lappen
EN
————— a E EE eegen `
en
Petalen bis an die Faux
NM. 2 U. Kein Tags- schlaf an der Blume mehr bemerkbar : zwei Petala welkend. E
28
Griffel gegen die Petala auswürts gekrümmt.
N.M.2U. Kein Tags- schlaf an der Blume: be- merkbar.
Den 5. Juni
M. 7 U. Die Blume weit geöffnet: zwei Petala ein- geschrumpft, dieandern drei welkend. Die Griffel zu- gespitzt, unordentlich spi- ralisch gewunden , weiss, frisch ‘und noch unverdor- ben, wie die Narben.
M. 7 U. Die Petala ganz welk und verdor- ben. Die Griffel etwas geschwunden und nicht mehr so voll, aber in Rüeksicht der Farbe noch ebenso frisch, als sie bei der frischen Blume waren.
Den 6. Juni.
M. 7 U. Die zwei Petala bis an die Kelchspitzen ver-
dorrt: die andem drei welk. Die Griffel noch frisch weiss. Der Kelch leer.
A 5 U. Die Lappen der!
ganzverdorrt,vondemKranz
M. 7 U. Die Petala vollends ganz verdorben. Die Griffel noch von frischem Aussehen.
M. 12 U. Der Kelch welk, an der Basis vom Stiele getrennt abgefal- len. Das Ovarium 4'^ lang, 2'" dick, walzen- förmig, rundlich abge. stumpft, frischgrün: die Haut schon verdickt, pergamentartig ; die Ovula sehr klein uud alle von gleicher Grösse, grünlich- weissen halb- durchsichtigen Bläschen ähnlich. Die Griffel, welche durch die Kap- selhaut durchsetzen und mit dieser vereinigt sind, hangen mit dem Recep- taculum zusammen,
Dein 7. Duni
unordentlich einge- rollt. Die Griffel frisch und gegen die Petala niedergebo- gen. i
NM 2 U. Kein Tagsschlaf mehr be- merkbar.
M. 7 U. Die Peta- la welk, an der Faux aber noch von fri- schem Aussehen, Die Griffel ^ zugespitzt, unordentlich ` spira- lisch gewunden, noch frisch,
A. 6 U. Der Kelch etwas vergrössert, welk abgefallen. Das Ovar, sehr länglicht zugespitzt, klein.
der Schuppen bis zur Inser- tion in der Basis des Kelchs noch frisch und unverdor- ben. Die Griffel unordent- lich spiralisch gewunden, frisch weiss, wie die wolli- gen Narben. Der Kelch ku- gelig-aufgelaufen 5,5'^ dick.
Den 8. Juni,
M. 9 U. Der Kranz und der Tubus, welchen die Un- gues der Petalen bilden, verdorben : die Griffe] miss- farbig, der Kelch 5,9 dick.
Den 9. Juni, A. 9 U. Die unvollkom- TET
mene Frucht, d. i. der Kelch
mit dem Ovarium, haftet
nocn an deni Aste,
Den.10. Juni.
Wie am Tage zuvor. ' | Den 11. Juni. M. 9 U. Die unvollkom- mene Frucht hat sich beil - einer leichten Berührung an der Junktur zunächst an der Basis des Kelches ‚abgelöst. Das Ovar, klein, knopffür- mig 3‘ lang, kaum 2^ im Querdurchmesser, Die äus- sere Fruchtumhüllung etwas | verhärtet und pergament- artig. Das Receptaculum pyramidalisch zugespitzt, vermittelst des durchsetzen- den Griffel-Büschels mit der zarten inneren Haut der| Kapsel verbunden, Die Eichen alle eingeschrumpft, braun und verdorben, -
` Aus“ diesen Beobachtungen ergeben. sich folgende: Re-
Sultate : NUN 1) Die verschiedenen Blumen an einem und demselben Individuum haben unter ganz gleichen äusseren Umständen verschiedene Eintrittszeiten des Tagsschlafs, eine verschiedene : Stärke, desselben: und eine: verschiedene Dauer: er ist also
30
mehr von innern, mit der Vitalität der Pflanze in Verbindung ` stehenden, Umständen als von äusseren Ursachen Wëss jede Blume hat daher ihr eigenes, bis auf einen gewissen Grad von üusseren Umstünden und der allgemeinen Blüthe des In- dividuums unabhängiges, Leben.
2) Der Tagsschlaf äussert sich am stärksten an der frischen, noch ganz jungen Blume: d. i, die Zusammenziehung der Blumenblättchen geschieht an dieser vollständiger als in älteren Blumen, und steht daher auch nicht in genauerem Ver- hältniss mit dem Vigor der Corolle. (
3) Diese Erscheinung nimmt an jeder Blume mit jedem . Tag, oder bei der Wiederholung an Stärke und Dauer ab. Die Blumenblättchen der Zychnis vespertina schliessen. sich nämlich am ersten Tage in einem Zeitraume von 10 bis 12 Minuten: am zweiten Tage in 20 bis 30 Minuten u. s. w. Ein gleiches Verhältniss findet auch’ im Abziehen des Tagsschlafs statt: welches Anfangs in 20 bis 25 Minuten , in folgenden Tagen in 30 bis 45 Minuten, am fünften Tage aber ófters erst nach Verfluss einer bis zwei Stunden vollständig erfolgt.
4) Das Einrollen der Corolllappen "NS in kürzerer Zeit, als die Ausbreitung derselben.
5) Die Bewegung der Blumenblättchen wird zulezt un: deutlich, und geht in ein unordentliches Auseinandergelien und Flatterigwerden der Corolllappen über: so dass der Tags- schlaf der Blume kaum mehr zu bemerken ist; es bleibt aber doch noch in den Blumenblättchen , wenn sie sich gleich zum regelmässigen Tagsschlaf nicht mehr schliessen, eine Neigung und Fähigkeit zur Bewegung in abnehmendem Grade übrig, bis sie abzusterben anfangen. !
6) Das Einrollen der Blumenblátter beim Schlafe. der Corolleu erfolgt in der ersten Periode- nicht aus einem welken Zustande derselben: denn die Corolllappen springen sogleich in ibre alte Stellung nnd Lage zurück „ wenn man: sie auszu- breiten versucht: sie befinden sich mint in ihrem soge: - nannten Schlaf im Zustande der Contraction: nur. bei starker
Sonneneipnwirkung und dadurch bewirkter starker Ausdünstung
tritt; neben dem Tagsschlaf ein welker. Zustand der. Coroll lappen ein. P 7) Die Bewegung der
Corolllappen beim Tagssehlafe der Blume der Lychnis vespert
ina beginnt ‚schon vor der Ente wickelung der Conceptionsfähigkeit der Pistille in den weib- lichen Blumen : in den männlichen sind bei dem ersten Oeffnen der Blume immer schon einige Antheren geóffnet (wenn nicht regnerische Witterung herrscht), FERN
E) Während der Abnahme der Lebhaftigkeit des Tags-
schlafs der Blumenhlättchen der Lychnis vesperlina 9 kommen | die Griffel mehr zur Entwickelung, und wenn die Fähigkeit . der Bewegung in jenen
schon beinahe erloschen ist : so haben diese noch ein frisches gesundes Aussehen behalten, und ihre - Narben vollends entwickelt. Diese relative Ausbildung der weiblichen Organe nach dem Oeffnen der Blume gilt auch bei Pflanzen, deren Blumen keine solche periodische Bewegungen Zeigen, und ist daher ein allgemeines Gesetz. le Baan 9) Die Blumenblätter sterben bei verhinderter Bestäu- bung der Narben langsam und stellenweise ab, (wie bei vielen Bastardbefruchtungen ,) und ein Petalum
verdirbt nach. dem andern; da sie bei der natürlichen Befruchtung alle auf einmal verderben. : i
10). Die
lina ist bei verschiedenen Blumen. verschieden kürzestens fünf, längstens aber neun Tage: ( lichen dauern selten länger als drei Tage.
absolute Dauer der Corolle der Lychnis vesper- zi
, und beträgt die der münn-
11) Die Stärke des Tageslichts. bestimmt den Eintritt des Tagsschlafs weniger, als die Tagszeit: jenes hat aber Ein, fluss auf die Dauer desselben: es wirkt als Reiz zur Verläus gerung des geschlossenen Zustandes, ETYM. 4
12) Die Zusammenziehung der Blumenblättehen bei Lychnis vespertina und Silene noctiflora äussert sich stärker und allgemeiner. und dauert länger bei heisser und trockener als bei kühler und feuchter Witterung, wobei doch auch Er- Schlaffung durch vermehrte unsichtbare Ausdünstung mitwirken mag. ($...30, Nro, 6); ‚indessen sind die. Blumen im. heisssen
32
Sonnenschein und bei trockener Witterung mit den Blättern nicht in gleichem Grade welk , wenn die letztere dursten. ‘Ein Temperaturwechsel von 4 bis S Graden hat keinen bemerk- baren Einfluss auf den Schlaf dieser Blumen, 13) Mehr oder minder feuchter Boden und Ueberfiuss an wässerigem Nahrungsstoff bewirkt keine Aenderung im Tagsschlaf der Lychnis vespertina 9 ; aber bei Regenwetter schliessen sich die männlichen Blumen öfters gar nicht: bei trübem Himmel und kühler Witterung ist die Zusammen- ziehung der Blumenbláttchen weniger stark, tritt langsamer ein, und dauert eine kürzere Zeit. Unter denselben Umstän- den öffnen sich im Gegentheil die Corollen von Potentilla, Cistus ` nieht vollkommen , breiten sich aber bei heissem Wetter und im Sonnenschein völlig aus: die Feuchtigkeit der Atmo- sphäre hat daher zwar einen entschiedenen Einfluss auf beiderlei Erscheinungen, doch vermag sie nicht Monai úr- sprünglich und für sich allein zu bewirken. l | In der zweiten Heihe von Beobachtungen wurden die Blumen der Lychnis vespertina 9 unmittelbar, nachdem sie sich aufgeschlossen hatten , sogleich mit Pollen von verschie- denen Arten bestäubt: um die Wirkung desselben auf die Be- - wegung der Blumenlappen und den Tagsschlaf dieser Pflanze zu erforschen. Hiebei muss aber bemerkt werden, dass sich die Griffel und Narben im nämlichen Zustande befanden, wie bei den Beobachtungen der vorigen Reihe: d. i. sie waren noch nicht conceptionsfähig, welches Vermögen sich vielmehr gewöhnlich erst 8 bis 10 Stunden nach dem Oeffnen der Blume zu entwickeln anfängt: da im Gegentheil die männlichen Blumen an einigen Antheren ihren Pollen schon vor dem Oeffnen der Blume von sich geben. (S. 31, Nr. 7). L Neun Blumen, welehe Morgens 7 Uhr unmittelbar _ nach dem Oeffnen mit dem eigenen Pollen künstlich bestäubt worden waren, zeigten am ersten und zweiten Morgen den Tagsschlaf: die Blumenblüttchen welkten aber am zweiten Tage gegen 3 Uhr Nachmittags und öffneten sich nicht mehr : Abends 7. Uhr waren sie verdorben. Die Sonne hatte diese
Zwei Tage über kráftig anf die Pflanz
e geschienen, wie bei den vorigen Beob
achtungen. Es erfolgten hierauf normale Früchte mit der gewöhnlichen Anzahl von Samen, nämlich 180 St, (die vollkommenste Capsel zählte 329 gute Samen). Zwei dieser Blumen fielen am vierten Tage unbefruchtet ab.
IL Neun Blumen wurden Morgens 7 Uhr mit dem Pollen der Lychnis diurna nur an der Spitze der Griffel bestäubt, weil der übrige Theil derselben noch in der Blumenröhre ver- | borgen war; Vormittags 11 Uhr trat der Tagsschlaf ein;
Abends gegen 4 Uhr fingen die Blumenblättehen wieder an langsam in ihre natürliche offene Stellung zurückzukehren. ‚Am zweiten Tage begannen die Blumen gegen 10 Uhr, einige erst gegen 11 Uhr, ihren Tagsschlaf , wobei die Blumenblätt- chen etwas weniger eng zusammengezogen waren, als am ersten Tage: die Griffel hatten sich über die Faux verlängert. Am dritten Tage waren die Griffel und Narben etwas missfar- big und eingeschrumpft: die Petala schienen in der Abnahme oder in mattem Tagsschlaf begriffen; Abends um 6 ‚Uhr waren sie eingeschrumpft und verdorben. am dritten Tage unbefruchtet ab: die übr von normaler Grósse und Vollkommenhe
guten Samen.
Ill. Unter sieben Blumen, w mit dem Pollen der Lychnis flos cucu hatte der Tagsschlaf bei dreien d fünften , bei zweien bis zum sech zum siebenten Tage, w nicht bestäubt worden
nur einen geringen Einfluss auf die Bewegung der Blumen- blättchen dieser Pflanze gezeigt. Nach diesen Bestäubungen i wurden grössere Verschiedenheiten sowohl in Beziehung auf
die Wirkung, als auch auf die Zeit, innerhalb welcher diese intrat, beobachtet, als nach den vorigen Bestäubungen. Die Griffel und Narben waren am Zweiten Tage nach der Bestáu- bung. soweit sie mit Pollen bedeckt worden waren, missfarbig
Seworden: aber mehr verlängert. Die Früchte erlangten ‚ GÄRTNER , Befruchtung der Gewächse. 3
Drei Blumen fielen
ipen gaben Capseln it mit 217 bis 281
elche auf gleiche Weise li bestäubt worden waren, enseiben Verlauf bis zum sten, und bei einer Blume bis ie bei denen der ersten Reihe, welche waren: d. i, dieser fremde Pollen hatte
34
nicht die normale Grösse; die Samen waren unvollkommen und eingeschrumpft, und kein einziger hat gekeimt; was uns jedoch in einem früheren Versuche im Jahre 1826 einmal ge- Jungen war. IV. Es wurden unter denselben Umständen, aber im Verlauf von acht Tagen, 27 Blumen mit dem Pollen der Agro- stemma Coronaria L. bestäubt. Diese Bestäubung hatte die gleiche Wirkung auf den Tagsschlaf der Blumen der Zychnis We 9, wie im vorigen Versuch : an einigen Blumen hórte er am vierten Tage auf: bei andern dauerte er bis zum fünften, und bei einigen hórte er erst am sechsten Tage ganz auf. Am zehnten Tage fielen sechs Blumen unbefruchtet ab, ` die übrigen 21 aber entwickelteu sich zu Früchten zum Theil von beinahe normaler Grósse , zum Theil waren sie aber auch bedeutend kleiner: mit einer müssigen Anzahl von Samen versehen, von 19 bis 125 St. , welehe dem äusseren Ansehen . ‚nach geringeren Theils vollkommen , grósseren Theils aber eingefallen und kleiner als die natürlichen waren ; keiner von allen diesen Samen konnte zum Keimen gebracht Ga V. Nach der Bestäubung der Griffel von 10 Blumen mit dem Pollen des Cucubalus viscosus L. (Silene viscosa Sp.) en- digte sich der Tagsschlaf am dritten Tage Abends mit dem Verderben der Blumenblättchen. Bei dem Tagsschlaf am- zweiten und dritten Tage schlossen sich die Petala nicht so enge und vollkommen als bei den nicht bestáubten Blumen. ` Die Griffel hatten sich noch etwas verlängert, und waren am zweiten Tage mit den Narben missfarbig geworden, soweit sie mit Pollen belegt worden waren. Von diesen 10 Blumen fiel eine nach dreien, zwei nach zehn Tagen ab: ohne ein Zeichen der Entwickelung des Fruchtknotens erfahren zu ha- ben; die übrigen sieben gaben Kapseln von beinahe normaler Grósse und. Vollkommenheit ; jedoch ungleich, einige mehr, ` andere weniger, mit vielen tauben und halbentwickelten,-aber auch unter denselben mit einigen vollkommenen Samen , wel- che gekeimt, und die normale Bastardpflanze Lycknicueylbahié albus geliefert haben.
35
Aus dem Erfolg dieser Versuche kónnen wir in Beziehung auf den Tagsschlaf der Zychnis vespertina 9 folgende Schlüsse ziehen: —
1) Dass der Tagsschlaf und die Bewegung der Blumen- blättchen vor der Befruchtung am lebhaftesten ist.
2) Dass das Missfarbigwerden und Absterben der Grif- eich und unmittelbar störend auf den
fel und Narben nicht sogl Tagsschlaf wirkt,
3) Die Befruchtung des Fruchtknotens äussert aber den
entschiedensten Einfluss auf deii Tagsschlaf dieser Blumen. 2) Diese Wirkung erfolgt um so schneller und bestimm- ter, je stärker die Wahlverwandtschaft der weiblichen Organe Zu dem bestüubenden Pollen ist: daher von der Bestäubung an mit dem eigenen Pollen in 30 bis 36 Stunden, mit dem
der Lychnis diurna in 60 bis 72 S
tunden u. s. w. die Bewegung aufhört, | ;
` Dn Die Bestäubung mit sehr entfernt verwandtem oder unwirksamen Pollen ist der Verhinderung der Befruchtung in ` Beziehung auf den Tagsschlaf analog: nur mit dem Unter- schiede, dass bei verhinderter Bestäubung diese Erscheinung
noch länger dauert, und die Griffel und N arben nach dem Ab-
welken der Blume sich etwas länger bei frischer Farbe erhal-
ten. Die Fremdbestäubung hat demnach doch eini geringen, Einfluss auf das Leben der Corolle, l 6) Der Tagsschlaf geht nach wirksamer Bestäubung der - Narbe unmittelbar in den Tod der Corolle über; denn indem sich diese, (wie auch bei den Malvaceen,) zum scheinbaren oder wirklichen Tagsschlaf geschlossen hatte, vermag sie sich nicht
mehr zu öffnen ; Sondern geht zuerst ins Verwelken und dann ins gänzliche Verderben über.
gen, aber
7) Das Licht und die Wärme der Sonne hat nur inso- ferne Einfluss auf den Tagsschlaf unter diesen Umständen, als ihre Abwesenheit die Befruchtung verzögert, und ihr Vorhan- denseyn dieselbe befördert. :
Diese Erscheinung der periodischen Bewegung der Blu- Menblättchen zeigen aber nicht blos die weiblichen Blumen
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36
der Lychnis vespertina, sondern auch die männlichen. Da diese Blumen aber gewöhnlich nach ihrem Oeffnen höchstens in drei Tagen unverdorben, bei heisser Witteruug aber häu- figer auch verwelkt und rn abfallen: so scheint hier ein etwas verschiedenes Verhältnis obzuwalten.
Um hierüber einige Aufklärung zu erhalten, haben wir zur Vergleichung des Ganges dieser sehn folgende Beobachtungen an den männlichen Blüthen der Lychnis ves- - pertina angestellt, besonders auch in Hinsicht auf den etwai- ` gen Einfluss der Bestäubung mit Pollen. Die Staubgefässe dieser Pflanze sind um den Zeitpunkt des Oeffnens der Blume gewöhnlich von verschiedener Länge, und zwei bis drei der- selben meistens länger und weiter entwickelt, als die übrigen gradweise verschiedenen: die Antheren dieser verlängerten Staubfäden sind meistens schon vor. der Blume geöffnet, und die übrigen folgen nach und nach in einmal- bis längstens drei- . mal 24 Stunden: hierin unterscheidet sich demnach das Ent- wickelungsverhältniss der Theile von der weiblichen Blume: indem sich bei dieser, (wie S. 32 gezeigt worden,) die Nar- ben mit der Conceptionsfähigkeit erst mehrere Stunden nach dem Oeffnen der Blume entwickeln.
An drei, in frischer Blüthe stehenden, in Tópfe gepflanz- ten und aus gleichem Samen zu derselbigen Zeit erzogenen Individuen wurden zu Verhütung einer móglichen Verwechs- lung alle geóffneten Blumen abgepflückt, und nur die Blumen- knospen stehen gelassen, welche am weitesten vorgerückt und dem Oeffnen am nächsten waren, 14 an der Zahl: diese
wurden mit Etiketten Nro. 1 bis 14 bezeichnet, und schienen mach äusserlichen Merkmalen in ganz gleichem Grade der
Entwickelung zu seyn: denn sie hatten Abends S Uhr (den 22. Juni) ihre noch cylindrisch gewickelte Petala gleich lang über die Kelchspitzen hervorgetrieben, und bedurften nur der Ent- faltung; um 9 Uhr Abends hatten sich auch alle Blumen. bis auf Nro. 4 und 10 geöffnet.
37 Den 23. Juni,
7 Uhr Morgens bei trübem Himmel waren fast alle Blu- men geöffnet bis auf Nro. 3 und 11 , welche halb geschlossen, und Nro. 4 und 10 noch gar nicht geöffnet waren: an jenen stáubten die 2 bis 3 längsten Staubgefásse, —
8 Uhr 30 Minuten. Nro. 3,
11 und 14 neigen sich zum Schliessen.
9 Uhr. Alle Blumen geschlossen: trüber Himmel.
1 Uhr Nachmittags. Matte Sonne bescheint die Pflanzen; im Schatten + 19° R. noch alle Blumen geschlossen: die Pe- tala von Nro. 4 und 10 mehr vorgeschoben.
3 Uhr 45 Minuten, öffnen.
Nro. 1, 3, $, 11 fangen an sich zu
4 Uhr 45 Min. Alle Blumen bis auf 4 und 10 halb ge- öffnet. (Leichtes Gewitter und Regen.) Die Pflanzen im Freien vor beidem geschüzt. ; E.
6 Uhr 15 Min. Alle Blumen bis auf Nro. 4 und 10 bei- nahe vollkommen geöffnet; diese noch conisch gewickelt. Stärkeres Stäuben der Blumen. |
6 Uhr 45 Min. Die Nro, 5, 6, 7, 12; 13 und 14 noch nicht ganz flach geöffnet, wie Nro. 1, 2, 3, 8, 9 und 11.
Den 24. Juni
6 Uhr Morgens. Nro. 3, 9 und 11 etwas zurückgeschla- gene Petala. Nro. 1, 2, 5, 6, 7, 8, 12 und 13 im Vigor ge- öffnete Blumen. Nro 14 zum Schliessen sich neigend.
|. 8 Uhr 45 Min. Im Schatten 4- 12,59 R. Nro, 3 und 11 die Petala zum Sehlaf etwas eingezogen, (einige andere diesen Morgen frisch geöffnete Blumen ebenso,) alle andern zeigen keine Neigung zum Schliessen, sondern sind noch flach ge- öffnet (alle Blumen eines im freien Lande stehenden und von der Sonne beschienenen Exemplars dieser Pflanze waren Schon um diese Zeit geschlossen). i |... 10 Uhr. Alle Staubfüden haben sich verlängert, sind aber noch ungleich; vermehrtes Stauben der Antheren. Nro. B 25 3, 4, 10 fangen an sich zu schliessen; Nro. 3 und 11
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geschlossen, die übrigen noch offen. Der Himmel wiederum trüb nach vorherigem Sonnenschein.
10 Uhr 45 Minuten im Schatten. Alle Blumen ge- schlossen, Nro. 8 ausgenommen. "
1 Uhr 30 Minuten. Nachmittags Sonnenschein. Nro. 8 geschlossen. Alle Blumen haben sich hente bei dem zwei- maligen Schliessen nicht wieder so eng zusammengezogen, ` als das erstemal: sie haben mehr das Ansehen welkender Blumen. `
6 Uhr Abends. In der Sonne + 25? R. Alle Blumen ` noch geschlossen; nur Nro. 5, 9, 12 und 13 haben an- gefangen, sich zu óffnen mit, vom Rande aus der Länge nach eingerollten, Lappen der Petalen.
(Die im Freien wurzelnden, seit einer Stunde im Schalten befindlichen Exemplare haben ihre Blumen noch nicht ge- öffnet und befinden sich in gleichem Zustande, wie diese noch ` von der Sonne beschienenen.) Ein Individuum dieser Versuchs- - pflanzen mit den Blumen Nro. 1, 2, 3 und 11 wurde in der Sonne gelassen: die andern zwei Exemplare aber in den Schatten gestellt, um den Einfluss der Lichtentziehung zu beobachten. | De:
6 Uhr 45 Minuten. Die im Schatten befindlichen Blumen Nro. 5, 9, 12 und 13 haben sich flach geöffnet: die anderen Blumen desselben Stocks hatten, wie die noch in der Sonne befindlichen Blumen Nro. 1, 2, 3 und 11 angefangen sich leicht zu öffnen.
7 Uhr Abends waren an dem, im Schatten befindlichen, Individuum alle Blumen bis auf Nro. 10 flach geöffnet. An den bisher von der Sonne beschienenen, nun aber nach deren Abzug ebenfalls beschatteten, zwei Exemplaren war nur Nro. 3 und 4 halb geöffnet, Nro. 1 und 2 aber noch im vorigen Zu- stande, nämlich zum Oeffnen sich neigend, |
7 Uhr 30 Minuten. Temperatur + 159 R. Nur Nro, 1 und 2 sind noch im Tagsschlaf, nämlich mehr als halbgeschlossen.
8 Uhr 30 Minuten. Nro. 2 nur flach geöffnet; Nro. 1 noch geschlossen, doch die Petala regelmässiger gestellt.
LI
1s Den 25, Junt. 6 Uhr I Morgens. Die Blumen alle weit geöffnet m" die Petala etwas gegen den Kelch in einem spitzigen Winkel
niedergebogen , so dass die Blume nicht mehr flach,
sondern in der Mitte erhaben erscheint.
| Alle Blumen haben stark stäubende Antheren: viele derselben haben verstäubt, und die
Staubfäden sich zu gleicher Länge entwickelt. S Uhr. Nro, 1 und 2 geschlossen; Nro. 4, anfangen- des Schliessen; alle anderen Blumen noch offen,
9 Uhr. Nro, 5 und 8 fangen an sich an den — zu rollen.
9 Uhr 30 Minuten. Nro. 7 rollt sich. :
11 Uhr 30 Min. 1n der Sonne alle Blumen geschlossen, aber unregelmässig, flatterig und weniger eng als bisher.
2 Uhr 45 Min. Nro 10 flach geöffnet und nur an den Spitzen der Lappen etwas eingerollt. -
5 Uhr 45 Min. Nro. 4 und 10 halb geöffnet.
6 Uhr. Nro. 4 und 10 völlig geöffnet; die Sonne im Mo- mente des Abzugs.
‚7 Uhr 15 Min. Nro. 9, 12, 13, 14 wieder halb Seam Nro. 1, 2, 3, 5, 6, 7, 11 nicht mehr geöffnet und verwelkt.
S Uhr. Nro, 4, 8,9, 10, 12, 13 und 14 unregelmässig und flatterig geöffnet: der Pollen dee verstäubt. `
Den 26. Inni.
6 Uhr Morgens. Nro. 4, 9, 10 verdorben; Nro. 1, 3, 5, 7, 11,13 und 14 die Kelche gelb und welk; Nro. 2, 6, 8 Sé 12 abgefallen.
Wir versuchten nun auch noch den Einfluss der Castra- ‚tion und der Aufhebung der Verstäubung der Antheren auf. den Tagsschlaf dieser Blumen. zu erforschen; in dieser Ab- Sicht haben wir fünf Blumenknospen von möglichst gleichem Entwickelungsgrade ausgewählt; drei dem Oeffnen nahe, und ‚zwei um einen Tag. weiter in der Entwickelung zurück als jene. Die Blumen waren alle noch eng geschlossen, und die Petalen Rpiraliseh in einander gewunden ; diese wurden mit
der grössten Schonung und Sorgfalt künstlich entfaltet und
die noch geschlossenen Antheren ausgebrochen , worauf die Lappen der Blumenblättchen in ihre vorige Lage zurückzu- bringen versucht wurden, so viel als es die Zartheit der Co- rolle. zuliess, ohne deren Lappen zu verletzen. Ungeachtet der Schwierigkeit der Ausführung dieser Operation hat sie doch die Uebung in diesem Geschäfte zu überwinden gelehrt, ohne. dass eine dieser Blumen einen sichtbaren Schaden ge- litten hätte. Am 28. Juni 1841 Abends 3 Uhr wurden alle - fünf Blumenknöpfe zu gleicher Zeit castrirt, und die Pflanze vor Regen geschüzt,
I. Den 28. Juni. S Uhr Abends. Die Blume geöffnet,
Den 29, Junt.
7 Uhr Morgens. Vollkommen geschlossen und im Tags- |
schlaf. 4 Uhr Abends, Anfangendes Oeffnen bei trübem
Himmel. , |
6 Uhr. Die Blume flach geöffnet,
Den 30, Juni,
7 Uhr Morgens. Die Petala weit geöffnet, und etwas . gegen den Kelch abgebogen; Regen. |
12 Uhr. Die Blume nicht geschlossen, flach geöffnet,
6 Uhr Abends, Die Corolle zurückgebogen gegen den Kelch, frisch und lebhaft,
Den 1. Juti,
9 Uhr Morgens. Die Blume frisch, nicht vollkommen ge- öffnet: kaum bemerklicher Schlaf,
1 Uhr Nachmittags. Bei trübem Himmel complet ge- schlossene Blume. | %
6 Uhr Abends, Die ganze Blume verdorben, abgefallen,
It,
| Den 28, Junni. 5 Uhr Abends. Die Blume schön geöffnet,
Den 29. Juni, SE 7 Uhr Morgens, Die Blume im beginnenden Schliessen. 9 Uhr. Im völligen Tagsschlaf, |
4 Uhr Abends, Anfangendes Oeffnen der Blume bei trübem Himmel.
7 Uhr, Die Blume flach geöffnet.
Den 30, Juni. 7 Uhr Morgens. Die Petalen weit geöffnet und etwas gegen den Kelch abwärts gerichtet; Regen, 10 Uhr, Unverändert. -12 Uhr. Nicht geschlossen.
4 Uhr Abends. Die Corolle offen, 6 Uhr. Die Blume lebhaft und flach geöffnet.
Den 1. Juli, 7 Uhr Morgens. Die Blume weit geöffnet.
9 Uhr. Die Petala frisch aber unordentlich gestellt, 4 Uhr Abends, pie ganze Blume bl
gerollten Lappen der Blumenblättchen. 6 Uhr, Die ganze Blume verdorben abgefallen,
IM,
Den 28. Inni, S Uhr Abends. Die Blume schón geöffnet,
ass, flatterig mit ein-
Den 29, Juni,
7 Uhr Morgens. Die Corolle im schönsten Vigor ge- Öffnet,
9 Uhr. Völliger Tagsschlaf,
4 Uhr Abends, Anfangendes Oeffnen der Blume.
7 Uhr 30 Min. Abends. Die Corolle flach geöffnet. "über Himmel, í
A
/
Meis. — — e = ^ mg cete: — = à | WEN
^"
Den 30, Juni.
7 Uhr Morgens. Die Blume weit geöffnet: die Petalen etwas gegen den Kelch abgebogen. Regen. |
8 Uhr. Unverändert,
12-Uhr. Die Petala noch mehr gegen den Kelch abwärts sehend,
6 Uhr Abends. Entschiedene Abnahme des Vigors,
| Den 1. Juli. 9 Uhr Morgens. Die Blumenblättchen unordentlich und flatterig. | 12 Uhr. Ebenso, etwas melir in der Abnahme. .6 Uhr Abends. Die ganze Blume verdorben und abge- fallen. .
IV.
Den 28. Iuni,
Diese und die folgende Blumenknospe waren, (wie oben `
bemerkt,) in ihrer Entwickelung um einen Tag gegen die vor- hergehenden zurück : der Kelch musste, um die Antheren ent- fernen zu können, geschätzt werden, was mit der äussersten `
Sorgfalt geschehen ist, ohne die Petalen zu entfalten.
Den 29. Juni, Ra
7 Uhr Morg. Die Blumenknospe noch eng geschlossen. _
4 Uhr Abends. Die Blumenblättchen schieben nach, sind aber noch in einander gewunden und fest geschlossen.
7 Uhr Abends. Die Corolle mehr vorgeschoben, und die
Petalen lockerer geworden.
Den 30. Juni, 7 Uhr Morgens. Die Lappen der Petalen aufrecht, locker aneinander anliegend, 5 Uhr Abends. Die Blume vollständig geöffnet, Den 1. Juli,
9 Uhr Morgens. Anfangender Tagsschlaf. 1 Uhr, Die Blume vollkommen geschlossen,
43
Den 3, Juti
7 Uhr Morg, Die Corolle vollkommen und schön geöffnet bei Regen und trübem Himmel.
12 Uhr. Die Blume scheint in der Abnahme,
5 Uhr Ab. Die ganze Blume verdorben; der Keleh welk.
V.
Den 38. Juni; ` Mit dieser Blum fahren,
e wurde ganz wie hei der von IV. ver-
Deu 29. Juni,
*? Uhr Morgens.
4 Uhr Abends.
aber noch . Petalen.
Die Blume noch ganz geschlossen, . Die Blumenkrone schiebt sich vor: ist
geschlossen mit Spiralisch gewundenen Lappen der
7 Uhr 30 Min. Die Blumenblättchen weiter entwickelt
und zum Oeffnen der Länge nach gelockert, etwas mehr als bei Nro, IV, gu |
Den 30, Juni,
7 Uhr Morg. Die La Schlaf gelockert und in ge her etwas weiter entwickelt als am vorigen Abend.
5 Uhr Abends. Die. Corolle vollkommen entwickelt; Regen und trüb den ganzen Tag.
ppen der Petalen wie beim Tags- rader Richtung ausstehend, und da-
Den 1. Juli, 9 Uhr Morgens, Anfangendes Schliessen der Corolle. 1 Uhr Nachmittags, Völliger Tagsschlaf. 9 Uhr Abends, Die Corolle völlig geöffnet.
Den 2. Juti,
7 Uhr Morg. Die Blume schön und v 19 Uhr. Neigung zum Schliessen. Ho Ä 9 Uhr Abends, Abnahme und flatteriger Zustand. der
ollkommen geöffnet.
Corolle,
44
Den 3. Juti.
7 Uhr Morgens. Die Petala ganz welk und ita orben air Kelch gelblich und welk.
Aus diesen Beobachtungen lassen sich nun folgende Schlüsse ziehen:
1) Die männlichen Blumen wie die weiblichen (S. 29 Nro. 1) haben bei (dem Anschein nach) vollkommen gleichen äusseren Umständen an ein und derselben Pflanze einen un- gleichen Gang des Tagschlafs in Hinsicht auf Anfang und Dauer : jede Blume hat daher in dieser Beziehung ihr eigenes von der allgemeinen Strömung der Säfte unabhängiges Leben und Safteireulation.
2) Die männlichen Blumen der Lychnis vespertina sind etwas kleiner und von zarterem Baue als die weiblichen: da- her der Zustand des Schlafs bei den erstern mehr einem er- schlafften und welken gleicht, bei diesen aber den Charakter einer thátigen Contraktion hat.
3) Das Leben der männlichen Blume ist von kürzerer Dauer, als das der weiblichen: es scheint diess ein allgemeines Gesetz bei dem dichogamischen Baue der Blumen zu seyn; denn alle männlichen Blumen vergehen oder fallen ab nach der Verstäubung des Pollens ; es ist uns nur ein einziges Bei- spiel, das des Arctopus echinatus (9), bekannt, bei welchem die männliche Blume wie die weibliche fortwächst, und sich zu einer scheinbaren Frucht ausbildet.
4) Der Schliessungszustand der männlichen Blumen ist | von kürzerer Dauer, als bei den weiblichen.
5) Die — der Entwickelung der beiderlei es schlechtsthätigkeiten ist bei den beiden Blumen verschieden: ` bei der männlichen Blume ist ein Theil des Pollens schon vor dem Oeffnen der Corolle reif, und fängt zu verstäuben an ; bei der weiblichen wird die Narbe erst nach dem Oeffnen der Blume conceptionsfáhig.
6) Die Bewegungsfähigkeit der Blumenblättchen der - männlichen Corolle tritt nach der begonnenen Verstäubung des Pollens ein; bei der weiblichen Blume fängt sie schon
45°
vor der vollständigen Entwickelung der Narbe an , und ist in
diesem Zeitpunkte am lebhaftesten (s. Reizbarkeil und Bewegung).
7) Die Bewegung der weiblichen Blume erfolgt r lichen. | l l 8) Beim Regen und kühler Wi die männlichen Blumen ïn viel geringerem Grade als die weih-
lichen: jene scheinen daher ungeachtet ihrer zarteren Textur einen geringeren Grad der Reizbar keit zu haben als die we
Lappen der Blumenbláttchen der egelmässiger als die der männ-
tterung schliessen sich
keit und Bewegungsfähig-
üblichen. 9) Die Castration scheint
nicht nur die allgemeine Dauer des Tagsschlafs
bei den männlichen Blumen abzukürzen: Sondern es scheint auch, wenn er sich eingestellt hat, weniger lang zu dauern, und die Schliessung der Blume nicht so eng zu geschehen, als bei den uncastrirten Blumen.
10) Die der freien Verstäubung überlassenen Blumen haben ein, wenigstens um 94 Stunden lünger dauerndes Leben, als die castrirten; die Bewegungen Sprechen sich bei jenen deutlicher aus, als bei diesen.
Gegen die Zuverlässigkeit der könnte man aus ver dieselben der
zwei letzteren Resultate schiedenen Gründen Zweifel
Verletzung der Blume über werden könnten, und der Versuch nur worden war. Die Castration dieser Blumen > welche zum Zweck dieser Untersuchungen nothwendig sehr frühzeitig und vor eingetretener Reife der Antheren geschehen muss ist allerdings sehr schwierig, und erfordert zu ihrer unmangel- haften Ausführung sehr viele Uebung und Geduld; daher der
vorhin angeregte Zweifel nicht ganz abzuweisen ist, und die | angegebene Wirkung der Castration noch weiterer Bestäti- Sung bedarf. Da wir aber von ähnlichen Castrationen bei an- deren Blumen auf die Haupterscheinung des Lebens derselben, nämlich auf die. Befruchtung, keine nachtheilige Wirkung er- fahren haben : $0 könnte man voraussetzen, dass diess auch hier der Fall gewesen seyn dürfte, Die obigen Schlüsse könnten
erheben: weil haupt zugeschrieben an zwei Blumen gemacht
46
a
daher so lange als richtig angenommen werden, his durch ` wiederholte und vermehrte Versuche die wirkliche Táuschung nachgewiesen würde. ñ
Bei dem gewöhnlichen Gange dieser Erscheinung an den Blumen der Siene noctiflora öffnen sich die Antheren im Tags schlaf: die vollkommene Bestäubung der Narbe erfolgt beim. Oeffnen der Blume zur Abendzeit; sie schliesst sich wieder den andern Morgen gegen 7 Uhr, und öffnet sich dann nicht ` mehr. Die Petala dieser Blume schienen uns empfindlicher gegen das Sonnenlicht zu seyn als die der Lychnis vespertina: Silene gigantea , viscosa und nutans.
Auf diese Weise zeigt sich der Tagsschlaf bei den reinen - Arten: es schien uns von Interesse zu seyn, auch den Einfluss der Bastardverbindung derselben Arten auf diese Erschei- nung bei den Hybriden zu beobachten. l
Auf die Blumen der Zychnis vespertino-diurna Q übt die Sonne einen entschiedeneren Einfluss aus als auf die Zychnis vespertina 9.. In der Sonne war bei + 22? R. Vormittags 11 Uhr nur wenig von dem Tagsschlaf der Mutter zu bemerken: indem sich die Coroll-Lappen etwas Weniges am Rande der Länge nach gegen die obere Fläche umwandten: die Blumen blieben dabei halb geöffnet, Dieser Tagsschlaf dauerte nur 3 Stunden; die Blumenblättchen öffneten sich um 2 Uhr wie- der im Sonnenschein bei + 25° R., und zeigten am folgenden Tage kaum noch ein leichtes Zeichen dieser Bewegung. ` Die Bestäubung der Narben mit dem älterlichen Pollen (der Zych- - nis vespertina oder diurna) Dags die Blume in 30—36 Stunden welken.
Bei dem Zychnicucubalus albus ist der Tagsschlaf daag , licher zu bemerken, als bei der vorigen Art. Die Lappen der Blumenblättchen schlagen sich viel stärker ein; so dass sich die Blume ganz schliesst: nur mit dem Unterschiede, dass Rich die Lappen nicht wie bei Lychnis vespertina der käng nach, sondern wie bei Cucubalus viscosus L. von der Spitze zur Faux aufrollen; zwischen 4 und 5 Uhr Abends öffnen sie Sich wieder pálikeuhhen: Der Tagsschlaf wiederholt sich
47
bei dieser Pflanze täglich bis zu ihrem Verwelken ; welches am fünften bis neunten Tage erfolgt: fruchtbar ist.
Die Blumen des Zyehnicucubalus ruber zeigen bei starker Einwirkung der Sonne, wenn die Pflanze im freien Lande steht, den Tagsschlaf in einem geringeren Grade als der Cucu- balus viscosus L.: indem in dieser Hybride die Natur der Lychnis diurna 9 sich mehr geltend gemacht hat. Beitrübem -
Himmel und im Topfe im Schatten wird an diesen Blumen kaum eine Veránderung wahrgenommen,
Die Hybride Lychnis diurna 9 — Silene noctiflora d hat von
väterlicher Seite den Tagsschlaf in einem ausgezeichneten
Grade erhalten; von Morgens 9 Ühr bis Abends 5—6 Uhr
glaubt man die ganze Pflanze, besonders aber die Blumen, vollkommen welk ; dann aber erwacht und belebt sich die ganze Pflanze wieder. aufs neue. Bei feuchter trüber. Witterung Spricht sich dieser Wechsel an der Pflanze weniger stark aus: indem der Erschlaffungszustand nicht den hohen Grad er- reicht, wie bei heisser trockener Witterung. Diesem Tagsschlaf ist der, in dem Gewächsr ders aber bei den Blumen, viel háufiger vorkommende, Nacht- schlaf analog. Sehr viele Blumen schliessen sich mit der nei- genden Sonne, um am folgenden Morgen sich mit erneuter Schönheit und Pracht wiederum zu öffnen; z, B. viele Mal- vaceen, mehrere Leguminosen, Syngenesisten, einige Poten- tillen, Liliaceen u. s. w. Es werden hierin mehrere Verschie- . denheiten, sowohl in Hinsicht der Zeit als der Dauer, selbst bei den verschiedenen Arten einer Gattung beobachtet; so z. B.
bei Potentilla, Geum u. s. w. Die Blumen und Fruchtstiele von
indem sie total un-
eiche, beson-
Geum urbanum und strietum Avr. neigen sich Abends, und he- ben sich am andern Morgen wieder in ihr Stellung: diese Bewegung hör
die Frucht der Reife schon nähert, und der Stiel mehr ver-
holzt wird, — In dem Nachtschlaf der Blumen schliesst sich
e perpendieuláre t erst alsdann auf, wenn sich
die Corolle meistens fester als
bei dem Tagsschlaf; sie faltet Sich mannigfach,
meistens aber wieder so, wie sie früher in
dei Knospe gefaltet war. Dieser Contractionszustand ist bei manchen so fest und enge, dass die Blume ohne Beschädigung nicht entfaltet werden kann; bei anderen aber auch lokerer, wie bei den Cichoraceen; der Nachtschlaf der Blumen ist da- her wie der Tagsschlaf nicht bei jeder Pflanze, bei welcher der eine oder der andere beobachtet wird, ein Erschlaffungs-; sondern bei manchen ein kräftiger Contractionszustand.
Diese beiden Erscheinungen, der Tags- und der Nacht- schlaf der Blumen, haben in Hinsicht ihrer äusseren Form eine grosse Aehnlichkeit mit einander; in Beziehung auf die Zeit- Verhältnisse weichen sie aber sehr von einander ab; es fragt sich daher: ob sie dieser Verschiedenheit ungeachtet dennoch . aus einer Quelle fliessen, und beiden die nämliche Ursache zum Grund liegen kónne? |
- Bekanntlich wurde der Nachtschlaf der Pflanzen äusseren Einflüssen, besonders aber der Abwesenheit des Lichts zuge- schrieben, welche Meinung durch ps Canvorrr’s Versuche (*) ein besonderes Gewicht erhielt. Diesen Untersuchungen lagen aber nur die Erscheinungen des Naebtschlafs zum Grunde. Aber sowohl Hensener (8) als auch Durrocner (°) finden keinen wesentlichen Unterschied zwischen ihm und denr Tagsschlaf; indem beide auch die nächtliche Stellung der Blät- ter mit dem Tags- und Nachtschlaf der Blumen identificiren, Es scheint uns aber noch nicht ausgemacht zu seyn, dass diese Bewegungserscheinungen identisch sind: denn 1) ist der Schlaf der Blumen mit dem Schlafe der Blätter nicht immer verbunden, oder umgekehrt: wie wir hei Mirabilis, Lychnis ve- sperlina, einigen Arten von Potentilla u. v. a. finden, bei wel- chen zwar an den Blumen, an den Blättern aber keine Schlafs- bewegung wahrzunehmen ist; den umgekehrten Fall haben wir an einigen Arten von Hibiscus beobachtet, deren Blätter einen sehr auffallenden Nachtschlaf zeigten, deren Blumen sich aber nur wenig oder gar nicht verändert hatten. 2) Hat in Hinsicht der Bewegungserscheinungen zwischen den Blättern und den Blumen auch in anderen Verhältnissen keine solche enge Verbindung statt; indem z. B. bei Hortensia mutabilis `
Volkameria fragrans u. a; die Blätter vor den Blumen wel- ken; wein die Pflanze durstet ; bei Petunia, Mimülus, Althaea, Lavatera thuringiaca , Cucumis sativús u. a. aber welkt beim Dursten die Blume vor den Blättern. PUG
— Dass dem Lichte, der Wärme und der Feuchtigkeit, als den Hauptagentien alles vegetäbilischen Lebens, auch bei diesen Erscheinungen ein entschiedener Einfluss eingeräumt werden muss, zeigen nicht nur die Untersuchungen unserer Vorgänger, sondern es beweisen es Auch unsere, im Vorher-
gehenden mitgetheilten, Beobachtungen. Wenn wir ‘Aber
den grossen Unterschied ; welcher bei den verschiedenen Ai: ten von Pflanzen , und s
elbst bei den einzelnen Blumen eines und desselben Individuums ; Sowohl in Hinsicht der Eintritts- zeit, als der Dauer unter den gleichen äusseren Verhältnis- . Sen beobachtet wird, in Betrachtung ziehen: so ist nicht in Abrede zu stellen, dass sowohl bei den genannten Verschie- denheiten , als auch bei dem Tags - und Nachtschlaf der Bhu- men weder Licht, noch Wärme , noch Feuchtigkeit einzeln oder vereinigt diese Wirküngen für sich dern dass jene Einflüsse mehr die Gra derselben bestimmen, welche vielmehr Modi5cationen dieser Erscheinungen gesucht werden müssen, Die be erwähnten atmosphärische men ergibt sich auch mo nahme der Lebhaftigkeit und Bewegung). au Wenn wir die Umstünde betrachten, unter welchen der Tags- und der Nachtschlaf bei den Pflanzen eintritt , So er- geben sich bedeutende Verschiedenheiten, Den Tagsschlaf zeigen verhältnissmässig nur wenige Pflanzen, Er tritt ein bei wachsendem Licht und Zunahme von damit vermehrte Ausdünstung und Aüshauc Stoffras verbunden : mit de Sich diese Umstände, einem grösseren Thei
GÄRTNER , Befruchtung de
hervorbringen ; son- de als die Entstehung > wie der Grund der ; in der Pflanze selbst dingte Wirkung der oben: n Agentien auf den Schlaf der Blu- ch aus den Erscheinungen der Ab- der Blume überhaupt (s. Heizbarheit
,
Wärme, es ist hung. von Sauer- m Abzug des Tagsschlafs vermindern Der Nachischlaf wird im Gegentheil bel le der 'Gewächse angetroffen ; er begiuiüt
r Gewáclise. i 4
bei abnehmendem Licht oder schon eingetretener Finsterniss, bei verminderter Lufttemperatur, und die Pflanze haucht | kohlensaures Gas aus neben verringerter Ausdünstung. . Mit der Endigung des Nachtschlafs kehren die obigen physikali- schen Verhältnisse bei der Pflanze wieder zurück. Diese beiden Zustände sind demnach einander offenbar entgegengesezt, und der Tags- und Nachtschlaf steht mit diesen allgemeinen Lebenserscheinungen der Gewüchse in keiner unmittelbaren Verbindung; eben. so wenig kann er durch ein gemeinschaft liches. äusseres Moment bewirkt werden. Beiderlei Erschei- nungen. sind von der Befruchtung abhängig, weil das Leben . der Corolle überhaupt derselben untergeordnet ist; diese Be- wegungen der Blumen stehen daher mit dem inneren Lebens- ` process der Gewüchse und der regelmüssigen Strómung der Säfte nach entgegengesezter Richtung in näherem Zusammen- hange, wodurch ein erhöhter Grad der Lebensthütigkeit der Blume erzeugt wird, wovon aber der engere Zusammenhang mit der Befruchtung ebenso wenig klar ist, als die Brunst bei den Thieren,- aio. ah | Durrocher (19) war bemüht, den Schlaf der Blumen durch anatomische Zergliederung aufzuklären; er hat den Mechanismus: dieser Bewegungen bei ein paar Pflanzen von einer gewissen Seite beleuchtet; Mıicurr (1!) hat aber die Unzulänglichkeit dieser Erklärungsart nachgewiesen (s. unten Reizbarkeit und Bewegung). i i TnmcumETTc (1?) will den Grund. der Verschiedenheit dieser Erscheinungen beiden Pflanzen theils im Vor handenseyn von Gefässbündeln eigener Art in dem luvolucrum der Blumen, theils in den Spaltöffnungen. finden; indem er sagt: dass die wenigen Blumen mit Spaltöffnungen wie Mirabilis ~ Cereus grandiflorus, serpentinus sich des Abends. öffnen; weil sich dann. die Spaltöffnungen schliessen, und: der Nahrungssaft eine Anschwellung hervorbringe; die meisten anderen Blu- men aber, welchen die Spaltóffnungen fehlen, sich bei Tag öffnen wegen. des Safttriebs durch Licht und Wärme. Der Gegenstand bedarf daher noch weiterer Nachforschung
-n e
-
21
da dieser Grund | bei Stattfinden kann. `
der Corolle der Caryophylleen nicht
Mit dem Tags - und dem Nachtschlaf der Blumen hat die Abnahme. des Vigors der Corolle bei manchen Gewächsen so viel Uebereinkommendes, dass der Uebergang vom Schlaf
ins Verderben derselben häufig nicht zu erkennen ist: indem
es ófters mehrere Stunden unentschieden bleibt, ob die Blume noch: im Schlafe begriffen
; oder ob ihre Bestimmung erfüllt ist; die Contraction geht in diesem Falle in die Erschlaffung über. Diese Lebensabnahme der Corolle tritt bei den aller- meisten Blumen des Abends bei neigendem Tage ein, und er- folgt auch bei trübem Himmel, wenn die Sonne nicht auf die Pflauze geschienen hat, obgleich die Sonnenwärme das Ver- derben der Corolle beschleunigt. Von dieser allgemeinen Regel bemerkt :man aber zuweilen auch Abweichungen: so sieht man manchmal des Morgens vor dem Eintritt der Sonne Blamen schneli abfallen, nachdem die Corollen kurze Zeit zuvor noch fest am Fruchtknoten gehaftet hatten. Zur Nacht- zeit haben wir gewöhnlich einen völligen Stillstand in der Veränderung bemerkt , welcher die Corolle mit dem kommen- den Morgen schnell entgegengeht,
Die Abnahme der Lebhaftigkeit der Blumenkrone und ihr Vergehen erfolgt unter verschiedenen
meistens bei ganzen Familien sich gleich bleiben. Selten er-
hält sich die Corolle nach vollbrachter Bestimmun Form unverändert
Gestalten, welche
g in ihrer ; indem sie bloss ihr lebendiges frisches Aussehen und ihre gesunde Farbe verliert: diess ist bei man-
chen Blumen der Fall, bei welchen der Kelch die Krone er- Sezt. In anderen Fällen geht sie von dem anscheinenden
Schlaf (wie schon bemerkt) ins wirkliche Verderben über mit langsamer Veränderung der Farbe und des Turgors, z. B. bei den Malvaceen , mehreren Caryophylleen. Bei vielen anderen Pflanzen wird die Blume bald welk , schrumpft unordentlich zu- Sammen und verdorrt an der werdenden Frucht, z. B. bei vielen 4 guminosen;Cruciaten, Lobeliaceen, mehreren Caryophylleen,
"mpanulaceen , Liliaceen , lrideen u. s. w. Endlich bei einem S ` A *
32
sehr grossen Theile der Gewächse löst sich die Blumenkrone; bald verdorben, bald aber — und zwar sehr häufige — noch frisch und unverändert von der Insertionsstelle ab: z. B. bei den Canneen, Pomaceen, Myrtaceen, Rosaceen, Papaveraceen, Ranunculaceen, z. B. Potentilla, Geum, Aquilegia , Delphinium! vielen Monopetalen wie den Labiaten, Serophularien, Prit | mulaceen , Rhinantheen , Solanaceen u. v. a. : indem der Rand der abgetrennten frischen Blume (Corolle) braun und abge- | storben ist, die entsprechende Stelle des Anthophorums aber sich gewöhnlich noch ganz frisch zeigt. Zuweilen trennt sich die Corolle mit einem Theil des Kelchs vom Ovarium los; wie bei Datura. Ueberhaupt findet man in dieser Hinsicht viele Abünderungen bei den Pflanzen, welche noch einer ge- naueren Untersuchung bedürfen. Zugleich ist noch zu be- merken, dass hiebei sehr viel von warmer trockener Witte- rung und einer schnellen und vollständigen Befruchtung abhängt. in den Lebensverhältnissen der Blumenkrone ist die Betrachtung ihrer Dauer von besonderer Wichtigkeit; weil sich aber die wahre Bedeutung der Corolle erst durch die Be- fruchtung kundgibt, und ihre Lebensdauer vorzüglich von ` dieser bestimmt wird, wie wir oben bei der Aufzählung der Erscheinungen und Einflüsse auf den Schlaf der Blumen vor- läufig gezeigt haben, so kann nur von ihren allgemeinen Beziehungen und von derjenigen Dauer der Corolle im Be- sonderen die Rede seyn, welche sich ergibt, wenn die Befruchtung der Blume verhindert wird, was wir oben die absolute Dauer der Corolle genannt haben. | Es ist eine allgemeine Thatsache, dass die Blumen län- ger dauern, wenn sie nicht befruchtet werden, wie auch die obigen Versuche mit der Lychnis vespertina zeigen; diese Dauer ist aber weniger bestimmt , als die nach stattfindender Befruchtung. Nach den oben erwähnten Beobachtungen ist die absolute Dauer der Corolle der Lychnis vespertina in den | verschiedenen Blumen desselben Individuums 5 bis 9 Tage, Lychnis diurna 6 — 10 Tage, Lychnis Flos Cuculi 14 — 17 "Tage, Dianthus superbus und barbatus 5 —7 Tage, Nicalianà
53
rustica 5—7 Tage, Delphinium Consolida 12—16 Tage, Po-
tentilla anserina 10 —12 Tage, Lilium Martagon 8—10 Tage,
Mimulus cardinalis. 5—6 Tage, Malva bei Einwirkung kräf-
tiger Sonne 24 Stunden, ausserdem 2—6 Tage u.s. w, : -Wir könnten‘ noch eine lange R
anführen, diese werden aber bi
Factum zu erweisen.
ichem Entwicke- » oder bei gleicher Lebens- den (s, Tagsschlaf S. 29, Nr. 1); dieser Unter- wie wir weiter unten sehen werden, nach der Befruchtung weit nicht so bedeutend hervor, indem nach ihr
eine viel schärfere Begränzung der Lebensdauer der Blumen- krone sichtbar ist,
lungsgrade ihrer inneren Theile fähigkeit befin schied tritt,
Von dieser allgemeinen Regel haben wir aber auch einige Abweichungen beobachtet, indem die Blumenkrone bei eini- gen Gewächsen ihre absolute Dauer unverándert behält ,: die Blumen mögen befruchtet seyn, oder unbefruchtet bleiben,
2.B. Potentilla argentea und nepalensis werfen befruchtet oder unbefruchtet ihre Petala in 36
Falle welkend Potentilla ans
—48 Stunden ab, im ersten ; im andern Falle frisch und unverdorben: bei
erina, argentea , replans und verna in 10—12 Stunden. Die Blumen mehrerer Caetu
wenige Stunden, sie mögen befruchte seyn; die Tigridia und einige andere Liliaceen schliessen ihre Blumen nach 6—10 Stunden wieder auf immer, sowohl be- fruchtet als unbefruchtet. Im Gegentheil haben wir bei Zych- nis vespertina 9 Caber nur ein einziges Mal) und an einigen fruchtbaren Bastarden, z. einzelnen Blumen halten gesehen
s-Arten dauern nur t, oder unbefruchtet
B. Dianthus barbato-japonicus, in die Petala sich frisch und unverdorben er- » obgleich das Ovarium sich Schon bedeutend vergrössert hatte: einige total unfruchtbare Bastarde dagegen, Wie Lychnicucubalus albus, Nicotiana maerophyllo - glutinosa,
Icotiann quadrivalvi - marylandica, hielten durch die Bestäu- Pung der Narben mit elterlichem Pollen diese Blumen länger
54
frisch, als diejenigen, die nicht bestäubt worden waren. Hie- mit stimmt auch Koppes ( 13) überein.
Die Corollen der männlichen Blumen der Dichogamen haben eine kürzere Dauer als die weiblichen derselben Art (s. Tagsschlaf S. 44, Nro. 3), in der Regel fallen die ganzen Blumen nach der Verstáubung der Antheren ab, z. B. bei Mercurialis annua in 1—3 Stunden, bei- Lychnis diurna und vespertina bei warmer Witterung zuweilen schon in 12—24 Stunden nach dem Oeffnen der Blume; bei trüber regneri- scher Witterung verderben die Blumen dieser lezteren Arten erst nach 2—3 Tagen, um dann abzufallen. -
Wie auf alle Lebenserscheinungen der Blume, so übt die Sonnenwärme, Trockenheit und Feuchtigkeit einen sehr grossen Einfluss auch auf die Dauer der Corolle aus; es ist eine allgemeine Erfahrung, dass die Blüthe der Gewächse bei heisser, sonniger und trockener Witterung schneller vor- übergeht, als bei trübem , feuchtem und kühlem Wetter; anch dauern die Blumen bei eingeschlossener feuchter Luft viel länger, als unter freiem Himmel, wie diess auch schon Tr. De Saussure (+4) durch besondere tege dargethan hat.
In vielen Fällen richtet sich die Dauer der Blume nach der Dauer der Pflanze: baum - und strauchartige Gewüchse haben länger dauernde Blumen und Corollen als krautartige, ` und perennirende Arten dauerhaftere Blumenkronen als ein- jährige, wie sich diess sehr deutlich an den verschiedenen Arten von Verbascum, Nicotiana, Dianthus, Lobelia u.s. w. kund gibt.
Aus dem Zustande der Farbe der Blumen beurtheilen wir grósstentheils ihren Vigor. Es dient dieselbe daher nicht bloss zum äusseren Schmucke, sondern sie zeugt zugleich auch von ihrem genauen Zusammenhange mit dem inneren Leben der Pflanze, wie diess auch noch aus der Thatsache zu erhellen "m dass z. B. bei Verbascum die Bastard- ` befruchtungen unter Arten mit Blumen von gleicher Farbe, z. B. weiss mit weiss, gelb mit . gelb, leichter anschlagen, und fruchtbarer sind, als Verbindungen von verschiedenen Farben der Blumen.
55
H
Eine mit dem Oeffnen der Blumen hervortretende Er- Scheinung ist unter andern auch der Geruch; wie oben ange- zeigt worden; denn die meisten Blumen, welche nicht be- sonders gewürzhaften Familien angehören, haben in der Knospe keinen oder wenig, oder auch einen.
> von der offenen Blüthe verschiedenen Geruch; weil er sich bei sehr vielen
Blumen nur allein oder doch vorzüglich aus der inneren DIS. ehe derselben entwickelt, 4
Mehrere Pflanzenphysiologen suchen den Ursprung des
Geruchs der Blumen in den Staubgefässen und besonders in dem Pollen: so findet vox Górag (15) die Meinung, dass Farbe und Geruch der Blumenblätter der Gegenwart des männ- lichen Samens in denselben zuzuschreiben sey, sehr wahr- scheinlich: Hxxscmr, (19) bringt den Geruch ‘der Blumen mit der Verstáubung des Pollens in ursächlichen Zusammenhang, und stützt sich besonders darauf (17), dass die weiblichen Blumen des Triplaris americana keinen Geruch besitzen, während die männlichen Blumen dieser Pflanze damit begabt Segen, C. H. ScuuLTZ (18) schreibt dem Pollen den Ursprung des Blumengeruchs allein zu; indem der Geruch der Kätzchen der Amentaceen , Coniferen, Linden u, s. w. bei dem Man- gel an Blumenkronen allein durch den Pollen bedingt sey. BrAnpes (19) endlich versichert, dass die Blumen des Lilium album ihren Geruch verloren hätten, nachdem die Antheren daraus abgenommen worden seyen, " à;
| .. Mit diesen Meinungen und An
gaben stimmen unsere Er- fahrungen nicht überein: denn :
1) sind bei gleicher Anzahl der Staubgefässe und gleich grossem Pollenapparate nur einzelne Arten einer Gattung mit
duftenden Blumen versehen: z, B. bei Reseda, Rosa, Dian- thus, Lathyrus nx a
7.3) In den meisten Fällen haben die Blumen einen, von
dem des Pollens ganz verschiedenen , Geruch (s. unten beim Pollen).
9 Mehrere weibliche Diöeisten haben denselben Geruch
i
wie die männlichen Blumen derselben Art :..so fanden wir die weiblichen Blumen der Lychnis diurna und vesperlina des: Abends mit dem gleichen Geruch begabt, wie die männlichen. Die männlichen Kätzchen der Saliz caprea und purpurea haben. zwar einen ‚stärkeren und länger dauernden Wohlgeruch als die weiblichen: der Geruch dieser ist zwar schwächer „aber des Morgens in der Sonne bei eintretender Conceplionsf ühig- keit von der gleichen Art, wie der der männlichen Kätzchen, indem er des Abends wieder verschwindet.
. 4) Wenn wir auch den Geruch ganz gefüllter Blumen, z. B. der Hyacinthen, Levcojen, Rosen, Nelken u. s. w., welche weder Verstäubung des Pollens noch überhaupt Stanbeofäsug haben, nicht in Betrachtung ziehen wollen: indem man be- haupten könnte , dass die metamorphosirte und in Petala ver- wandelte Staubgefässe ihre innere Natur dennoch beibehalten hätten: so haben wir gegen die obige Beobachtung: von BrAN- DES nach unseren sehr oft wiederholten frühzeitigen Castratio- nen von Matthiola, Verbascum, Dianlhus, Primula, Datura, Petunia u. a, niemals eine Abnahme, noch weniger aber eine günzliche Vernichtung des eigenthümlichen Geruchs der Blu- ` men.von dieser Operation wahrnehmen kónnen.
5) Ebenso wenig fanden wir den Geruch der m von Primula auricula und veris : Matthiola annuas Dianthus ca- ryophyllus , plumarius und superbus: Verbascum. phlomoides und /Aapsiforme, mit ganz contabeseirten Staubgefässen jemals verringert. Wir haben sogar bemerkt, dass Blüthen des Ver- bascum phlomoides und Ihapsiforme , denen die Corollen sammt den Staubgefässen abgezogen waren, ihren Wohlgeruch, aber in geschwächtem Grade, noch einige Zeit beibehalten hatten.
6) Die Stärke des Geruchs der Blumen steht in keinem Verhältniss mit den Stanbgefässen und dem Pollenapparate: hievon zeugen viele Beispiele, unter anderem vom angeneh- men Geruch, z.B. Lilium album, Polyanthes tuberosa, Jasmi- num offi icinale u, s. w. vom hässlichen ris foetida, Crataegus monogyna. Dann gibt es viele Pflanzen , deren Blumen bei einem. nicht. unbedeutenden Pollenapparate geruchlos. sind,
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EB. mehrere Leguminosen, Amentaceen , Coniferen, Cacteen H. S, w. RÄ 24h. ;
Dass die Staubgefásse an. dem Geruche mehrerer Blumen theilnehmen, ‚wollen wir damit nicht bestreiten : auch der Geruch beim Crocus beinahe fässe und Filamente verwiesen ist, Der der báufig stattfindenden. Verbindun nisation der Staubfáden:und der
Endlich ist bei Kämprer (28 wo das , die Geruchsemanation.]i zige kleine Stelle der Blume bes des spornfórmigen Fortsatzes de Art des Epidendrum) sich befinde abgeschnitten wird loren geht,
Bei der Calla aelhiopica ist der Sitz des Wohlgeruchs nur im. Spadiz, denn. die Spatha: hat, wenn. der Spadix ausge- schnitten ist, keinen oder wenigstens einen sehr schwachen, sehr bald vergänglichen Geruch: bei jenem erscheint der Ge- Tuch. sogleich mit dem Oeffnen der Spatha, 4,.ja zuweilen 6 Tage vor. dem Oeffnen der Blümchen und der der Antheren,
wie dann ganz in die Staubge- Grund hieyon mag in g und gleichartigen Orga- Corolle liegen. id
) ein Beispiel aufgezeichnet, efernde, Organ auf eine ein- chränkt ist, die an der Spitze r Pflanze Kalong-Ging (einer LG en dass, wenn diese Spitze ; der Geruch der Blume sogleich ver- .
Dehiscenz mit deren "Vermehrung. er. wächst , mit der Abnahme des Vigors aber wieder abnimmt, und mit der voll- brachten Verstüubung: ganz verschwindet. Auf gleiche Weise stellt sich bei Dianthus, Matthiola, Primula der Geruch h einen und mehrere Tage vor der da aber die Staubgefásse gewöhnlich zu gleicher Zeit mit der . Corolle ihr Leben schliessen, -welches mit der geschehenen Befruchtung -des Ovariums zusammenfállt, so vermindert Sich der Geruch mit dem abnehmenden Vigor der Blume, in- dem er sich nach geschehener Befruchtung und geendigtem
Een, der Blume. verliert , womit auch die Nektarabsonde- Yung aufhört, |
áufig Dehiscenz der Antheren ein:
Aus diesem Allem scheint. uns zu erhellen, dass, da ‘e Geruchsemanation aus den Blumen der Pflanzen keinem Plazelnen Organe. derselben. ausschliesslich zukommt, also
die
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auch die Staubgefásse, und im Besonderen der Pollen S nicht |
die wahre Quelle des Geruchs der Blumen sind, sondern dass
diese Emanation mit dem ganzen Akte der Befruchtung und. mit der chemischen Constitution in der Blüthe in genauer Ver- bindung steht: indem sie in manchen Fällen ein Ersatz für `
die Honigabsonderung zu seyn und mit dieser zu alterniren
scheint. Es ist aber der Sitz und das Vorhandenseyn des Ge-
ruchs in den Blumen (und Früchten) der verschiedenen Pflan-
zen so manchfach und unstät, dass wir kein Gesetz über
sein Vorhandenseyu in diesem oder in pun Theile zu ent- werfen vermögen,
Wenn auch der Geruch mit der Farbe der Blumen bei
manchen Gewächsen in Verbindung stehen mag : indem man z, B. mit der weissen Farbe die stärksten angenehmen Ge- rüche coéxistirend findet, z. B. Citrus medica, C. aurantium, Magnolia grandiflora , Jasminum officinale, Philadelphus coro- narius, Robinia pseudacacia, Mesua ferrea, Cactus grandi- florus, Lilium candidum , Narcissus und so vieler anderen: oder auch einen sehr hässlichen wie Crataegus monogyna > so ist diess doch nicht allgemein: indem es nicht nur sehr viele
d
weisse Blumen gibt, welche entweder gar keinen, oder nur
einen schwachen Geruch besitzen; sondern auch im Gegen- theil Varietäten mit weissen und blassen Blumen anderer Ge- wächse einen schwächeren Geruch haben als die satter ge- fárbten, besonders solcher, welche eine rothe Grundfarbe
haben, wie z. B. Dianthus caryophyllus , Primula auricula,
Matthiola, Rosa u.s. w. Seltener ist mit der gelben Farbe der Blumen ein starker oder ausgezeichneter Geruch verbun- den, z. B. bei Ranunculus , vielen Leguminosen, Cruciaten u.s. w. Doch haben wir an Jasminum fruticans, mehreren
Verbascum-Arten sehr wohlriechende Blumen, deren weisse
Varietäten im Gegentheil sehr wenig Geruch besitzen. Es wird hinreichend seyn, diesen Gegenstand zu ferneren Unter- suchungen hier angedeutet zu haben. | Ze
| Die Ausströmung der Geruchspartikeln aus den Blumen und ihre Vermehrung und Verminderung ist in den meisten
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Pflanzen einem periodischen Wechsel unterworfen, Im Allge-
meinen fanden wir sie Morgens am schwächsten (dem Zeit-
punkte, wo der Pollen gewöhnlich verstáubt) des Abends
und bei Nacht am stärksten ; so dass viele Blumen , welche
Morgens und den Tag über keinen, oder nur einen schwa- chen Geruch Zeigen, Abends und bis um Mitternacht einen starken Geruch verbreiten, z.B, Calla aethiopica, Lonicera Peri- climenon , Caprifolium u, s. W., Petunia, Lychnis diurna, ve- spertina , Hesperis ?nodora, Gardenia, Rothmannia ( 2 1) u. s. w. Schon ältere Naturforscher, wie BARTHoLáINUS (22) und Sir- GESBECK (?3) haben hierauf aufmerksam gemacht, und H. Monnzx (?*) hat diess durch neuere Versuche bestätigt. An einigen Arten von Verbascum, z. B. phlomoides und thapsi- forme, schien uns der Geruch der Blumen um Mittag stärker als zu einer andern Zeit zu seyn. Licht und äussere Wärme Sind daher nicht die directen Beförderungsmittel der Geruchs- Emanationen aus den Blumen, wenn gleich in heissen Klima- ten nicht nur eine grössere Anzahl, sondern auch stärker tiechende Blumen erzeugt werden. Diese Agentien können nur mittelbar wirken, und die periodische Strömung des Ge- ruchsprineips der Blumen ist in einer regelmässigen Fluctua- tion der Säfte, (wovon Hebenstreilia dentata den deutlich- sten Beweis liefert, deren Blumen nach Wirtoenows (?5) Beobachtung des Morgens geruchlos sind >» Mittags einen widrigen, stinkenden, und Abends einen angenehmen Geruch besitzen), welche mit dem chemischen Lebensprocess der Pflanzen, wobei aber das Licht allerdings eine Hauptrolle Spielen dürfte, in der engsten Verbindung steht, gegründet s. unten Wärmeentwickelung in den Blumen). Sam
Der eigenthümliche Blüthengeruch einer Pflanze scheint durch die Kultur keine wesentl
eine Schwächung oder Verstär Eine andere meistens mi tretende Erscheinun
enn nur in wenigen Schon yor
iche Veränderung, sondern nur kung zu erfahren. E
t dem Oeffnen der Blumen din. E ist die Absonderung des Honigsafts $ Blumen tritt der Anfang seiner Excretion ` diesem Zeitpunkte ein, Da dieser Absondetung
60
aber besondere Organe gewidmet sind, und sich diese zwat öfters an der Corolle, häufig aber auch an den weiblichen Befruchtungstheilen, oder wenigstens in ihrer allernächsten Umgebung, befinden, so werdeu wir derselben ein besonde- res Kapitel widmen. |
Der Aufwand von äusserer Ausschmückung , womit die Natur die Blumen, als das endliche Ziel der vegetabilischen Metamorphose, ausgestattet hat, und die Allgemeinheit ihres Vorhandenseyns bei allen vollkommeneren Gewächsen, ob- wohl ‚unter einer grossen Mannigfaltigkeit von Formen, als Sitz und Schooss der Befruchtung, leitet schon für sich auf | die wahrscheinliche Vermuthung, dass die Corolle und ihre analogen und stellvertretenden Organe noch eine höhere und wichtigere Bestimmung haben, als den blossen mechanischen Dienst der Hülle, des Schutzes und der genauen Vereinigung und unmittelbaren Berührung der von ihr eingeschlossenen ` Theile auszufüllen, sondern dass sie vielmehr ein , den En — zweck der Befruchtung, Zeugung und Fortpflanzung unter- stützendes , nothwendig mitwirkendes Organ sey. a
Dass die Corolle nach der Ansicht einiger Systematiker ` in manchen Familien fehlt, oder zu fehlen Scheint, kann diese physiologische Ansicht und Voraussetzung nicht entkráften,. weil in den meisten dieser Fälle die Blume eine solche Orga- nisation erhalten hat > wodurch dieser Mangel entweder nur scheinbar, oder auf eine andere Art ersetzt worden ist e Wo- durch die Befruchtung nicht gestört wird : indem nur die Form ihrer äusseren Erscheinung abgeändert, das Wesen der Hülle aber dasselbe geblieben ist (s. Kelch S. 5). Aber selbst da, wo sie wirklich fehlt, nämlich bei mehreren nie- deren Organismen, finden wir den Befruchtungsapparat so |
"vereinfacht, dass selbst das erzeugte Produet, der Same, die Folgen und die Zeichen dieser Vereinfachung an sich trägt,
STE n PVC EEE eem
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Nach den im Vorhergehenden vorausgeschiekten That: Sachen über das Verhalten
der Corolle in ihren verschiedenen Beziehungen wollen wir.
ihre Bestimmung in physiologischer
sten Hinsicht näher zu beleuchten suchen.
nde- Verletzungen der Blumenkrone in der frühesten Periode
ihrer noch unvollkommenen Ausbildung scheinen, wenn solche sie allein treffen (was aber in den meisten Fällen unmöglich ist), an und für sich nicht nachtheilig auf die anderen Organe der Blume zu wirken, Es ist aber in diesem Zustande der Blume die Integrität des Kelches und der Zeugungsorgane zumal bei kleinen Blumen , wie Ribes, Anagallis, Veronica H. S. w, fast unmóglich zu erhalten, wenn die schützende Hülle verletzt, und die zarten, noch wenig entwickelten Theile der Einwirkung. äusserer Schädlichkeiten blosgestellt auf werden; meistens ist aber die Corolle in diesem Alter der
hre " "Tue e | ' d -Blume , in welchem sie sich noch im Knospenzustande befin- und
det, nur sehr unvollständig vorhanden CR. 11). Wem `
hen über die Entwickelung der Blume so weit vorgerückt ist, biis. . dass die Corolle mehr als die Hälfte ihrer natürlichen nena Ausbildung erreicht hat, zu einer Zeit, wo die übrigen Theile der Blume ihrer Reife bedeutend näher gerückt sind, so dass
Licht und Luft nicht mehr schädlich auf sie wirken können, die beiderlei Zeugungsorgane aber ihre Zeugungsfähigkeit noch nicht erlangt haben, (was bei Verbascum , Nicotiana, 9. bis 3 Tage, bei Lychnis, Dianthus 4 bis 5 Tage vor dem Oeffnen der Corolle der Fall ist,) so hat die Theilung, das
. Sehlitzen der Blumenkrone (bei Digitalis, Petunia, Nicotiana, Datura), das Hinwegschneiden der Hälfte der Corolle (bei Ni- cotiana, Malva, Lavatera, die gänzliche Hinwegnahme
‚die hen res ` ob- als
nd- | E | er- 3
Althaea , Pelargonium), ja sogat der Corolle (bei Verbascum, Ana- gallis , Veronica) und das Ausziehen der Blumenblättchen bei Polypetalen Cz. B. Dianthus, Silene, Geum, Potentilla u. s. w.) auf die weitere Entwickelung der Zeugungsorgane, wenig- Stens der weiblichen ; keinen nachtheiligen Einfluss mehr, in-
em die Ovarien durch die Bestäubung der Narben in gleichem “rade befruchtet werden, als wie in deu, mit unverlezten
au etam Ee D, SC NI
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Corollen. versehenen Blumen geschieht, Hereerr (26) sagt ebenfalls, dass nach seiner Erfahrung zwar die frühe Zerstó- rung der Corolle dem Wachsthum des Germen und der Narbe nachtheilig, nach ihrer völligen Entwickelung aber die-Corolle nicht mehr nothwendig gewesen sey. A Bei der physiologischen Untersuchung. der Verhältnisse der Blumenkrone zu den männlichen Organenim Besondern kom men hier nur zweierlei Insertionen der Staubfäden in Betracht} nämlich: ob sich. dieselben auf der Corolle ,. oder an einem andern Theile der Blume inserirt befinden; die anderen Mo- dificationen der Insertion kónnen wir füglich hierunter begrei- fen; bei allen aber haben die Corolle und die Staubfáden in ihrem innern Bau so viel Uebereinstimmendes, dass A. L. nf Jussieu (27) von der Corolle sagt: „Sfaminum vera est ap“ pendis: et quasi pars luxurians er eodem receptaculo enata." in gleicher Allgemeinheit spricht sich auch von- Gäng und. SCHELVER (28) über dieses Verhältniss aus: auch HERBERT sagt! (??) „die Corolle gehört zum männlichen Theil der Blume. Von der innigen Verbindung der Corolle- mit den Staubfäden zeugen zwar die Blumen der Musaceen , Cannae ; der Mono- petalen, und die häufig-statttindende Metamorphose der Staub- fäden in Blumenblätter: auf diesen. engen Zusammenhang. und die Homogeneität der beiderlei Organe gründet sich die Voraussetzung einiger Botaniker, dass die Blumenkrone, (da sie keinen sichtbaren materiellen Beitrag bei der Befruchtung liefert,) vorzüglich zum Dienste der Ausbildung und Ernàh- | rung der mánnlichen Organe bestimmt sey. di E Dieses enge Verhältniss der beiderlei Organe wird aber bei einer sehr grossen Anzahl von Pflanzen nicht angetroffen; sondern die Staubfäden befinden sich an anderen verschiedene? _ Theilen der Blume inserirt: so dass sie nieht gleichen Ur- Sprung mit der Corolle haben können, ob sie gleich mit dieser ` im Allgemeinen den gleichen innern Bau gemein -zu haben ` scheinen: wie dann auch bei der gemischten Insertion, z. B. bei - Dianthus und den meisten Caryophylleen, zwischen den an den Petalen inserirten Staubgefássen und den von der Basis des |
L4
) sagt Zerstö- Narbe
orolle
Itnisse ikom“ racht; einen | .Mo- egrei- en ii Log t ap" ata."
und ;
sagt: mei äden | ong: taub- hang h die (da tung näh- i
A
hat: diese Unabhän
Fruchtknotens ausgehenden, Zu entdecken ist, gibt sich, dass der.u
kein Unterschied in der Struktur Aus diesem verschiedenen Verhältniss er- mmittelbare Zusammenhang dieser Organe bei der Bildung der Blumenkrone nicht nothwendiges Gesetz ist dass daher bei einer Srossen Anzahl von Gewächsen die Corolle einen unabhängigen Ursprung von den Staubgefässen gigkeit der beiderlei Organe von einander och dadurch zu beurkunden ‚dass die Ver- len häufig- vor der völligen Entwickelung orolle vor sich geht. ` | x Die Gesetze der Insertion. der Staubfáden sind zwar bei
ganzen Familien, wie bei einzelnen. Gattungen; von der Natar fest und consequent durchgeführt, Die Insertion der Staub- füden ist abe, auch auf der andern Seite háufig durch die Me- tamorphose so abweichend und. unbeständig, dass die Aus- nahmen beinahe so zahlreich sind, als die Regel (3°). Diese. Gesetze müssen daher auf. einem ändern Grund als dem der Homogeneität der Structur mit. der Corolle beruhen: zumal da auch der Kelch einen 'entschiedenen Einfluss auf dieselbe ul eg 2 |
| Um dieses Verhältniss wir auf den frühesten S.1D, wow
Scheint. sich àuch n stàubung. des Pol (dem Vigor) der €
gehen
le. zurück (siehe ass dieselbe nicht nur erst. ichen Zeugungsorgane J na- erselben , der Antheren , Zur uch ihr nachheriges Wachs-
die Verstäubung derselben es müsste daher die Corolle ntären Zustande zur Ent- ehr entwickelten Staubge- itragen. Demnach scheint üheren Ausbildung der männlichen Organe, Anthere,, wenig ‘oder: nichts beitragen zu
können : weil diese in der unentwickelten Blume einen höheren Grad der Entwickelung erlangen, ehe noch die Reihe deg Wachsthums an die Krone kommt, jene also frühzeitiget | sind , als diese.
In der späteren Periode der gett der Corolle, besonders bei den meisten Monopetalen, scheint dieselbe zwa? das Wachsthum und die Verlängerung der Filamente zu un- terstützen; da aber z. B. bei Dianthus und einigen anderen Caryophylleen die zwischen den Petalen inserirte äussere Reihe der Staubfáden sich vor den inneren kürzeren auf den ` Blumenblättchen aufsitzenden verlängern, und sich dieser Ent- ` wickelungsgang bei Geum, Potentilla, Aquilegia u. s. wi ebenso verhält, indem nämlich die äussere Reihe sich vor der inneren entwickelt, so ist dieser Einfluss nicht als absolut anzunehmen. Diese Verlängerung und Folgereihe der Ent- wickelung wird durchs frühzeitige Abschneiden der Blumen- blätter nicht verändert. Das Gleiche wird auch bei den Mat ` vaceen bemerkt, welche ihre Staubfäden nach gänzlichem oder theilweisem Abschneiden der Corolle zur normalen Zeit der Entwickelung verlängern: gleich wie umgekehrt die Ent- wickelung der Corolle durch die Exstirpation der ganzen Staubgefásse aus ihrem Insertionspunkte, wenigstens in der lezten Hälfte ihres Wachsthums, nicht gestört wird: was auch für ihr früheres Daseyn zu gelten scheint, weil die gánz- liche Contabescenz der Staubgefásse die ‘Entwickelung det Corolle weder verlangsamert , noch beschleunigt.
Die Castration, sie mochte nun in der Hinwegnalime det ` ganzen Staubgefásse, oder nur in der Entfernung der Anthe- ` ren bestehen, hat uns bei dem grössten Theile der Gewächse dieselben Erscheinungen gezeigt, welche man bei der Ver- stäubung der Antheren bemerkt, wobei aber der Pollen nicht auf die Narbe gelangt, oder auf irgend eine Art auf dieselbe einzuwirken gehindert wird, oder auch dieser taub und ug: kräftig ist. Die Corolle erreicht nämlich unter diesen Umstän- den ihren Vigor und ihre absolute längere Dauer, und der Fruchtknoten abortirt. Deu Vigor erreicht aber die Blume `
SCDE e ee, -.
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bei. den. meisten Pflanzen erst, wenn die Antheren wirklich Stàuben,. oder schon grósstentheils verstáubt haben (siehe S. 22); dieses Verhältniss ist also ein unbestimmtes , Wess- Wegen uns zwischen Corolle und Staubgefássen kein so euger Physiologischer Zusammenhang statt. zu finden scheint, als Sewöhnlich angenommen wird. f Wenn nun beim hermaphroditischen: Baue der. Blumen Von. der Entfernung der ganzen Staubgefásse, oder der auf- &ehobenen Verstáubung des Pollen überhaupt keine nachthei- lige Einwirkung auf die Corolle sichtbar wird, so scheint es sich ` ei einigen männlichen Dichogamen anders zu verhalten: in- em unsere Beobachtungen über. den Tagsschlaf der männli- chen Blumen der Zyehnis vespertina es wahrscheinlich machen, ass. dureh. die Hinwegnahme der Staubgefässe oder der An- theren, und die hierdurch für die Blume verloren gegangene ` Erstäubung des Pollen die Reizbarkeit der Blumenblättchen Seschwächt und das Leben der Corolle verkürzt wird (8:45, to, 3): ‚obgleich in. dieser Blume. die Staubfáden mit der ?rolle in keinem so nahen organischen Zusammenhange ste- tens wie bei den Monopetalen und vielen anderen Pflanzen (indessen bedürfen. diese Beobachtungen noch weiterer. Be- gung). Es wäre also möglich, dass bei der normalen Ab- Wesenheit des Pistills die künstliche Entfernung der Staubge- ÄSge denselben Einfluss auf die Corolle bewirkte, welche das Yarium bei der Befruchtung auf dieselbe ausübt. — Blumen Ion sehr kurzer Lebensdauer, bei welchen der Vigor und das Verstäuben in einen Moment zusammenfällt, können hier Dicht als Massstab dienen. int - Wenn die Corolle ausschliesslich, oder nur vorzugsweise den. Dienst der männlichen Organe vorhanden wäre: so möchte es ferner schwer zu erklàren seyn, warum bei den Weiblichen Dichogamen nicht nur überhaupt eine Corolle an- Setroffen wird, sondern. dass sie sich sogar bei manchen Danzen durch. einen hóheren Grad der Ausbildung, nament- | in Beziehung auf ihre Grösse auszeichnet (S. 44), Womit auch Cong. Spresser (31) übereinstimmt.. HENSCHEL l A
für
Cirraer, Befruchtung der Gewächse.
en note Ires A nt ie
(52) behauptet ZWar, ` ‚die weibliche Blume sey ; im Ganze? betrachtet, kleiner und zarter, als die männliche ,; und nur f! einzelnen Fällen erscheine die weibliche Blume grósser als die männliche. Wenn dieses auch im Allgemeinen statttinden sollte «woran wir jedoch noch zweifeln): so. lässt dieses schwa kende Verhältniss wenigstens die bestimmte Folgerung He: scHEL'S nicht zu; ; jedenfalls ist dieses Moment von der Art, dass daraus etes so enge Verbindung zwischen der Corolle und dem männlichen System in dem Organismus der Pflanzen gefolgert werden könnte, als hier geschehen ist. Derselb® Naturforscher findet (3?) in der vollständigen Corollenaus- stattung der männlichen Blumen einiger Dichogamen eine ge nauere Beziehung der Corolle mit den männlichen Organen: indem er darin das dringende Bedürfniss des Daseyns und de! vollkommneren Ausbildung der Corolle für die männlicher Blumen sucht; da er (?*) bekanntlich mit Seusrver (35) die weibliche Blume bei getrennten Geschlechtern für die volk ` kommnere, die männliche aber für die unreifere annimmt, aus welchem Grunde auch die erstere die Corolle entbehren könne; wie sie auch die Staubgefässe entbehre, weil die Corolle nur die Basis und der Stoff sey, aus welchem die Entwiekelung der Staubfáden móglich werden solle. Dass diese Ansicht nur von einzelnen Beispielen herge nommen seye; und nicht auf Allgemeinheit Anspruch mache? könne, haben wir so eben gezeigt, und es beweisen es aucl! die Syngenesisten und manche dichogamischen Gewächse. :
: Das öfters stattfindende gleichzeitige Absterben und Ab- fallen der Staubfáden mit der Corolle wird als ein ferneref | Beweis angeführt, dass beiderlei Organe in einem Causal- nexus mit einander stehen: denn A. L. px Jossigu sagt (59)! „emarcida' penso | absoluto decidunt. stamina, decidente simil | corolla, quae vera est staminum appendix.“ Diese Erschet nung wird vorzüglich bei den Monopetalen und solchen Blu inen beobachtet, in welchen die Staubgefässe in unmittelb# yer Verbindung mit der Blumenkrone stehen (und selbst nich immer bei diesen); bei solchen Blumen aber, wo dieses nich!
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der Fall ist und die Stanbfäden an einem andern Theile der- selben inserirt sind ; findet man keine solche genaue Gleich- zeitigkeit des Verderbens und des Abfallens der Corolle mit den Staubgefässen, wie wir z. B. bei den Cistineen gesehen haben, dass die Petala 18 Stunden vor der gänzlichen Verstáubung des Pollen abgefallen waren. Dieses Abfallen der genannten Blumentheile kann aber nicht als ein isolirtes Phänomen be- trachtet werden , weil es, wie wir bei der Befruchtung sehen Werden, mit anderen Veränderungen zusammenhängt, die zu derselben Zeit in der Blume vor sich gehen: und in vielen Fällen s 2. B. bei manchen Solaneen, auch der Griffel zugleich | "Wit der Corolle nach der Befruchtung abfällt. ` ,
` Endlich wurde auch noch ein besonderes Gewicht auf die Verwandlung der Staubfäden und Autheren in Blumenblätter Selegt und der gleiche Ursprung und nothwendige Causalne- “us beider daraus gefolgert: denn A. L. pe Jussu (37) sagt ferner ; „frequentior staminum in corollam conversio masimam »organi utriusque analogiam confirmat“. Da diese Metamor- Phose aber nicht selten auch am Pistill beobachtet wird, so kann. die besagte Umwandlung das nicht beweisen, was man damit beweisen wollte. ‘Wir fanden nämlich bei Campanula, Datura , Matthiola , Dianthus, Lychnis, Saponaria, Hyacın- lħus, Narcissus und Tulipa das Pistill ebenfalls in Blumen-
lätter verwandelt, "Schon e. Gäns (39) gedenkt dieser Um- Wandelung bei Ranunculus asiaticus sogar mit unveränderten : Staubgefássen ; ja die vegetabilische Metamorphose ist so
lldsam ; dass sieh das Pistill sogar in männliche Organe um- Zubilden vermag, wie Hesscast (39) au der — Salir cinerea und L. C. Trevıranus (49) an anderen Arten derselben Gattung beobachtet haben: wie sich männliche in weibliche Organe verwandeln (41). agent we“
. Eines Verhältnisses zwischen der Corolle und den Staub-
Sefässen müssen wir noch Erwähnung thun; nämlich dessen
der Zahlen, welches von grösserer Bedeutung zu seyn scheint,
3 8 die Vorigen. In den regelmässigen Blumen, womit weit der
Stösste Theil der Pflanzen begabt ist, findet sich bei einer i | Use
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bestimmten Anzahl von Kelch- und Coroll- Abtheilungen auch eine bestimmte Anzahl und Anordnung von Staubgefässen vor: so haben wir z, B. bei Lyczum barbarum mit 6 Corollenlap- pen auch 6 vollkommene Staubgefässe, bei Tormentilla erecta an den Erstlingsblumen bei 5 Corollblättchen 20 Staubfáden, bei
allen übrigen Blumen aber mit 4 Blumenblättehen nur 16 Sta- mina angetroffen. Die Abünderungen bei unregelmässigen Blu- men sind durch die Systematiker auf die Grundtypen zurückzu- führen versucht worden; worüber Memme (^2), Oxen (45), Cas- SEL (4 ^), Nees von EsENBECK (55), Wirsnawp (46), H. Cassi (57) u. a. weiter nachzusehen sind. Dieses Zahlenverhält- niss beruht aber auf dem allgemeinen Gesetz der Wirtelbil- dung, und begründet keine absolute Abhängigkeit der Staub- gefässe von der Blumenkrone: es scheint diess besonders aus der Natur der Erstlingsblumen hervorzugehen, ‚bei welchen dieses Gesetz häufig abgeändert angetroffen wird, z. B. bei Potentilla argentea haben wir bei 5 Blumenblättchen häufig nur 18, und bei Potentilla atrosanguinea ?2 Staubgefässe ; bei einigen Arten von Dianthus mit 5 Blumenblättern 11 voll- kommene Staubgefásse, und bei einem fünflappigen Limbus der Corolle von Datura , Nicotiana, Verbascum 6 vollkom- mene Staubfáden und Antheren angetroffen. Hierüber noch Mehreres bei den Staubgefüssen.
. Nachdem wir in den bisher vorgetragenen Verhältnissen durch Thatsachen erwiesen zu haben glauben, dass die Co- rolle und die Staubgefásse nicht in der absoluten Adhängig- keit zu einander stehen, als bisher gewöhnlich angenommen worden ist: so wenden wir uns zu den Lebensverhältnissen der Blumenkrone zu den weiblichen Organen, welche zwar erst bei der Befruchtung genaner auseinander gesetzt und un- tersucht, und desswegen hier nur in soweit geprüft werden kónnen, als sich im Vorhergehenden über die Entwickelung, deu Tagsschlaf und die Dauer der Corolle Thatsachen erge- ben haben, welche zu erwähnen nothwendig waren, um die Natur der Corolle überhaupt kennen zu lernen.
In der ganz jungen Kuospe -wird bei frülseitiger,
NONE EORNM, M e, us
SEES > Aue a
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Conteptionsfühigkeit der weiblichen Organe durch die Bestän
bung der Narbe mit ebenbürtigem potentem Pollen das Wachs- thum der ganzen Blume vernichtet und die Knospe getódtet (8. 17, Vers, 1); ist aber die Knospe ungeführ bis auf die Hälfte ihrer Entwickelung vorgerückt, so wird durch eine Solche Bestäubung die Entwickelung der Blümeinkroóne sistirt: das Ovarium entwickelt sich aber dabei zur Frucht, ohne dass
selbst die Griffel zu ihrer normalen Länge auszuwachsen
Streben (S, 17, 20). Wenn aber das Pistill bei dem glei- chen Entwickelungsgrad der Blumenknospe und der Prae- Cocitát der Griffel seine Conceptionsfähigkeit noch nicht er-
langt hat, so hat die Bestäubung der Narbe keine solche Wir- -
kung, sondern die Verlängerung der Griffel und die Entwicke- lung der Narbe bleibt so lange stehen, bis die Corolle zu Ihrer normalen Grósse und Vollkommenheit gelangt ist, worauf dann erst die Griffel zu ihrer normalen Länge auswachsen, "nd die Narben zu ihrer vollendeten Entwickelung und Con- .Ceptionsfáhigkeit gelangen (S. 20, Nro. 4). Diese Wech- Selwirkung zeigt, dass unter gewissen Bedingungen das Le- ben der Corolle von dem Ovarium abhängig ist, dass aber "nter anderen Verhältnissen der Blume beide Theile dem An- Schein nach eine unabhängige Entwickelung haben.
Die Einwirkung des Ovariums auf das Leben der Corolle erweist sich auch bei einer kräftigen Bestäubung in Verglei-
Chung mit den Folgen der verhinderten Befruchtung. Im er- Sten Falle verdirbt die Corolle bald, oder fällt frisch und un- -
verderben ab; im anderen Falle aber, und bei unkräftiger estäubung, haftet die Corolle länger am Ovarium, wird krank,
"nd verdirbt theilweise, Der Vigor und der Schlaf der Blu- -
Men wird durch die kräftige Befruchtung vom Ovarium aus abgekürzt; Einen weiteren Beweis dieses Einflusses gibt der
Unterschied der Dauer der Blumen mit contabeseirten Staub- `
Sefüssen uud anderen mit vollständigen männlichen Organen versehenen Blumen; bei diesen tritt die Conceptionsfähigkeit Tier erst in 3 bis 5 Tagen nach dem Oeffnen der Blume ein;
ĉi jenen aber sind die Narben gewöhnlich schon beim Oeffnen
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der Corolle 'eonceptionsfáhig: nach der Bestäubung dieser Blumen mit ihrem eigenen Pollen verderben die Corollen (bei Dianthus) meistens in 10 bis 12 Stunden: die Corollen der vollständigen Blumen dauern im Gegentheile so lange, bis das Pistill conceptionsfáhig geworden ist. Wenn die mit conta- beseirten Antheren versehenen Blumen nicht bestäubt werden, so behalten sieihre absolute Dauer, oder schliessen sich, wenn sie am zweiten, dritten, vier ten, fünften Tage bestáubt wer- . den, nach der gnächeheen Bestäubung in dem angegebenen Zen von 10 bis 12 Stunden. Hier zeigt sich der Einfluss des Pistills auf die Corolle am unläugbarsten. | Von ähnlicher Wirkung auf die Blumenkrone ist in Beziehung auf die Zei- tenverschiedenheiten des wirklichen Erfolges die Bestäubung ` mit Pollen von. verschiedenen Wahlverwandtschaftsgraden; wie wir weiter unten bei der Bastardbefruchtung sehen wer- - den. Diese. Wirkung der Befruchtung auf die Corolle findet
zwar nicht in allen Blumen in gleichem Grade und Zeitraume statt; indem die Blumen , deren Corolle sich mehr der Natur des Kelches nähert, deren Einwirkung langsamer und nach längerer Zeit zeigen: der Zusammenhang bleibt aber dessen ungeachtet unverkennbar derselbe,
Durch die Verletzung der Narbe, des Griffels oder des Ovariums wird das Leben der Corolle nicht gestört, wenn die Zerstörung des Fruchtknotens nicht so bedeutend ist, dass die ganze Blume dadurch Schaden leiden muss: die Blume behält vielmehr ihre absolute Dauer: die Tódtung der Co- rolle durch die Befruchtung geht demnach. vom Innern des Ovariums aus, VE. Tar
So unlàugbar sich der: Einfluss des Pistills, insbesondere aber des Fruchtknotens, auf das Leben der Corolle aus den angegebenen Thatsachen ergibt: so wenig klar und deutlich erscheint der Einfluss der Corolle auf das Pistill, ` Wir kom- men bei der Untersuchung dieses Gegenstaudes zuerst auf die Wirkung zurück, welche die mechanischen Verletzungen der , Blumenkrone auf die: übrigen Blumentheile, namentlich. auf das Pistill, haben. In dieser Hinsicht müssen: wir auf die
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verschiedenen Perioden der Entwickelung der Blume.und ihren Theile Rücksicht nehmen. . ! " Es ist schon oben bemerkt worden, dass im. frühesten Zustande der Blume, als Knospe, die Hinwegnahme der Co- volle ohne eine ‚lebensgefährliche Verletzung der übrigen -Theile der Blume, namentlich des Pistills, in den allermeisten Füllen unmöglich: ist; dass also Versuche, welche..in dieser Epoche des Lebens der Blume in dieser Hinsicht: angestellt Werden, keine sichere Resultate liefern kónnen, Bei weiter vor- Berüekter Entwickelung der Blume finden wir, dass bei früh- Zeitigen Griffeln die Eutwiekelung. der Corolle und des Pistills mit einander alterniren, und dass im weiteren Verlauf der Normale Entwickelungstrieb der Corolle das Wachsthum. des Pistills so lauge beschräukt (selbst wenn es conceptionsfähig,; aber nieht bestáubt worden ist), bis dieser erschöpft ist, und. die Blumenkrone das lezte Stadium ihrer Entwickelung er4 reicht hat (S, 19). Hier scheint uns der angezeigte Ein- fluss am deutlichsten hervorzutreten, I ans TP.
Im. letzten Entwickelungsstadium der Corolle, wenn sie Zwar: noch geschlossen , aber doch ihrer Entfaltung bedeuteud näher gerückt ist, hat ihre mechanische Verletzung ; Sehli- Zen, theilweise , ja gänzliche Hinwegnahme, ‚weder. auf. das. Wachsthum , noch auf die Ausbildung der Conceptionskraft, àlso auf die Vollendung der Entwickelung des Pistills, keinen. Stórenden Einfluss mehr: auch Muere, (48) bemerkte densel- ben Erfolg an Apfelblüthen. -— we
Wir konnten selbst in. Beziehung, auf die Zeit, innerhalb Welcher diese Veränderungen erfolgen ond sich succediren; keine, Abänderung; bemerken: so hat sich der untere Rest der Zur Hälfte abgeschnittenen Corolle ‚von Nicofiana, Datura, Aquilegia, Potentilla nach. der künstlichen Bestäubung; in der gleichen Zeit abgestossen, als wie die ganze unverlezt geblie- bene Corolle. La [ | Betrachten wir die Lebensverháltnisse. der Corolle in die- e Beziehung in einer noch spáteren Periode, z. B. bei Zych- "is diurna, Nicoliana rustica. w. S. w.: wenn nümlich. die,
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Corolle nach verhinderter Bestäubung grösstentheils abgestor- ben, oder sogar (wie bei der leztern) schon 12: Stunden, ab- gefallen war, die Narben und Griffel sich noch frisch und con- ceptionsfähig erhalten hatten, so erfolgte selbst in diesem Zeitpunkte durch die Bestäubung der Narbe mit dem eigeneu Pollen noch eine Befruchtung von wenigen Eichen (s. unten i Dauer der Concepionsfühigheif). Wenn demnach hier der Aufschub der Bestäubung und Befruchtung‘ des Pistills über- haupt nieht auch zugleich ein Erkranken dieses Theils der Blume bewirkt hat, wie es das Verderben und Abfallen der Corolle zur Folge hatte: so könnte man die Schwächung der Conceptionskraft des Pistills, besonders aber des Vermö- gens des Fruchtknotens die Eichen zu beleben und zu ep nähren, dem Erkranken und dem Mangel oder Abstossen der Corolle zuschreiben: da es ungezweifelt ist, dass umgekehrt das Verderben der Corolle bei der Befr uchtung durch das vile rium bewirkt wird.
Am Schlusse dieses Abschnitts bemerken wir nocli , dass àus verschiedenen Erscheinungen, auf welche wir an den ge- eigneteu Orten aufmerksam machen werden, erhellt , dass, trotz dieser gesetzlichen reciproken Abhängigkeit der ver- ` schiedenen Theile der Blume von einander, dieselben doch: zuweilen ein, bis auf einen gewissen Grad unter gewissen, noch unbekannten: Umständen, von einander unabhängiges Leben haben; was auf den Gesetzen der Metamorphose‘ be- ruht. So haben wir hier namentlich bei der Corolle gegen alle sonstige Erfahrung an einigen fruchtbaren Bastarden, z, B. dem: Dianthus barbato - japonicus noch frische und gesunde Blumenkronen gefunden, deren Ovarien schon bedeutend ent- wiekelt und gewachsen waren (S. 53).
Aus dem Bishergesagten glauben wir pun folgende Hauptresultate abstrahiren zu kónnen: | |
1) Nur bei einem Theile der Gewächse ist die Corolle die Vermittleriu der Beischaffung der, zur Ver 'vollkommnung des männlichen Befruchtungsstoffes nöthigen Säfte; bei einem "andern. grossen Theile derselben findet diese Beihülfe
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nicht Statt, wodurch aber im Wesen und der Kraft des Pollen. kein Mangel erzeugt wird. 2) “Die Corolle erlangt erst ihre vollkommene Entwicke- . "8 und höchsten Vigor, wenn der mánnliche Befruchtungs- Stoff Schon vollkommen ausgebildet, und bei einem grossen Theile der Gewächse die Verstáubung vorüber ist, i
3) Das Leben der Corolle endigt mit der Belebung der Eichen durch die Befruchtung: sie erkrankt, wenu diese fehlt, oder unvollkommen geschieht, wie z. B. bei vielen Bastard- befruchtungen. Bei der natürlichen und vollkommenen Be- fruchtung wird der Zug der Nahrungssáfte von ihr abgezogen Und zur Ernährung der Eichen geleitet. -
4) In der vollkommen entwickelten Blume ist die Co- tolle kein zur Befruchtung absolut nothwendiges Organ; sie Yermittelt aber theils auf mechanische, theils auf lebensthä- tige, durch den Bau modificirte Weise, deren sichern Erfolg, Wodurch ihr Vorhandenseyn zur Nothwendigkeit wird.
5) Die Blumenkrone hat eine mehrfache physiologische | Bestimmung: in derselben Blume: ihrer völligen Entwicke-
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lung nahe dient sie, je nach ihrer organischen Verbindung,
Anfänglich zur Ernährung der Staubgefásse (Monopetalen), übt Zugleich einen wesentlichen Einfluss auf die Geruchsema- Nation und die Nectarabsonderung aus, und ist hauptsächlich Und bei allen Blumen zum Dienste des Fruchtknotens vor- Anden. Diese vou einzelnen Beispielen abgeleiteten Sátze wollen Wir zwar noch nicht für allgemeine Gesetze ausgeben: indem durch verschiedene Modificationen im Bau der Blumen Abän- derungen bewirkt werden können , welche durch fernere Be- Pbachtungen zu bestimmen und zu ergänzen sind; indessen Scheinen sie uns so fest zu stehen, dass sie einen sichern An- altspunkt zu weiteren Untersuchungen darbieten können. Nachdem wir die Natur der Blumenkrone aus ihrem Natürlichen Verhalten erläutert haben, so glauben wir, dass 78 hier der geeignete Ort ist, uns darüber noch näher zu er- ren, warum wir die Blumen der Liliaceen, Irideen u. deg),
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gegen die Ansicht bedeutender Autoritäten mit dem Namen der Corolle bezeichnen; weil nämlich die Blumen. dieser Pflanzen in pAysiologischer Beziehung‘ sich nicht als Kelch, sondern als wahre Blumenkrone verhalten; daher wir der
Natur streng getreu zu bleiben. für angemessen gehalten haben.
Die vor- und rückschreitende Metamorphose. dieser bei- den Organe, des Kelches und der Blumenkrone; beweist auch, dass keine wesentliche Verschiedenheit in ihrer Grundbildung vorhanden seyn kann, Die Nothwendigkeit des Unterschie- des und der Sonderung beider Organe in Beziehung auf ihr Daseyn und ihren Zusammenhang mit der iunern Bildung der Pflanzen (nach systematischer Ansicht) bedarf. noch einer ge- naueren physiologischen Untersuchung.
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„IV. Won der Nectarabsonderung in den Blumen.
Die Nectarabsonderung wird beim normalen Gange der Entwickelung der Blumen zur Zeit des Oeffnens derselben angetroffen, wie auch KüraEUTER (!) angemerkt hat, in Welchen Zeitpunkt zugleich aber auch noch einige andere Er- Scheinungen , Z. B. die Dehiscenz der Antheren, die Narben- Ausschwitzung,, die Würmeentwickelung und die Befruch- tung des Ovariums zusammenfallen (S. 22). à
. Der Anfang dieser Absonderuug scheint gleich anderen Entwickelungen in den Blumen nicht an einen ganz genauen Citpunkt gebunden zu seyn, und durch verschiedene Um- Stände. bei den verschiedenen Pflanzen sowohl, als bei den einzelnen Blumen eines Individuums abgeändert zu werden: denn unsere eigene sowohl als J. G. Kurr’s (2) und M. L: "RAvaıs (8) Erfahrungen, deren Verdienste um die Natur- Seschichte der Nectarien besonders zu rühmen sind , haben Sezeigt, dass bei einigen Pflanzen, wie z. B. bei Potentilla ons Osanguinea, Sorbus aucuparia, Berberis vulgaris, Cucu- balus viscosus L. und einigen anderen Caryophylleen und mehreren Gentianen, Reseda odorata u. a. die Absonderung ` dieses Saftes nicht bloss einige Stunden , sondern einen bis "Wei Tage vor dem Aufschliessen der Blume, und vor der ehiscenz der Antheren stattgefunden hat , da sich im Gegen- theil hei Epimedium alpinum (^) die Absonderung erst nach E Oeffnen der Blumen mit der Dehiscenz der Antheren ein- ellt. ` Op bei den genannten Pflanzen diess nur zufällig und "iSnalmnsweise ; oder ob es immer so geschehe, vermögen
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wir jedoch nicht bestimmt anzugeben. Uebrigens beobachte- ten wir, dass in Beziehung anf den Zeitpunkt des Verstäu- bens des Pollens bei vielen Blumen die Nectarabsonderung schon vor der Dehiscenz der Antheren beginnt, bei anderen aber erstalsdann, wenn sie ihren Pollen schon zum Theil oder wirklich verstáubt haben, z. B. bei den Leguminosen, Cru- €iaten; es scheint daher der um den Zeitpunkt der Blüthe gesteigerte Zudrang der Säfte zu der Blume nach dem ver- - schiedenen Bedarf der Organe und ihrer Function bei der Be- fruchtung seine Richtung zu erhalten,
Das Vorhandenseyn dieser Absonderung in den Blumen hängt von dem Daseyn der hiezu bestimmten Organe über- haupt-ab, welches in den Familien nicht constant ist; indem
‚ einige Gattungen derselben sie besitzen, andere nicht; wie
z. B. unter den Orchideen, Asphodeleen , Liliaceen, Serophu- larineen, Crassulaceen, Apocyneen u. s. w. = Wandelbar fanden wir die Absonderung bei Geranium phaeum , pratense und sanguineum , Digilalis purpurea, Viola Iricólor, Hellebo- wg niger und viridis ; diess wurde ohne Zweifel durch äussere Einflüsse bewirkt. Andere Pflanzen besitzen zwar die Or- gane zur Absouderung, diese secerniren aber nicht, z. B. Orchis Morio; fusca, militaris, maculata, latifolia (5), oder vielleicht nur unter gewissen Umständen.
Die gleiche Schwankung herrscht in dem Daseyn und der Abwesenheit der Absonderung des Neetars in Beziehung auf das Geschlecht der Blumen bei dichogamischem Baue; so wird bei Stratiotes Aloides in beiderlei Blumen Honigabsonde- rung angetroffen (9), ebeuso auch bei Cucurbita Pepo (1). Bei-den männlichen: Blumen von Chaerophyllum sylvestre und bulbosum konnte Kurr (8) auf dem vorhandenen Organ keine Honigabsonderung entdecken, wohl aber sonderten sie in den hermaphroditischen ab: ebenso verhält es sich bei seus androgynus (9), Xylophylla ( 9) und Musa parádisiaca ( 13 ).* In Bryonia albad sondert das Organ Nectar ab, in der weib- lichen Blume aber nicht ( 12): gleicherweise zeigen die weib- lichen. Blumen der Carica Papaya keine ‚Honigabsonderung
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133)... Bei Lychnis diurna und vesperlina haben wir in den männlichen Blumen. zu. keiner Zeit ihrer Entwickelung eine Spur von einer Nectarabsonderung entdecken können: hin- Segen bei den weiblichen Blumen fanden wir dieselbe an der asis des Pistills zwar nicht im Anfang des Oeffuens dessel- ben; sondern erst in dem Zeitpunkte, nachdem sich das varium schon etwas vergróssert hatte. (also ohne Zweifel. Auch befruchtet war), die Petala aber noch keine. Abnahme ihres Vigors gezeigt hatten. Ein grosser Theil der Pflanzen entbehrt nicht nur diese Absonderung gánzlich , sondern be- Sitzt nicht einmal Organe dazu, -welches wenigstens bei den einfacheren , aber doch mit Geschlechtsorganen versehenen, Gewächsen gewiss der Fall ist, z. B. bei Corylus, Datisca, Cannabis. Er würde ohne Zweifel viel Licht über die Befruch- verbreiten, wenn wir wüssten, was die Natur an ihre Stelle in diesen Blumen gesetzt hätte. . | kai Die Menge dieses Safts, welcher in den Blumen abge- Sondert wird , und worüber schon KöLrzurer ( 1) einige Mit- theilungen gemacht, ist bei einigen Arten sehr bedeutend: ^. B. bei vielen ‚Liliaceen, Nareissen, Canna, Strelizia, Agave, - Cactus, Melianthus major , Mimulus cardinalis, An- Ürrhinum majus, Cilrus Aurantium, einigen. Gentianen und Vielen Leguminosen ; bei anderen ist die Absonderung sehr Sering , z. B. bei Datura, Ranunculus, den meisten Caryo- Phylleen,. Aber nicht nur unter den Familien und Gattungen, Sondern auch unter den Arten einer Gattung findet ein grosser nterschied in der Menge der Nectarabsonderung statt , z.B. ie Nicotiana paniculata sondert in ihrer kleinen Blume vielen. ectar ab von wasserheller Farbe und ganz flüssiger Be- Schaffenheit aus ihrem orangefarbigen Ringe an der Basis des "uchtknotens, eben so auch Nicotiana glauca; bedeutend Weniger wird in den viel grösseren Blumen der Nicotiana ru- lica, Tabacum, glutinosa abgesondert. Mimulus | cardinalis gibt sehr vielen Nectar, Mimulus guttatus im Verháltniss zur. Grösse der Blume bedeutend weniger; AMelianthus.major son- dert verháltnissmássig mehr Honig ab als JMeliantAus minor,
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Nach Kurr’s Beobachtungen (15) hat Iris sambucina und variegata wenig oder keine Nectarabsonderung , hingegen Iris sibirica, graminea und halophila in bedeutender Menge.
o Der Zeitpunkt der Blüthe hat Einfluss auf die Quantität der Absonderung : so fanden wir bei den Asclepiadeen, Coren speciosus und Sírelifsia den Honigsaft gleich nach dem Oef- nen der Blumen am reichlichsten fliessen ; bei mehreren Sero- phularineen, z. B. Mémulus , aliit; Digitalis mit der anfangenden Verstäubung des Pollen und vor der Theilung der Narbe; bei Nicotiana ist sie am stärksten zur Zeit des Vigors der Blume, und während der Verstäubung. Nach Kurr’s Beobachtungen nimmt bei Gentiana lutea (19) die Ab- sonderung zu , bis alle Staubbeutel entleert sind: bei Zpime- dum alpinum (*?) aber bis zum Abfallen der Blumen.
Ueber den Gang dieser Absonderung‘ während der ver- schiedenen Veränder ungen, welche die Blume von ihrer Ent- faltung an bis zu ihrem Verderben und der erfolgten Befruch- tung des Fruchtknotens durchläuft, bedürfen wir noch genauere messende Beobachtungen an verschiedenen Pflanzen. Kurs - hat zwar an Helleborus foetidus- (18) einen verdienstlichen Anfang hiezu gemacht; da er aber von der Voraussetzung ausging , dass diese Secretion allein von der Verstäubung der Antheren abhängig sey, so hatte er die —- Verhältnisse dabei unberücksichtigt gelassen.
Es ist aber nicht bloss die innere Anlage, eebe die . Menge dieser Absonderung bestimmt, sondern auch äussere Umstände haben Einfluss darauf, und bewirken bei geringer Anlage zuweilen selbst ihr Hervortreten. Der Nectar fliesst reichlicher und allgemeiner bei heisser und trockener Witte- rung, besonders bei kräftigem Sonnenschein: im Gegentheil er- folgt seine Absonderung langsamer und sparsamer bei kühler . und feuchter Witterung , bei welcher sie in denen Blumen, welche überhaupt eine geringe Absonderung haben, wie Datura, mehrere Umbellaten u. a., gar nicht beinächi wird: gleich wie im Allgemeinen alle übrige Functionen der Organe der Blume | unter diesen Umständen beschränkt oder gehemmt wer den.
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Die Verhältnisse der NVéctibalisonduiumg sind Bei den Bastarden in Hinsicht auf Anfang , Dauer und Menge diesel- ben, “wie bei den reinen Arten, besonders auch in der letzten Beziehung ; "denn die Bastarde von Dianthus, Digitalis; Datura, Nicotiana , Petunia u. a. werden von den Bienen eben so häufig und. emsig besucht, besonders die von Dian- thus und Digitalis, als die reinen Arten. Dieser Umstand Scheint uns um desswillen von besonderer Wichtigkeit zu seyn, weil die Hybriden der Digitalis meistens gar keinen oder nur unvollkommenen, unfórmigen und impotenten, nicht verstäu- benden Pollen erzeugen, und auch von weiblicher Seite un- fruchtbar sind, wiewohl sie meistens unvollkommene taube Früchte ansetzen. Der nämliche Fall ist es bei vielen sterilen Hybriden des Dianthus und L ychni- Cucubalus , deren conta- | bescirte Staubfäden und Antheren nür eine eingeschrumpfte cellulose Masse bilden, und gar keinen Pollen enthalten.
Die Natur hat sowohl in dem Ort als auch in der Gestalt der Organe, welchen diese Function angewiesen ist, eine rosse Verschiedenheit ‘und’ Mannigfaltigkeit bei den ver- Schiedenen Gewächsen eintreten lassen. Diese Organe schei- Dën genau nach der Gattungsverschiedenheit tief in dem Bau der Blume gegründet zu seyn; aber sie sind weder mit der "Blamenkr 'one noch. mit dem Pistill ausschliesslich verbunden,
Jedoch meistens in der Nähe: des Fruchtknotens angebracht, 80 dass sie sich wohl eben so häufig am Ovarium als an der Corolle und in der nächsten Nähe der Staubfüden befinden. Das Einzelne hierüber möge man bei Kurr (19 ) nachsehen. Es gibt aber auch Fälle, wo die Absonderung entfernt von den Befruchtungsorganen, in eigenen Gebilden geschieht, Wie bei den Orchideen , WM ^ue ua Missis Delphinium u. a. : |
Nectarartige Bas Gébibitzbngel werden ‚nach der Ver-
Sicherung von glaubwürdigen Zeugen (denn eigene Erfahrun- _ gen hierüber zu machen, haben wir keine Gelegenheit gehabt) zuweilen auch'ausserhalb der Blume und an anderen Theilen der Gewächse angetroffen , z. B. an den Staubfäden des
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Rhododendron ponticum nach. Wutz (20); an dem äusseren - prismatischen grünen Theil der Blame von Iris halophila und graminea nach Kurr (?!); an dem äusseren Theil der Blu- men der tropischen Orchideen , z. B. Limodorum Tankervillia, Cymbidium (°? ), dem Kelch mehrerer Malvaceen nach Kurk | (39), dem Blumenstiel von Epidendrum elongatum Jaca. nach L. C. Treviranus (24), den Blattstielen von Gossypium, Ipo- moet gossypif olia und Ricinus nach Fischer (25), der Grewia occidentalis nach Cas, Mzpicus (26); endlich sehwizt Honig- saft aus dem Parenchym der Blätter bei Olerodendrum visco- sum (??), beim Honigthau, welcher häufig nur in einer wásse- ` rigen Ergiessung besteht (?8). ©- Die Zerstörung und mechanische Beseitigung dieser Or- gane, worüber Kurr (?9) eine Reihe von Versuchen ange- stellt bat, scheint nur in denen Fällen auf die Blumen und de Befruchtung nachtheilig zu. wirken, wenn sie sich nahe bei den weiblichen Zeugungstheilen befinden, oder unmittel- bar mit denselben verbunden sind , wie z. B. bei Nicotiana, Potentilla; den Umbellaten u. a., ‚so dass sie nicht exstirpirt. werden kónnen, ohne dass zugleich auch der Fruchtknoten ' verlezt wird. Anders verhält es sich mit solchen Nectarien, welche sich entfernt von diesen Theilen befinden, oder ein eigenes abgesondertes Organ ausmachen , und eine getrennte Stelle einnehmen, und. daher in keiner unmittelbaren Berüh- rung mit dem Ovarium stehen, wie z. B. bei Aguslegia , Det, phinium , Ruta, Tropaeolum, den Orchideen u. a. Bei einer solchen Bildung können die Nectarien. ohne Schaden für die Befruchtung und die Reifung der Samen schon frühzeitig hin- weggenommen und die Nectarabsonderung verhindert wer- den: ‚gleich wie diess auch. bei der Corolle der Fall ist. Schon Carruruser (30) hat bemerkt, dass das Abschneiden der Nectarien bei Aconitum das Reifen der Samen nicht hin- - dert, wobei er zugleich den Wahn widerlegt, dass diejenigen Pflanzen giftig seyen,. deren Nectarien nicht mit der Blumen- krone verbunden seyen. | Wenn bei mehreren Gewáchsen die Honigabsonderung
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mit dem Leben der Corolle in der genauesten Verbindung Steht, was besonders da der Fall ist ; wo sich das absondernde Organ an der Corolle selbst befindet, indem mit dem Ver- derben oder Abfallen der Blumenkrone auch das Absonderungs- organ verdirbt, z. B. bei Ranunculus, Aquilegia, den meisten 9nopetalen, wie Mimulus , Antirrhinum u. a, und bei ver- hinderter Bestäubung und dadurch verlängertem Leben der Corolle auch die Honigabsonderung‘ selbst in solehen Fällen verlängert wird: wo das absondernde Organ mit der Corolle in keinem unmittelbaren Zusammenhang steht,. wie bei Po- tentilla , so dauert doch auf der andern Seite bei manchen Arten ridit einzelnen Fällen, wovon die Ursache nicht am age liegt, die Absonderung nicht nur fort, wenn zwar die 9rolle noch haftet, aber schon iu der Abnahme ist, oder Sich schon geschlossen hat, wie bei den Malvaceen : sondern Sogar noch, wenn sie wirklich abgefallen ist, was wir bei nvollkommener Befruchtung an der Nicotiana paniculata und "ura Siramonium zwei Tage nach dem Abstossen der Co- volle Cund fortdauerndem ' Narbenausschwilzen) ,. bei Lavalera thuringiaca und Malva mauritiana beobachtet haben : welche "Scheinung Bravaıs (5! ) auch an den Blumen der Pfirsiche und Mandeln bemerkt hat. Kurr (??) selbst sah bei Cratae- gus coccinea noch Nectarerguss nach dem Verschrumpfen der ntheren , und bei Pyrus Malus und communis an Blumen, eren Pistille durch den Frost verletzt waren, sobald sich le Krone óffnete. Diese zum Theil sich widersprechenden Wstände beweisen, dass die Nectarabsonderung von Ver- ! ältnissen abhängt, welche mit dem Zustande der Corolle (und der Staubfäden) nicht immer in einer unmittelbaren Ver- indung stehen, dass aber die wirkliche Befruchtung des Ova- "ums den entschiedensten Einfluss auf den Zustand der Nectar- Absondernden Organe, (eben so wie auf die Corolle,) ausübt. - Die einfache Castration durch Abnahme der Antheren “chien uns bei Mimulus cardinalis, Nicotiana paniculata und “reus speciosissimus in dem vorgerückten Zeitpunkte der, Zur Dehiscenz reifen, Antheren keinen bemerkbaren Einfluss
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GiurxrR ; Befruchtung der Gewächse, ; 6
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auf die Nectarabsonderung zu haben; wir getrauen uns aber noch nicht, einen bestimmten Ausspruch hierüber zu thun. Ge naue Versuche hierüber sind mit grossen Schwierigkeite!
verbunden: theils weil wir über die absolute Menge dieses Secrets in den verschiedenen Blumen noch keinen Anhalts: punkt haben; theils weil durch die Zerstörung der Blume", ohne welche keine genaue Sammlung des Nectars geschehen könnte, die Resultate sehr zweifelhaft gemacht würden ; wit haben uns indessen vorgenommen , diesen Gegenstand in de! Folge einer genaueren Prüfung zu unterwerfen.
Nachdem die natürliche oder künstliche Befruchtung ge schehen ist, schwinden -und verderben die Nectarien , und in denen Fällen, in welchen sie mit den Blumenblättern oder der Corolle vereinigt sind , fallen sie zugleich mit diesen, wie. die in gleicher Verbindung stehenden Staubfäden ab; wird aber die Befruchtung verhindert, "entweder durch fehlende | Bestáubung, oder durch indifferenten Pollen: so dauert , wit eben vorhin bemerkt worden ist, die Absonderung des Nectar3 so lange fort, bis die Abortion der Eichen erfolgt ist; was sich bald durchs Abfallen der Corolle oder der ganzen Blume
bald durch Gelbwerden und mangelhaftes Wachsen des Kelchs und des Fruchtknotens kundgibt,
Der Honigsaft besteht seiner Masse nach raid aus Wasser und Zuckerstoff, von welch letzterem er del! süssen Geschmack erhält, der allem Nectar gemein ist : selbst solchem, welcher von scharfen oder bitteren Pflanzen her- rührt, z. B. von Daphne Mezereum, Agave americana (59). | Von dem Nectar verschiedener Pflanzen haben wir bis’ jetzt eben so wenig eine vergleichende Analyse, als von dem welcher an verschiedenen Theilen der Blume, der Corolle ode! dem Fruchtknoten, abgesondert wird. Nach dem Geschmack sind solche Verschiedenheiten in den Bestandtheilen nicht Zt beurtheilen , wenigstens haben wir: ausser dem flüchtigen Geruch zwichen dem Honigsafte der Corolle des Mimulus car dinalis und dem aus dem Kranze-der Nicotiana paniculata 19 ` "Geschmachke keinen wesentlichen Unterschied bemerken konnen,
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^ Honigsaft besitzt, in einiger Quantität auf die Zunge ge- raeh
t, keinen ganz reinen süssen, sondern etwas scharfen Ge- Schmack, Den neueren Untersuchungen zufolge besteht der `
ectar grösserentheils aus Rohrzucker, mit einer kleinen Bei- Mischung von einem süssen Stoffe, der den Mannit sehr nahe Steht. Ob der Nectar während der ganzen Periode seines
usfliessens, bei den bedeutenden Veränderungen, welche in er Blume von dem Momente ihres Oeffnens an bis zu ihrem erderben und der vollbrachten Befnuchtung vorgehen, in seiner
lischung sich gleich bleibe, oder welche Veránderungen damit. Vorgehen, ist ebenfalls noeh ein Gegenstand der Untersuchung. Bei den meisten Pflanzen ist der Nectar wasserhell; Ohne besondern Geruch, wie bei Memulus, Nicotiana (obgleich eide Pflanzen einen unangenehmen Geruch besitzen), von flüssiger Consistenz: doch werden auch Beispiele von dick- | ich flüssigem Nectar angeführt, z. B. von FrxiscuER und Fans (3*5), von Kurr bei der Gentiana lutea (99) und Epe- Medium alpinum (36). In anderen Fällen scheint. er sich nur durch. die Verdunstung und Einsaugung seines wässerigen estandtheils zu verdicken : was bei dem von Opnzuws (37) In den Blumen der Impatiens Balsamina und von Prof. G..JAcER C5) Hei Rhododendron ponticum gefundenen krystallinischen ücker:der Fall gewesen seyn möchte. Dr. Kocn fand den Nec- Ar der letztern Pflanze am Caucasus ebenfalls flüssig (99). Wenn der Nectar in einer grösseren Menge gesammelt ; S0 besitzt er einen, von dem der Pflanze etwas verschie- nen, unangenehmen (doch mit dem des Pollens nicht überein- ‘ommenden) Geruch, welcher sich in der Wärme und beim Ein- "oeknen verflüchtigt. Eine genauere Vergleichung in. dieser ezten Beziehung könnte vielleicht auf weitere Resultate führen. Dass der Nectar von den medicinischen Eigenschaften ` er Pflanzen, aus welchen er abstammt, etwas in sich auf- nehmen mag, ist sehr wahrscheinlich: obwohl Dr. Koch (4?) Versichert, nach dem häufigen und wiederholten Genusse des migs vom Rhododendrum ponlicum, der am Caucasus ge- Sünme]t worden, wo diese Pflanze häufig wächst, keine 6 *
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narcotische Wirkung verspürt zu haben. Sowohl ältere (41) als neuere (4?) Beispiele bekräftigen hingegen den schád- lichen Einfluss auf den Honig, welcher von Blumen narco tischer Gewächse durch die Bienen gesammelt worden war: so dass hierüber wohl kein Zweifel mehr obwalten kann. Der innere Bau der Nectarien ist unseres Wissens noch nicht so genau microscopisch untersucht, als es die vielar* tige äussere Bildung derselben erforderte: er wird allgemei® für drüsig (43 ) angenommen. Eine, von dieser abweichende | Structur des honigabsondernden Organs haben wir an Mimulus cardinalis beobachtet, bei welchem der Honigsaft in der Com missur zwischen dem keulenfórmig verbreiterten Staubfaden und der Corolle ausschwizt. Der Honigsaft erfüllt den ganze" Staubfaden; das Parenchym desselben besteht aus sehr läng lichten Zellen von sehr feinem Gewebe (worin etwa die drü | sige Beschaffenheit bestehen mag). Das Zelgewebe des Staubfadens ist äusserst saftreich, so dass eine unbedeutend® Verletzung der ausserordentlich zarten Oberhaut den Honig’ saft zum Ausfliessen bringt. Ein eylindrischer, sehr feiner; von dem Corollenansatz ausgehender, Strang von Gefässen durchzieht die Achse des Staubfadens, seiner ganzen Länge nach, bis in die Spitze: in diesem weichen und zarten Zellge- webe konnten wir aber nirgends eine drüsige, von der übrige” Masse des Staubfadens verschiedene, Textur wahrnehmen Die Staubfäden sind ziemlich weit von der Basis der Corolle in einen Untersatz, welcher sich beim Abfallen der Blume vom Kelche abtrennt , mit einer verbreiterten Fläche eingesenkt; unterhalb dieser Einfügung ist in diesem verlängerten Theile der Corolle keine Spur von Nectar zu entdecken: daher e$ scheint, dass die Bereitung desselben nur auf den Staubfaden; und die Excretion auf die bezeichnete Stelle der Commissur beschränkt ist. — Der länglichte, an beiden Enden zugespizt& - fleischige Körper der Antheren, in dessen Mitte der verbret terte Staubfaden angeheftet ist, besteht aus demselben feine”, lockeren, saftigen Zellgewebe, und ist wahrscheinlich mi! derselben Flüssigkeit der Staubfäden erfüllt: diese verschwindet `
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"it dem vollkommenen Verstäuben des Pollens, und ver- trocknet entweder, oder wird sie durch den Staubfaden zurück- Seführt: indem sich an der Commissur, vor dem Abfalle der Corolle, der Nectar zu entleeren scheint: weil noch an der urzel des Staubfadens beim Abfallen der Corolle ein grosser l'opfen flüssigen Nectars angetroffen wird, wenn die ganze Anthere schon vertrocknet ist.
In der Bedeutung und Bestimmung der Honigabsonderung in den Blumen herrscht wegen der verschiedenartigen Verbin- dung dieser Organe mit anderen Theilen der Blume und ihrer Abwesenheit bei vielen Pflanzen noch viele Dunkelheit: denn *$ ist nicht mehr die Zeit, das Vorhandenseyn der Nectarbe- "eitung blos auf den Dienst der Insecten zur Befruchtung zu
ziehen ; obschon in der Natur bei den äusseren Verhältnissen er Dinge so Manches sich gegenseitig dient, und absichtlich % unterstützen scheint; so muss doch der wahre Grund sol- cher Erscheinungen nicht ausserhalb, sondern in der innern Othwendigkeit der organischen Einrichtung gesucht werden. . Dass die Nectarabsonderung eine, für die innere Oecono- Xie der Blumen höchst wichtige, Function seyn müsse, können Wir Schon aus ihrem Vorhandenseyn bei einem sehr grossen heile der Gewüchse, soweit uns diess jezt bekannt ist, ab- . Nehmen. Wenn wir hiebei noch in Betrachtung ziehen, dass dieser Erscheinung an den lebenden Pflanzen noch nicht: so Allgemein nachgespürt worden ist, als der Gegenstand es ver-
diente: so werden wir wohl die Vermuthung wagen dürfen,
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ass der grösste Theil der Blumen mit dieser Einrichtung der Cctarabsonderung begabt seyn werde, und dass in denjeni- Sen Gewächsen , bei welchen dieselbe nicht angetroffen wird, "Ud wo sie wirklich fehlt, eine, dieselbe ersetzende, innere economie werde angetroffen werden, wie wir diess schon bei ĉn Gräsern yermuthen können. irmh3t Bei manchen Pflanzen fehlen zwar eigene ausgezeichnete "Pane der Zuckerabsonderung in den Blumen (S. 76), sie zeigen aber unter besonderen, noch nicht gehörig ausgemittel- en, Umständen dennoch eine geringe Honigausschwitzung,
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entweder im Inneren, oder nicht selten auch am Aeusseren det f Blume (S. 79). Bei vielen ausländischen Pflanzen, welche in getrocknetem Zustande zu uns kommen, kann über diese | nur im Leben der Gewächse erkennbare, Eigenschaft keine l Nachforschung mehr geschehen : und bei solchen , welche bei uns in Gewächshäusern gezogen werden, bleibt das Resultat ungewiss, weil es hier häufig am Hauptmoment, der Frucht— und dés Blumenansatzes, fehlt. Bei manchen anderen Familie! und Gattungen mag auch die Absonderung so kurz dauernd und gering seyn, dass sie der Beobachtung bis jetzt entgange! ist. Aus diesen angeführten Gründen glauben wir annehmen zu dürfen, dass sich die Pflanzen, welche keine Honigabson derung besitzen, auf eine viel geringere Anzahl von Fami lien und Gattungen reduciren aut als bisher angenommel wurde. | | Um. den Zusammenhang der Nectarabsonderung mit det
Oeconomie der Gewáchse zu begründen, glaubte v. Góruz (4^)
in den Nectarien eine Annäherung der Kronenblätter zu det
Staubgefässen zu finden (S. 54). Da aber nur bei wenige! Formen der honigerzengenden Organe eine Analogie mit de!
Blumenkrone stattfindet, und eine grosse Verschiedenheit it! | der Gestalt und Verbindung der Nectarien obwaltet, auch die Natur des Nectars und der Pollenmasse gegen eine Verwand” lung oder Uebergang jenes in diese naeh chemischen Prinzi-
pien.streitet: so können wir dieser Ansicht nicht beipflichten,
sondern müssen seine physiologische Bedeutung anderwärts suchen.
Die Bestimmung und die physiologische Exklárnng der Nectarabsonderung in der Oeconomie der Blumen würde meh Licht erhalten, wenn wir nicht blos über ihr Vorhandensey!
in den verschiedenen Gewächsen,, sondern auch über die Ver schiedenheiten in Qualität und Quantität dieses Secrets über haupt, so wie über die Zeiten und Modalitäten seines Ausflus^ ses genauer unterrichtet wären; da dieses aber eine eigene, mit grossen Schwierigkeiten verbundene Untersuchung erfordert: so konnten. wir. uns derselben nicht besonders widmen, Be
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dem Maugel eines solchen Anhaltspunktes müssen wir uns in ` obiger Beziehung einstweilen an Erscheinungen halten, welche Sich zu gleicher Zeit in den Blüthen zutragen, und von welchen Wir daher vermuthen können , dass sie mit der Neetarabson- derung i in einiger Verbindung stehen. Als eine solche Erschei- "ung haben wir oben (S. 58) die Geruchsemanation aus den Blumen wahrgenommen, Der Geruch der Blumen, so wie.die bsonderung des Nectars stellt sich nämlich — seltene Fälle Ausgenommen — zugleich mit dem Oeffnen der Blumen ein. ` Hiebei haben wir nun häufig bemerkt, dass Blumen ‚mit einem starken Geruch, wie Vitis vinifera, Tilia europaea, Re- seda odorata, Dianthus Caryophyllus; Matthiola annua, Primula Auricula, Verbascum phlomoides, Salix purpurea, Calla-aethic- bica, Arum: maculatum nv. à. keinen oder nur wenig Nectar sondern; und dass im Gegentheil manche Blumen mit star- kem "éen wie z. B. einige Arten von Gentiana; Me- anthus, Helleborus, Mimulus; mehrere Leguminosen und Cac- tus-Arten u. a. entweder gerùchlos sind, oder wenig Geruch. Von sich geben, Hiegegen könnte zwar angeführt werden, SS in manchen Blumen, welche einen starken Geruch be- ‚ Sitzen, wie.z, B. Cilrus medica, Auruntium: Lonicera Pericly- ”enum, mehre Asclepiadeen, Orchideen u, a., dennoch eine l'eiehliche Honigabsonderung angetroffen ier ‚Beide Er- Scheinungen zeigen sich jedoch in diesen Blumen nieht in dem- selben Zeitmoment; indem sich die Geruchseffluvien bei ihnen Vorzüglich des Abends bei sich neigender oder untergegangener nne Zeigen: zu einer Zeit, wo die Honigabsonderung am ge- Yingsten ist, oder ganz stille steht, welche wir des Mittags ge- Wöhnlich-am stärksten fanden. Weil es aber auch geruchlose Blumen ohne Nectarabsop- erung gibt, wie Chelidonium, Oxalis und vielleicht noch.viele Andere: so wollen wir dieses Wechselverhältniss blos ange-
Zeigt, und nieht zum allgemeinen Gesetz erhoben haben; theils weil unsere Beobachtungen hierüber noch nieht un ge- tug Sind, theils weil es möglich ist, dass beide Erscheinungen noch unter einem höheren Gesetze stehen, und sich nicht
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gegenseitig bedingen könnten: sondern aus jenem höheren Ge* ` setze gemeinschaftlich fliessen möchten (Conf. 8.58).
Eine Rücksicht glauben wir noch erwähnen zu müssen welche bei künftigen Untersuchungen nicht aus der Acht ZU | lassen seyn dürfte: nämlich diese, dass der Nectarapparat zwar bei allen Arten einer Gattung — mit wenigen Ausnah- ` men — wenigstens in der Anlage, in der Regel derselbe ist; dass aber — wie oben (S. 54) schon erwühnt worden —- die
Eigenschaft des Geruchs der Blumen nur einzelnen Arten Einer Gattung inwohnt. Zugleich machen wir noch auf das abweichende Verhältniss, das in dieser Beziehung zwischen den Asclepiadeen und Apocyneen beobachtet wird, aufmerk- sam; wovon die ersteren eine reiche Honigabsonderung und starke Gerüche, die letzteren aber wenig Geruch und sehr we nig Nectar haben. | |
Eine andere Erscheinung, mit welcher die Nectarabsonde- |
rung in Verbindung gebracht, und worauf von verschiedenen Pflanzenphysiologen viel Gewicht gelegt worden ist, ist die Pollenbereitung: wofür sich besonders HgxcuEr (#5) und KURR (#8) ausgesprochen haben. Beide Naturforscher weichen aber | in ihrer Meinung darin von einander ab, dass der erstere die ganze Pollenbereitung, der letztere hingegen nur seine Ver- stäubung mit der Nectarabsonderung in Verbindung bringt. Im Folgenden werden wir aber sehen, dass die gleichen Gründe für und gegen diese beiden Ansichten sprechen, und keine der- selben auf allgemeine Gültigkeit Anspruch machen kann. Beide Naturforscher scheinen in ihren Folgerungen hauptsächlich dasjenige, zwar weit verbreitete, aber doch nicht allgemeine,
. Verháltniss im Auge gehabt zu haben, wo die Staubgefässe entweder unmittelbar mit dem Honig-absondernden Organ ver- bunden sind, oder wenigstens beide an der Coro sich be- finden.
Zur genauen Erkenntniss des Verhältnisses beider Erschei- nungen muss hier wiederholt werden, was wir bei verschiede- nen Gelegenheiten bemerkt haben, dass zwar im normalen Gange der Blüthe ‚und unter their: äusseren ‚Umständen,
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die Verstänbung des Pollen, die Conceptionsfähigkeit der weib- lichen Organe, und nun auch die Absonderung des Neetars mit dem Oeffnen der Blume bei den meisten Pflanzen in einem omente zusammentreffen , und diese Erscheinungen in der freien Natur gewóhnlich ziemlich gleichzeitigseyen ; wir haben aber oben bei der Naturgeschichte der Corolle gesehen , und Werden bei der Beschreibung der Lebensverháltnisse der mánn- | lichen und weiblichen Organe noch umständlicher zeigen, dass dieser normale Gang háufig durch innere sowohl, als áussere "mstände abgeändert wird, ohne dass hiedurch der Befruch- - tung Eintrag geschiehet, und dass es mit der Honigabsonde- Yung in den Blumen die gleiche Bewandtniss habe, erhellt aus den Im Vorhergehenden erzählten Umständen. Wir haben nämlich gesehen (S. 75), dass die Honigabsonderung nicht immer mit dem Oeffnen der Blume, sondern zuweilen schon früher, zuweilen aber auch etwas später beginnt. Ebenso fángt der Nectar zuweilen vor der Dehiscenz der Antheren an auszuschwitzen , wie wir diess an Dianthus gese-
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hen haben, und C. Bravass (47) ebenfalls 60 bis 72 Stunden ^ `
vor dem Oeffnen der Antheren bei Gentiana acaulis, bavarica, nivalis und Pedicularis versicolor beobachtete; zuweilen erfolgt less aber erst nach geschehener Oeffnung der Antheren, z. B. bei den Leguminosen und Cruciaten, bei welchen im Vigor der `
lumen, wenn der Pollen schon meistens, oder gänzlich ver- Stäubt ist, die Nectarexcretion am stärksten ist. [m Allee, Meinen fanden wir auch die Honigabsonderung länger dauernd, als. die Pollenverstáubung, welche leztere unter günstiger itterung bei mancher Pflanze in einer bis zwei Stunden gänz- ich vorüber ist, während jene erst mit dem Abfallen der
Corolle oder der erfolgten Befruchtung des Ovariums sich
. Die Nectarsecretion ist demnach im Allgemeinen denselben erháltnissen unterworfen, welchen die Entwickelungen der
Anderen Organe der Blumen und ihrer Functionen unterliegen,
Wodurch zuweilen ein Vorschreiten, zuweilen aber auch eine *'spátung des einen oder des andern Theils der Blume gegen
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den andern bemerkt wird, ohne dass dadurch der Erfolg der Befruchtung gestört, oder aufgehoben wird: wie wir diess bei der Frühzeitigkeit der Griffel aufs Deutlichste gesehen ha- ben. Die Gleichzeitigkeit der Nectarsecretion mit der Pollen- d Verstänbung in denen Blumen, wo die beiderlei Organe in det nächsten Nähe beisammen, oder in der Corolle mit einander vereinigt sind, begründet noch nicht dem Causalnexus dieser beiden Erscheinungen ; denn bei allen denjenigen Organisatio- nen, bei. welchen diese beiden Organe nicht auf einem Boden stehen, und überhaupt die Nectarien in die nächste Nähe zum Ovarium gerückt, oder auf — oder an demselben befindlich sind, wie bei sehr vielen Pflanzen der Fall ist, z. B. Delphi- nium, Nicotiana, Ranunculus, tritt’ ein ganz FEAE Ver- hältniss ein; Korr selbst bemerkt von der Nigella damascena (+8) „dass die Absonderung des Honigs fortdauert, bis die „Befruchtung geschehen ist, und der Fruchtknoten anfängt sich „zu vergrössern; wenn jest auch noch nicht alle Staubgef üsse „entleert sind, so: hört sie doch auf“, was wir längst an der Nicotiana paniculata und Langsdorfii, selbst nach verweikter oder gar abgefallener Corolle (bei deren absoluten Dauer) be- obachtet haben.
Wir fassen nun unsere Gründe gegen die obige Meinung in folgenden thatsächlichen Sätzen zusammen, welche uns zu beweisen scheinen, dass die Nectarabsonderung und die Pollen- Verstäubung in keiner nothwendigen Verbindung mit einander stehen, oder die eine Funetion die andere bedinge:
1) Es verstäuben nicht nur viele Familien, sondern auch manche Gattungen von Pflanzen eem Pollen, ohne eine Nec- tarabsonderung zu besitzen. l
2) Die Menge des verstäubenden Pollens steht in 1 kei- nem Verhältniss mit der Honigabsonderung ; einige Pflanzen verstäuben vielen Pollen ohne Neetarabsonderung (Gräser, Cyperoideen, Amentaceen, Coniferen); andere haben eine starke Honigabsonderung mit verhältnissmässig geringer Pol- lenverstäubung (mehrere Ziliaceen, Strelitzia, Melianthus); noch. andere haben eine sehr. reichliche Honigabsonderung
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und der Pollen verstäubt nicht (mehrere Asclepiadeen und Orchideen). Jia
3) Die münnlichen Blumen von einigen Dichogamen, wie Lychnis diurna, Ruscus: androgynus, haben keine, oder eine höchst geringe Nectarsecretion, aber keine unbedeutende Pollenverstäubung: da im Gegentheil die weiblichen Blumen dieser Gewächse jene besitzen, diese aber nicht.
4) Die- verhinderte Verstäubung durch Contabescenz "nd durch frühzeitige Exstirpation der Stanbfáden mit den An- theren hat keinen Einfluss auf die Nectarabsonderung.
5) Absolut sterile Hybriden, z. B. Zychnieucubalus al- bus und ruder, alle Digitalis, mehrere Dianthus und Nicotiana- | Bastarde , bei welchen der Pollen, und selbst die Staubfäden, nieht zur Entwickelung kommen, sondern ebenso ihren Nectar ab, wie. die reinen Arten , welche. eine normale Pollenver-
Stäubung haben, - M65 6) Bei mehreren Gattungen aus der Familie der Legu-
Minosen und Cruciaten fángt die Nectarsecretion nach der De-
biscenz der Antheren an, und dauert. noch lange nach ihrer
Verstàubung fort, :
7) Bei einer geringen Anlage hängt die Honigabsonde- tung von äusseren Umständen (heisser und zugleich feuchter Witterung), und nieht von der Verstäubung der Antheren ab: beide Erscheinungen werden nur durch die gleiche Ursache bewirkt, . | |
8) Mit der Befruchtung des Ovariums hört die Nectar- Secretion auf: selbst, wenn noch nicht alle Antheren in einer e Blume verstàubt sind; hieraus folgt zugleich, dass die Honig-
absonderung mit dem Ovarium in gleichem Verhältniss steht, `
Wie die Corolle: daher diese in den Fällen, wo jene fehlt, sie Ersetzen mag: so enthalten die Blumenblátter mehrerer Lilia- teen und Leguminosen Zuckerstoff, ebenso die Staubfáden Von Crocus, Mimulus u. à. $ Wir wollen endlich nieht in Abrede ziehen, dass bei den 9nopetalen, oder überhaupt bei derjenigen Organisation der: Blumen > bei welcher die honigabsondernden Organe: in
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unmittelbarer Verbindung mit den Staubgefássen stehen, diese , Excretion zunächst Einfluss auf die Reifung und Verstáubung . des Pollens auf die Art habe, dass nicht blos überflüssige Säfte, sondern auch solche Stoffe chemisch abgeschieden wer- den, welche durch ihre Entfernung den Process der Reifung und des Zerfallens des Pollens in den Antheren ergänzen. Aus dieser Zusammenstellung des Ganges der Erschei- nungen, unter welchen der Nectar in den Blumen sich zeigt, scheint zu erhellen, dass im Allgemeinen und hauptsächlieh der Zug der Säfte nach dem Ort, wo nach dem besondern Or- ganismus und der Oeconomie der Blumen nicht nur ihr Vor- handenseyn, sondern auch ein Ueberfluss derselben nothwen- dig ist, durch seine Absonderung bezweckt werde; dass also das Zusammentreffen mit der Pollenverstäubung ein blos un- tergeordnetes ist, und dass die, durch diese Absonderung herbeigezogenen Säfte je nach dem Orte, wo sich das Ab- sonderungsorgan befindet, eine besondere Bestimmung in der Blume haben. E Der Nectar ist in materieller Beziehung ein Stoff, "- cher zwar in der Blume allgemein verbreitet ist: er scheint aber mit seiner Ausscheidung in derselben seinen Dienst er- . füllt zu haben, worüber jedoch Bnavais (49) anderer Mei nung ist, welcher dessen Resorption und Verwendung zum Wachsthum des Ovariums annimmt. Es móchte diess aber nur ausnahmsweise geschehen; denn, abgesehen davon, dass , mit der geschehenen Befruchtung die Absonderung des Nectars in den Blumen gemeiniglich aufhört; und die absondernden Organe mit der Corolle und den Staubgefässen verderben: so werden excrementitielle Stoffe, wofür der Nectar aus den eben angegebenen Gründen zu halten ist, nur selten wieder eingesogen, wie wir auch an dem wässerigen Excret der Calla aethiopica gesehen haben (5°). Wir weichen daher auch von der Meinung v. Góruz's 6 1) ab, welcher den Nectar für eine noch unausgearbeitete, nicht völlig determinirte, Befruchtungsfeuchtigkeit hält. Durch die Absonde- rung des Nectars wird das Uebermass über den zur Ernährung
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nöthigen Bedarf der Saftmasse so lange chemisch geläutert und abgeleitet, bis mit der geschehenen Befruchtung des Ovariums das Material zum Wachsthum der Frucht und der Samen in Anspruch genommen wird, indem mit diesem Zeitpunkte alle ectarabsonderung aufhört. Ueberdiess ist es bekannt, dass ^^ verschiedenen Entwickelungsperioden der Pflanzen Zucker- Stoff durch den Wachsthumsprocess erzeugt wird, um zur
ildung von zelligem Gewebe verwendet zu werden, wie beim Prühlingstrieb der Bäume im Cambium, beim Keimen der Sa- Men und der Verholzung der Blumenstiele, des Kelchs, der äusseren Frucht- und Samenumhüllungen.
“Ueber die Rolle, welche der Zuckerstoff in dem Lebens- Process der Gewächse spielt, möchten die Gräser und Cerea- lien den deutlichsten Aufschluss geben, deren saftige Blätter und Halme vor dem Blühen einen Reichthum von Zuckerstoff be- Sitzen, welcher nach Parras und Rover-Corzaros (5?) Berichten (ei Zea Mays) durch das Abschneiden der Rispe noch vermehrt, Mit dem Uebergang in die Blüthe aber vermindert wird, und mit der Reife der Samen ganz aufgezehrt oder verwandelt ist.
Andere Physiologen haben an verschiedenen Pflanzen,
7. B. an Sarracenia, Nepenthes, und wir an (alla aethiopica und anna (53) ähnliche wässrige Absonderungen an den Blättern Cobachtet, welche auch nur zu gewissen Perioden des vege- tativen Lebens dieser Gewächse vorhanden sind, wo der Nah- Tungssaft überfliesst, sich aber wiederum zu ergiessen auf- ört ; wenn sein Material in dem Pflanzenkórper eine andere ` Richtung. durch seine Verwendung zum Wachsthum des Blü- thenstängels und der Blumen erhält. ` Diese Erscheinung Steht jedoch mit der allgemeinen Ausdünstung in genauer Ver- indung; da die Nectarabsonderung im Gegentheil durch die ärme vermehrt wird, und mehrere Pflanzen bei starker Ausdünstung eine reichlichere Honigabsonderung besitzen,
Wie z. B, Mimulus , Melianthus , viele Leguminosen, und an:
dere hei sehr geringer Ausdünstung eine starke Nectarseere- "lon zeigen, z, B. die Cacteen, einige Asclepiadeen (Hoya Carnosa) und einige Apocyneen. A uda
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Es ist uns noch ein Moment der Vergleichung dieser Ab- sonderung mit einer andern feuchten Ergiessung bei den Pflan* zen übrig, nämlich mit der Narbenabsonderung, welche gewöhn- lich in demselben Zeitpunkte eintritt. In Hinsicht der Meng® steht diese mit der Honigexeretion in keinem Vergleich; in dem jene auch da, wo sie im reichlichsten Maasse angetroffen wird, nämlich bei verhinderter Bestäubung; nur zu einem Tröpfchen sich sammelt; häufig aber blos in einem feuchten Dunste besteht. In Beziehung auf das Vorhandenseyn ist zwischen beiden ebenfalls ein grosser Unterschied, indem die Absonderung der Narbe in keiner Blume fehlt, und nur ið verschiedenem Zustand vorhanden ist: ‘endlich sind beide Flüssigkeiten auch noch darin verschieden, dass jene wieder eingesogen wird, der Nectar aber als Excret zurückbleibt : der chemischen Verschiedenheit der Bestandtheile nicht zu gedenken. Nur in dem einzigen Punkte kommen beide Abson- derungen mit einander überein: dass beide mit der erfolgten Befruchtung aufhören, nur die der Narben früher, als die der Nectarien.
Unter die secundáren Folgen der Honigabsonderung rech- nen wir die Mässigung der Wärme in den Blumen, wovon an seinem Orte die Rede seyn wird. E
Wir könnten auch noch des Gedankens vos GórhE ( 54) von dem polarischen Gegensatz der Vertropfung des Nectars | und der Verstáubung des Pollens Erwähnung thun, welcher von den Gegnern der Sexualität so begierig ergriffen worden war, wenn seine Unstatthaftigkeit nicht so deutlich aus den factischen Umständen, welche im Vorhergehenden aufgezählt | worden sind, hervorleuchtete. Hievon wird bei der Verstäu- bung des Pollens umständlicher gehandelt werden.
Die Versuche, welche wir an verschiedenen Pflanzen durch Benetzung der Narbe theils mit eigenem, theils mit fremdem. Nectar in der Absicht, den Einfluss desselben bei der Befruchtung zu erforschen, angestellt haben, werden unten . am geeigneten Orte im Kapitel von der Befruchtung näher be- schrieben werden. Vorläufig bemerken wir hier nur so viel
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dass die Nectarbenetzung die Befruchtung nur in soferne zu egünstigen scheint, als sie das Haften des Pollen auf den noch nicht völlig conceptionsfáhig gewordenen Narben erleichtert. Die Nectarabsonderung steht bald mit der Corolle, bald mit den männlichen, bald mit den weiblichen Organen in einer nähern organischen Verbindung; da sie aber in Hinsicht ihrer Physiologischen Bestimmung mit der Function der Corolle Vieles gemein hat, so glaubten wir ihrer Untersuchung keinen Sehicklicheren Platz als hier anweisen zu kónnen. = Nicht blos der Nectar, sondern auch der Pollen ist eine Nahrung und Lockspeise für die Bienen und andere Insecten.
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v. Van den Síaubgefüssen der Gewächse. Lë
Die Staubgefässe der Pflanzen bestehen aus zwei we sentlich verschiedenen Theilen, den Staubfäden oder Filamen- ten und den Staubkölbchen oder Antheren. So enge bei eini- gen Pflanzen diese beiden Theile mit einander vereinigt sind, so dass diese Verbindung ohne Verletzung des einen oder des andern Theils nicht getrennt werden kann, z. B. bei Nigella, . Aquilegia, einigen Arten von Potentilla u. s. w, und bei der krankhaften Metamorphose sich in homogene Gebilde ver- wandeln: so locker und zart ist ihr Zusammenhang bei dem grössten Theile der Gewächse, so dass die Filamente zwar nach strengen Gesetzen dem Boden, worauf sie stehen, ent- sprossen, nur als einfache Träger und Leiter des Nahrungs- saftes erscheinen: während den, nach minder consequenten Gesetzen geformten, Antheren die materielle Bedingung der Fortpflanzung und Erhaltung der Art anvertraut ist. Die
Staubfáden sind daher nur einer verhältnissmässig geringen Anzahl von Gewüchsen, aber doch einigen ganzen Familien, z. B. den Orchideen, Asclepiadeen und Apocyneen gänzlich versagt, wogegen dieselben aber eine andere Form und Consi- ` .Stenz der Antheren und des Pollens erhalten haben.
Aus der strengen Gesetzmässigkeit der Insertiun der Staub- fäden bei vielen Familien und Gattungen (S, 62) sollte man bei denselben eine tiefere Beziehung für den vegetabilischen Organismus voraussetzen dürfen, als blos die Ernähr ung der
Antheren und die mechanische Erleichterung des Befruch- tungsactes: wenn gleich die Verschiedenheit des Ortes, wo sie
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b M L] N e : ei den verschiedenen Classen der Pflanzen entspringen, anf
der andern Seite anzuzeigen scheint, dass das Filament in organischer Hinsicht in keinem nothwendigen Zusammenhange mit der Blumenkrone steht. Wenn daher einige Naturfor- Scher behaupten, dass die Staubgefässe die grösste Verwandt- Schaft mit der Corolle haben; und nur ein Appendix und gleich- Dm luxurirender Theil derselben seyen, und dass sie aus der Corolle gebildet werden (S. 62); so gilt diess nur von einigen Formen, und kann in dieser Allgemeinheit nicht aus- Sesprochen werden, Die Lósung des physiologischen Problems des Ursprunges und. der lusertionsgesetze der Staubfäden, Welche für die sogenannte natürliche Methode von so heher
ichtigkeit ist, muss daher noch ferneren Untersuchungen és inner : es S Innersten Organismus der Pflanzen vorbehalten bleiben.
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z 1. Von den Staubfäden
Die Staubfäden sind die, in der Blumenknospe am wenig- Sten entwickelten Theile; ihre völlige Ausbildung, welche vor- Nehnlich in ihrer Verlängerung besteht, erlangen sie gewöhn- ich erst, nachdem sich die Blume geöffnet hat: nur bei weni- a Pflanzen sind und bleiben die Staubfäden so kurz, dass
Sanzlich zu fehlen scheinen; die Antheren haben aber ihre
Sewöhnliche Form, und erhalten keine abweichende Organisa- MED wenig als der Pollen. | Die Entwickelung und Verlängerung der Staubfáden er-
o] TE BEER St, zumal bei einwirkender Sonne , zuweilen in sehr kurzer `
Sit, z, p. bei einigen Caryophylleen, Silene nutans, Cucuba- msn. in 2 bis 3 Stunden um 6 bis 7 Linien: diese di E Verlüngerung der Staubfäden tritt aber bei den genann- > : anzen meistens in dem lezten Momente der Verstáubung
htheren oder kurze Zeit nach derselben ein, wobei die-
ĉinj H *; en 1 Sen Caryophylleen u. a. bedeutend dünner und zäher wer-
e 1 d . LL A . . e 5 N, indem sie